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Montag, 20.08.2018

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Juso-Chef Kevin Kühnert zu Besuch in Langenfeld

Auf Erkundungstour in Sachen ländliche Entwicklung - 24.07.2018 18:07 Uhr

Bürgermeister Reinhard Streng informierte Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, MdL Harry Scheuenstuhl, Landratsvertreter Bernd Schnizlein und Kreisrätin Heike Gareis (v. l.) über die Dorfladenphilosophie als Teil der innovativen Ortsentwicklung "in eigener Hand". © Harald Munzinger


Er habe, so das Fazit seines einstündigen Besuches mit dem Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl, eine Gemeinde kennengelernt, die mit Eigeninitiative und Herzblut negativen Entwicklungen entgegensteuert. So nimmt Kühnert nach eigenen Angaben "ein positives Beispiel" in seinem vielfach negativ besetzten Themenspektrum mit, das in einem der Arbeitskreise der Juso-Erneuerungs-Kampagne unter dem Aspekt aufbereitet wird, "wie Fördermittel aufgenommen und umgesetzt werden und an welchen Ecken und Enden noch Nachholbedarf ist".

Nicht auszuschließen, dass er diesem Langenfeld noch einmal eine Visite abstatten wird. Denn hier hat er einen Bürgermeister "mit einer gesunden Portion Kreativität" kennengelernt und eine Gemeinde mit jener Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft, die für Kevin Kühnert die Stärke des ländlichen Raumes ausmachen. Es gehe ihm darum, "gleichwertige Lebensverhältnisse auch in ländlichen Regionen zu erreichen", wurde zu seiner Informationsreise mit einigen Stationen in Franken berichtet.

Dazu gab ihm Bürgermeister Reinhard Streng ein ganzes Bündel an Anregungen mit. Dieser wollte die kommunalen Finanzen aufgestockt und zugleich "formaljuristische Stolpersteine" sowie "KO-Kriterien" und "Auflagen, die das Leben schwer machen", beseitigt wissen. Als Beispiel dafür sollte die Notwendigkeit einer "exterritorialen Toilette" im Komplex von Dorfladen, Arztpraxen und Physiotherapie gelten. Streng forderte die Öffnung der Politik für "Gemischtwarenläden an Leistungen und Nutzungen", sollten doch Bestrebungen zur verbesserten Infrastruktur im ländlichen Raum gefördert und nicht im Verordnungsdickicht stecken bleiben. Von diesem unbeirrt, hatte Ideengeber Streng mit einem mutigen Gemeinderat das schon mehrfach hochkarätig ausgezeichnete und von Kanzlerin Merkel besuchte Mehrgenerationenhaus "Dorflinde" realisiert.

Projekten höchsten Respekt gezollt

Dieses sollte eine Initialzündung für weitere Projekte sein, wie den von Kühnert in Begleitung von MdL Scheuenstuhl, stellvertretendem Landrat Bernd Schnizlein, Stadt- und Kreisrätin Heike Gareis bewunderten Dorfladen als "Dienstleistungszentrum" mit angekoppelter Arztpraxis und Physiotherapie, eine Seniorenwohnanlage, eine Tagespflege oder ein Gasthaus, mit dem die Kommune nicht nur eine wertvolle alte Bausubstanz rettete, sondern auch einen Anziehungs- und vitalen Ortsmittelpunkt geschaffen hatte. Einen neuen Dorfpunkt inklusive, auf dem Rinder Platz für Blech machten, wie Bürgermeister Streng launig den Strukturwandel beschrieb. Ihm zollte Kühnert mit seinem Gemeinderat und aufgeschlossenen Mitstreitern in der Bevölkerung höchsten Respekt.

Ein sehr aufmerksamer Eindruckssammler: Kevin Kühnert bei der Station Langenfeld auf Deutschlandtour in Sachen ländlicher Raum und Daseinsfürsorge. © Harald Munzinger


Für den Arzt am Ort eine Praxis zur Verfügung zu stellen, die nach Strengs Wunsch auch bei einem Generationenwechsel für einen jungen Mediziner die Option für eine Ansiedlung "ohne Lebensentscheidung" sein sollte, ist für MdL Harry Scheuenstuhl "vorbildhaft, aber kein Modell", wie die gesamte Kommunalisierung der Daseinsvorsorge für ihn ein kritisches Thema ist. Wenn Städten und Gemeinden von Bund und Land immer mehr Aufgaben übertragen würden, müssten sie auch entsprechend finanziell ausgestattet werden, war man sich in der Gesprächsrunde einig. Ebenso, wie bei der Forderung Langenfeld, wieder seinen Bahnanschluss zu erhalten.

Von Politik Unterstützung vermisst

Für Bürgermeister Reinhard Streng, der hier bisher - im Gegensatz zu erfolgreichen Initiativen im Nachbarkreis Ansbach - jegliche Unterstützung der Politik vermisst, hängt davon entscheidend die weitere Entwicklung Langenfelds ab. Einerseits, um Pendler im Ort zu halten, zugleich aber auch als Anreiz für Neuansiedlungen. Dies alles vor dem Hintergrund des Verlustes der Molkerei mit 60 Arbeitsplätzen, wie bei eitel Sonnenschein der Vorzeigeprojekte, auch noch Wolken am Langenfelder Horizont sind. Dass Bürgermeister Streng auch Pläne hat, diese zu vertreiben – etwa mit der Park-and-Ride-Anlage für den Bahnhof auf einem Teil des Molkereigeländes - sollte niemanden in der Runde wundern. Da ist unter anderem auch ein Projekt "innen statt außen" mit Wohnbebauung anstelle aufgelassener landwirtschaftlicher Gebäude.

Auf die S-Bahn-Vision zu setzen, mahnte MdL Scheuenstuhl, sei für ihn eine "Luftnummer, die dem Wahlkampf geschuldet" sei. "Hauptsache der Zug hält hier wieder", stimmte man ihm gerne zu. Schließlich verbindet sich mit Bahnhaltepunkten nach Strengs Beobachtungen "innerhalb kürzester Zeit eine enorme Dynamik". Dieser bedarf es auch, um die Lokomotive der Dorfentwicklung mit aktuell wieder leicht steigender Bevölkerungszahl um die magischen 1000 Einwohner unter Dampf zu halten. Den Bahnhof Langenfeld will die SPD in die anstehenden Verkehrskonferenzen einbringen, "höhlt doch steter Tropfen den Stein", so MdL Harry Scheuenstuhl. An Langenfeld werden Kevin Kühnert - ohne jegliche Wahlkampffloskeln ein aufmerksamer Zuhörer - Leute erinnern, "die Ideen mitbringen und anzuleiten verstehen". 

Harald J. Munzinger

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