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Freitag, 21.09.2018

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Kleiner Ortsteil von Gutenstetten in Akten und Erzählungen

20. Aktionstag: "Geschichte Haags und seiner Anwesen" - 21.08.2018 21:36 Uhr

Meta Zemann plauderte beim Aktionstag des Heimatvereins munter aus ihrem Leben im kleinen Ortsteil Haag. © Gerhard Eichner


Reiß hatte bei zwei Rundgängen den rund 100 Gästen aus Archiven Interessantes aus der Geschichte des kleinen Gutenstettener Ortsteiles mit seinen vier Anwesen und knapp zwei Dutzend Bürgern zu berichten, dessen erster urkundlicher Nachweis im Reichssteuerregister des Fürstentums Brandenburg-Ansbach-Kulmbach unterhalb des Gebürgs von 1497 datiert, Haag aber 1314 bereits bestanden haben muss. In seiner Zulassungsarbeit zum Lehramt an höheren Schulen 1961 ging Johannes Müller aus Neustadt von der ersten urkundlichen Erwähnung 1531 und mit der Namensdeutung davon aus, dass der Ort "in einen dichten, mit Dornensträuchern verwachsenen Wald hineingerodet wurde".

Dreißigjähriger Krieg löschte Ort aus

Aus den Akten des Klosters Münchsteinach zitierte Reiß, dass im Jahre 1535 ein Halbhaus zu Haag, also die Hälfte eines Hofes dem Kloster in Münchsteinach vermacht und auch die Schäferei zu Gutenstetten verstiftet worden. Im Münchsteinacher Klosterinventar von 1540 sei von 6 Anwesen (Herdstätten) die Rede gewesen. Wie im ganzen Land habe der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 auch Haag völlig verändert. Es sei "ganz öd und ganz eingegangen, dass weder Menschen noch Vieh darin gewohnt hat", beschrieb es Pfarrer Veit vom Berg, damals beim Rittmeister Wilhelm Bleymann in Birnbaum, dessen Mutter die Müllerstochter Boßeck aus Gutenstetten war.

Die folgenden Jahre bis 1792 seien nach den Schilderungen von Helmut Reiß offensichtlich unspektakulär gewesen. 1752 soll es nach einer "geometrische Mappa über das Closteramt Münchsteinach" sieben Häuser in Haag gegeben haben, 1831 laut Johannes Müllers Beschreibung 37 Einwohner und 1856 nach einer erneuten Zählung mit 41 Seelen. Über die letzte 200 Jahre hatte der Vorsitzende des Heimatvereins Aufzeichnungen über die Besitzer der Hofstellen, zu denen er die Besucher führte und den Bogen in die Gegenwart schlug. Darunter zur ältesten Einwohnerin Haags, der 1929 geborenen Meta Zemann. Sie berichtete im wohltuenden Schatten eines Nusssbaumes unter anderem wie sie 1935 als Mädchen von Haag zur Schule in Gutenstetten kam, wie sie den Zweiten Weltkrieg und den trockenen Sommer 1947 erlebte, man sich den einstigen Tagesablauf auf dem Bauernhof oder die Freizeitgestaltung der jungen Frau vorzustellen hat.

Bedeutende Energiegewinnung

Ebenso interessiert verfolgten die Besucher des Aktionstages die Entwicklung des Seitz‘schen Bauernhofes zu einer Käserei und einem modernen Energiebetrieb. Als dritte Premiere des Tages bezeichnete Helmut Reiß "die Energiegewinnung und die damit einhergehende Rückkehr der Natur". Einst ein umstrittenes Projekt, würde heute ein Vielfaches des Stromes erzeugt, der in der Gemeinde benötigt werde. Dr. Thomas Büttner aus Morschen in der Nähe von Kassel, schilderte die Aufbereitung Bewerbung für die Steigerwälder Gemeinschaftswälder, die heute "Immaterielles Kulturerbe Bayern" sind. Andrea Fahrnholz von der Stabstelle Kreisentwicklung hatte das Projekt Kulturerbe von Landkreisseite unterstützt, das auf aufschlussreichen Infotafeln dargestellt wurde.

Was es mit den Rechtlerwälder auf sich hat, berichteten Manuel vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Uffenheim sowie der Zweite Bürgermeister Richard Frühwald, der Waldmeister der Gutenstettener Rechtler. Udo Reiser und seine Familie stellten dem Heimatverein ihren kompletten Hof für den Aktionstag zur Verfügung, an dem auch für regionale Köstlichkeiten gesorgt war. Hier wurde den Gästen unter dem Stichwort "Holz als Rohstoff" die Brennholzzubereitung vorgeführt. So machte der Tag im Zeichen der Geschichte von Haag deutlich, "das auch kleine Orte etwas bieten können". Reiß dankte allen, die zu unterhaltsam-informativen Stunden beigetragen hatten. Ihm galt die Anerkennung für Vorbereitung und Durchführung eines weiteren gelungenen Aktionstages rund um die Heimat. 

hjm

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