Montag, 11.12. - 10:13 Uhr

|

Klimaveränderungen: Experte zeigt Herausforderungen auf

Klimaschutz nur Hand in Hand - Was kommt auf die Kommunen zu? - 06.10.2017 18:49 Uhr

Der Klimaschutzexperte Dr. Peter Pluschke zeigte Klimaveränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen für die Kommunen in der Neustädter Rathaus-Ehrenhalle auf. © Harald Munzinger


Dass diese dabei auf einem sehr guten Weg sei, stellte der Umweltreferent der Stadt Nürnberg und Geschäftsführer des Forums für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung in der Metropolregion, Dr. Peter Pluschke, bei seinem Vortrag in der Rathaus-Ehrenhalle der Kreisstadt fest, nachdem in einem regen Dialog seine Impulse aufgegriffen und Anregungen an Kommunal- wie Bundespolitiker für effiziente Strategien gegen die stete Erwärmung und Wetterextreme mit ihren Folgen für die Lebensqualität auch in der Region gegeben wurden. Rasche Erfolge für den Klimaschutz könnte die nächste Bundesregierung erreichen, wenn sie die Braunkohlekraftwerke stilllegen und vorhandenen, aber "ruhenden" Gaskraftwerke aktivieren sowie bei Überkapazitäten statt der Windräder abzuschalten, den Braunkohlehahn zudrehen würde, war es Konsens in der Veranstaltung, die auf Anregung der Umweltreferentin des Neustädter Stadtrates, Monika Gaubitz, und Einladung der Stadt stattfand.

Gaubitz und Erster Bürgermeister Klaus Meier freuten sich über das große Interesse auch von Besuchern aus dem Landkreis, verwiesen auf erste Erfolge auch im Verbund mit dem Klimaschutzkonzept des Landkreises und zeigten weitere Bemühungen von der Stärkung des Radverkehrs bis zur Pflanzung von den Wetterextremen angepassten Bäumen und Überplanung von Wärmenetzarealen auf. Dr. Pluschke machte mit wissenschaftlichen Daten für das "obere Maingebiet" deutlich, dass die Klimaerwärmung keine Fantasie, sondern auch in der Metropolregion in fünf Jahren um 1,4 Grad (Durchschnittswert) Realität sei. Von 2010 bis 2100 sei ein Anstieg von 40 auf 85 Sonnentage (über 25 Grad) und von 10 auf 30 heiße Tage (30 bis 35 Grad) prognostiziert. Zudem seien mit einem schon deutlichen Trend mehr und auch heftigere Niederschläge zu erwarten. Wasser, Grün, Beschattung und Durchlüftung (bei der Planung von Baugebieten) nannte der Fachmann als notwendige kommunale Strategien. Zu den "bedeutsamen Aktivitäten" bei an Heftigkeit zunehmenden "Starkniederschlägen" zählte er Hochwasserschutzmaßnahmen und die Begrenzung der Bebauung.

"Bundesweit ein gutes Bild"

Dass auch bei der Energiewende mehr getan werden müsse, belegte Dr. Pluschke mit dem verfehlten klimapolitischen Ziel, die 906 Millionen Tonnen Treibhausgase (2016) bis 2020 auf 751 Millionen Tonnen zu reduzieren. Die günstigste Prognose liege bei 860 Millionen Tonnen. Mit einem "Schlag" 100 Millionen Tonnen CO2 könnten durch die Abschaltung der Braunkohlekraftwerke mit ihrer extremen Umweltbelastung eingespart werden, die momentan stillstehende Erdgaskraftwerke ersetzen könnten.

Der Experte betonte, dass "die Energieerzeugung dauerhaft in der Region verankert" werden müsse und würdigte den dabei im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim eingeschlagenen Weg, der damit "bundesweit ein gutes Bild" abgebe. Die "Stärkung der Initiativen zur Steigerung der Energieeffizienz" nannte Dr. Pluscke als "nächste Aufgaben" mit den Stichworten Ausbau der Erneuerbaren Energien, Erschließung unternutzter Biomasse-Ressourcen, Geothermie und energetischen Standards im Bauwesen. Ferner müssten die Initiativen zur Förderung umweltverträglicher Mobilität weitergeführt werden, zu denen Umweltreferentin Monika Gaubitz das Anrufsammeltaxi als "Erfolgsmodell" zählte.

Gestaltung des Wärmemarktes

Konkret markierte der Klimaschutzexperte als "strategische Grundsätze und Maßnahmen" eine "ganzheitliche Systemintelligenz" bei der Entwicklung von Netzstrukturen und -steuerung, die "Gestaltung des Wärmemarktes" sowie "die klimafreundliche, stadtverträgliche und nachhaltige Mobilität" mit intensiver Förderung von öffentlichem Personennahverkehr, Fahrrad- und Fußgängerverkehr. Dr. Pluschke, der mit seinem Vortrag ermuntern wollte, "sich mit dem Thema Klimaschutz vertieft auseinander zu setzen", regte zu Information und Beratung zu klimafreundlicher Mobilität" und die Umstellung kommunaler Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge an. Die E-Mobilität bezeichnete er zwar als einen "entscheidenden Faktor" für den Klimaschutz, zeigte aber auch Alternativen wie Wasserstoff oder Brennstoffzelle auf.

Eine "klimafreundliche Landwirtschaft" sowie der Ausbau und die Stabilisierung der Erneuerbaren Energien in Stadt und Land rundeten seinen Maßnahmenkatalog ab, den abzuarbeiten es nötig sei, Hand in Hand zu arbeiten. Dazu habe sich in der Metropolregion schon eine "gute Kooperationskultur entwickelt". Im angeregten Dialog mit dem Publikum waren der Ausbau eines effektiven Infrastrukturnetzes für die E-Mobilität, das Fördern und Fordern energetischen Bauens in Neubaugebieten, Photovoltaik und Zisternen, staatliche Unterstützung beim Leerstandsmanagement sowie bessere Informationen der Kommunen über die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen bis hin zur Nachtschaltung von Straßenbeleuchtungen mit Bewegungsmeldern einige der Stichworte.

Als Schlüsselfrage für die nächste Bundesregierung wurde der Ausstieg aus der Braunkohle formuliert. Dass mit ihr weiter Kraftwerke betrieben würden, umweltfreundliche Gaskraftwerke hingegen stillgelegt seien, bezeichnete Dr. Peter Pluschke "eigentlich als Skandal, der jedoch weggedrückt wird". 

Harald J. Munzinger E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neustadt