Donnerstag, 15.11.2018

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Jean Paul: Erinnerung an "Neustadt-Schwärmer"

Am 21. März wird sein 250. Geburtstag gefeiert - 17.03.2013 19:43 Uhr

Dr. Godehard Schramm hatte den Jean-Paul-Leseweg angeregt und auch die Zitate ausgewählt. Der Gedichtspfad entlang der Stadtmauer sollte auch ein Denkmal für die Bedeutung von Literatur für das gesellschaftliche und kulturelle Leben sein. © Harald Munzinger


Schließlich hatte er hier nach eigenen Worten "eine höhere Sprosse der Himmelsleiter" erstiegen, als er im Sommer 1793 auf einer seiner zahllosen Wanderungen nach Neustadt gekommen war, hier seinen Jugendfreund Friedrich Wernlein in der "Hochfürstlichen Landeshauptstadt Neustadt an der Aisch" besuchte. Es war ein Sonnabend gewesen, als er die Stadt erreichte und sich im ehemaligen "Oertelsgarten" vor der Stadtmauer am Schloss niederließ. In einem der begeisterten Briefe, die er über diesen Aufenthalt schrieb, schwärmte Jean Paul: "Das Schicksal hat uns so lieb gehabt, dass es fast lauter ist schöne Gesichter stat Meilerzähler in unseren Weg hineingestelt".

Durch die Bambergischen Wiesen hätte er "mit ausgespanten Armen gehen mögen, um sie so gleich an den schönsten Gestalten, die uns auf ihnen begegneten zuzumachen", heißt es weiter. Das mochte wohl auch so gewesen sein, berichtet Heide Wägner bei ihrer "Jean Paul-Führung" dass der Verehrer schöner Frauen auf einer Bank ein Mädchen in den Arm genommen und ihm wohl tief in die Augen geschaut hatte. Einen Moment, den man heute an einem alten Schöpfbrunnen nachvollziehen kann, der zum Heimatfest 2000 aus Sandstein in einer Anlage zwischen "Jean-Paul-Allee" und Stadtmauer aufgemauert worden war.

"Literatur im Freien"

Die Idee für den "Jean-Paul-Weg“ hatte der Schriftsteller Dr. Godehard Schramm. Auf Tafeln begleiten hier Zitate des Dichters den Spaziergänger, sollten seine Werke als "Literatur im Freien lebendig gehalten“ werden, ist es auf der Übersicht über die Lebensstationen von Jean Paul zu lesen, die Bürgermeisterin Claudia Platzöder mit Schramm enthüllt hatte.

Der wird am 21. März, an dem der Dichter 250 Jahre alt geworden wäre, mit Stella Cramer bei einer Lesung in der Neustädter Buchhandlung Dorn "einen schönen Eindruck“ in das literarische Werk von Jean Paul bieten, "voll von Witzigem und Absurdem, aber auch philosophischen, ernsten Gedanken“. Der Klang- und Musikvirtuose Franz Tröger aus Bamberg wird dazu "Schumanns Papillons“ auf neue Art und Klang-Weise ertönen lassen (Beginn 19.30 Uhr, Anmeldung zu einem "schönen, literarisch-musikalischen Abend“ empfohlen).

Schon um 11.30 Uhr wird an diesem Tag eine Litfasssäule am westlichen Eingang zur "Jean-Paul-Allee“ enthüllt und dazu Altbürgermeister Dr. Wolfgang Mück "dem Geburtstagskind die ihm zustehende Würdigung zuteil werden lassen“. 25 dieser Säulen in fünf Bundesländern und Tschechien, die Wohnorte und Wanderrouten des Dichters markieren, werden am gleichen Tag enthüllt.

 Auch wenn er in Neustadt nur kurz verweilte, hatte dieser Aufenthalt Jean Paul offenbar besonders bewegt. So schrieb er: "Dieser Zauberabend steht wie ein Blumenfeld dunkel unter dem Wasser der Zeit und der Vergangenheit, und ich kann vor Sehnsucht kaum hinuntersehen zu diesem untergesunkenen Blumen-Boden. Ach dieser Boden trug schöne Minuten. Im langen Garten eines gewissen Oertels ist die Wiege und das Grab eines meiner schönsten Abende“.

Höhere Sprosse der Himmelsleiter

Er habe "jedes sanfte Mädgen“ gefragt, "welches der rechte Weg wäre, und verlor darüber einen anderen rechten. Und doch erstiegen wird auf dieser Himmelsleiter noch eine höhere Sprosse, Neustadt nämlich“. Dieses Zitat darf heute bei keiner Vorstellung der Stadt fehlen., Ein 2009 gegründeter Verein "Jean Paul 2013“ (Sitz Bayreuth) will das Jubiläumsjahr zum Anlass nehmen, die Aura des Dichters wieder zum Strahlen zu bringen“. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat dafür die Schirmherrschaft übernommen, da "es verdienstvoll ist, das unvergleichliche und umfängliche Schaffen Jean Pauls wiederzuentdecken und einer breiten Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen. Damit wird der Pflege des reichen deutschen literarischen Erbes eine ganz besondere und farbenreiche Facette hinzugefügt“.

Über 200 Seiten umfasst eine Veranstaltungsübersicht von Festakten, Lesungen, Konzerten, Vorträgen und Einweihungen von Gedenkstätten zwischen Berlin und Zürich, Wunsiedel bis Wien. Darin finden sich auch die Lesung am 250. Geburtstag in der Buchhandlung Dorn, wie auch ein Stadtführung von Dr. Mück "auf den Spuren von Jean Paul in Neustadt“ am Samstag, 29. Juni (10.30 Uhr), veranstaltet von der Stadt Neustadt und dem Geschichts- und Heimatverein. Zu einer "Kinder-Kunstaktion auf den Spuren Jean Pauls“ lädt die Buchhandlung "Libretto“ am 2. Juli um 14.30 Uhr in den Schlosshof ein - zu "Zeit zum Malen, Zeit zum Lernen, Zeit zum Nachdenken mit Dr. Wolfgang Mück“.

In der Bad Windsheimer “Museumskirche Franken” wird schließlich noch Landrat a. D. Dr. Peter Seißer - Synodaler der EKD aus dem Dekanatsbezirk Wunsiedel, Jean Pauls Geburtsort - am Freitag, 11. Oktober, über “Jean Paul und seine fränkische Heimat” referieren. 

Harald J. Munzinger

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