Samstag, 16.02.2019

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Imkerei kein Honiglecken? Exkursionsfahrt des BBV

Bauern und Imker suchen nach gemeinsamen Lösungen gegen Bienensterben - 28.08.2016 19:15 Uhr

Zu wenig Blühpflanzen für die Bienen und andere Insekten. Wie sich das bessern soll, dafür sammelte BBV-Kreisobmann Seitz Vorschläge. © Harald Munzinger


Seitz reagierte mit dieser von beiden Seiten begrüßten Initiative auf jüngste massive Attacken des Kreisvorsitzenden der Imker, Matthias Rühl, und eine damit ausgelöste öffentliche Debatte. Rühl hatte die durch die industrialisierte Landwirtschaft "ausgeplünderten und verdichteten Böden" sowie deren Einsatz von Pestiziden und Herbiziden für eine ausgeräumte Natur mit der Folge von stetig weniger Bienenvölkern und der schlechtesten Honigernte seit über 45 Jahren verantwortlich gemacht.

Während ein Teil der Imker Rühl in der Sache zustimmt, auch wenn er bei seiner Argumentation "mal übers Ziel hinaus schieße", halten andere seine Art der Konfrontation für kontraproduktiv, schämen sich sogar teilweise für "den voll daneben liegenden Ton". So entstünden Zerrbilder und immer tiefere Gräben, während eine Lösung auch von der Landwirtschaft eingeräumter Probleme nur gemeinsam möglich sei. Sowohl die Landwirtschaft als auch die Natur und Insekten brauchten Verlässlichkeit, wurde dargelegt.

Bedingungen besser denn je

Eines der Beispiele für ein gutes Zusammenspiel von Landwirtschaft und Ökologie im Sinn der Imkerei war ein Sonnenblumenfeld mit vielfältigen weiteren Blühpflanzen, das bei der Informationsfahrt besichtigt wurde. © Harald Munzinger


Bei der Informationsfahrt wurde an einigen Beispielen gezeigt, dass in der Vergangenheit schon Verbesserungen im Interesse der Imker erzielt worden seien, nun dafür die Bedingungen "besser denn je sind, da eine Anrechnung der Blühflächen und der Zwischenfrüchte beim Greening jetzt schon möglich ist". Allerdings muss noch ein bürokratisches Hemmnis überwunden werden, durch das bisher die Aussaat zu spät erfolgte.

Diese müsse unmittelbar nach der Ernte der Hauptfrucht und nicht erst ab 16. Juli möglich sein, stimmte BBV-Präsident Günther Felßner der Verbandsinitiative zu, bezeichnete das EU-genormte Datum ohne jeglichen biologischen oder ökologischen Ansatz als Schwachsinn, da sich die Vegetation nicht an Kalendarien halte. Mit frühzeitiger Aussaat der Bienenweiden und höherem Förderanreiz sollten deutliche Verbesserungen für die Bienen und viele weitere Insekten erzielt werden. Felßner würdigte das engagierte Handeln von BBV-Kreisobmann Leonhard Seitz, erteilte zugleich an die Adresse von Kreisimker Rühl Schaukämpfen und öffentlicher Konfrontation eine deutliche Absage.

Der Deutsche Imkerbund mit mehr als 104.000 Mitgliedern kämpft an der Seite der Landwirtschaft für den Abbau bürokratischer Vorgaben, wie es Bundesvorsitzender Peter Maske bei der Informationsfahrt betonte und die Notwendigkeit gemeinsamen Strebens nach Verbesserungen unterstrich. Dass diese nötig sind, war auf beiden Seiten unbestritten, wenn die Fahrt an großen Maisfeldern ohne einen möglichen Blütenrandstreifen vorbei führte, oder sich über weite Strecken das Bild einer Natur ohne jegliche Blüten bot.

Vorschläge bei "Wunschkonzert"

So forderte denn auch Seitz beim "Wunschkonzert" zu Vorschlägen auf, wie Verbesserungen für die Insekten bei gleichzeitig ihren Mann ernährender Landwirtschaft erzielt werden könnten. Da wurde unter anderem geraten, in den Solarparks die Paneele höher zu stellen und damit einen besseren Unterwuchs zu ermöglichen. Zudem sei für das Frühjahr als erste Nahrung an Feldgehölze zu denken, die Mahd der Luzerne erst nach der Blüte vorzunehmen.

Es ist schon viel erreicht und es muss noch mehr getan werden, stimmten BBV-Kreisobmann Leonhard Seitz, Präsident Günther Felßner und der Bundesvorsitzende der Imker, Peter Maske (v. r.), überein. © Harald Munzinger


Notwendig wäre zudem eine Vernetzung der Blühflächen, die an Einzelbeispielen begrüßt wurden, aber noch viel zu selten seien. Auch Brachflächen vermehrt als Bienenweiden einzusäen, wurde in der Vorschlagsliste ebenso notiert, wie der Wunsch des häufigeren Meinungsaustausches, da auf beiden Seiten Informationsdefizite ausgemacht wurden.

Der Bundesvorsitzende der Imker, Peter Maske, wollte Hemmnisse für die Anlage von Acker-, Wald- und Pufferstreifen wie die millimetergenaue Aufzeichnung bestimmter Bauten in der Fläche - etwa eines Bienenstandes - beseitigt wissen. Der Ackerstatus müsse bei der Anlage von Blühstreifen erhalten und somit Rechtsicherheit geschaffen werden. Ferner fordert der Imkerbund "die Anrechnung von flächenförmigen Maßnahmen zu ökologischen Vorrangflächen" und mit dem Ziel "vitaler Winterbienen" die Anlage von blühenden Zwischenfrüchten sofort nach der Ernte der Hauptfrucht.

Schulterschluss mit BBV-Kreisverband

Hier erfolgt ein enger Schulterschluss mit dem BBV-Kreisverband, der auch bei der Forderung einer "Erhöhung des Anrechnungsfaktors von bisher 0,3 aufgrund höherer ökologischer Wertigkeit zum Vorteil für Bienen oder andere Insekten" hinter den Imkern steht. Hier werde eine gesellschaftliche Aufgabe erfüllt, was auch von der Gesellschaft zu tragen sei, so Vorsitzender Maske zu Leistungen zugunsten der Landwirte, die nur von einem Imagegewinn nicht leben könnten.

BBV-Obmann Seitz verwies auf einen Beschluss im Kreisverband bereits im Februar 2014, eine Sonderregelung im Greening für Bienenweiden zu fordern. Dazu hätten zehn Landwirte einen äußerst erfolgreichen Praxisversuch gestartet, in dem sie zehn Hektar Blühmischungen als Zwischenfrucht angebaut hätten. Zum Kreisverbandsantrag, der im Juli 2015 vom Deutschen Bauernverband verabschiedet worden war, gehörte neben der flexiblen, früheren Aussaat und Erhöhung des Anrechnungsfaktors auch die "Flexibilisierung beziehungsweise Vorverlegung der Aufwuchsentfernung von bisher 15. Januar in Bayern auf vier bis viereinhalb Monate nach Einsaat der Zwischenfrucht".

BBV-Präsident Felßner zeigte sich mit Unterstützung von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt zuversichtlich, dass der Antrag Erfolg hat, der aktuell in einer Gruppe der EU zusammen mit den Länderbauernverbänden beraten wird. Obmann Seitz: "Mehr hat bisher kein anderer Kreisverband erreicht". So kann man über reine Verbalattacken erhaben sein, strebt aber im Zusammenwirken von Bauern und Imkern wirksame Verbesserungen an.

Manch einer, für den "die Imkerei schon lange kein Honiglecken mehr ist", hörte die Nachricht wohl, mochte aber nicht gleich in ein Loblied auf die Landwirtschaft einstimmen. Den Worten müssten Taten folgen, war zu vernehmen, zugleich aber auch die Anerkennung, Gräben nicht weiter zu vertiefen, sondern zuzuschütten, "am besten eingesät mit Bienenweiden". 

Harald J. Munzinger E-Mail

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