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Künstlerische Leistung mit Ovationen gewürdigt

Barockoper in der Kulisse von Schloss Seehaus ein Höhepunkt des „Fränkischen Sommers“ - 12.08.2012 16:59 Uhr

Eine Szene aus der Aufführung der Barockoper „Sardanapalus“ auf der Freilichtbühne des Seehaus-Schlossgartens.

Eine Szene aus der Aufführung der Barockoper „Sardanapalus“ auf der Freilichtbühne des Seehaus-Schlossgartens. © Harald Munzinger


Diese gingen in den Schüssen der Feuerwerkskörper unter, die für ein fulminantes Finale eines Höhepunktes der Veranstaltungen des „Fränkischen Sommers“ auf Schloss Seehaus sorgten. Bei der Begrüßung der Besucher hatte der stellvertretende Landrat Bernd Schnizzlein Markt Nordheim als Perle im schönsten Landkreis Bayerns apostrophiert und dabei die herausragenden Leistungen von Schlossherr Jan Kobow betont. Sowohl im Hinblick auf die denkmalpflegerische Initiative zum Erhalt des imposanten Schlosses, als auch auf künstlerischer Ebene.

Zwei Faktoren, die Markt Nordheim zu einem Besuchermagnet des Fränkischen Sommer-Festivals werden ließen. Die Gäste schätzen den Reiz unterschiedlicher Spielstätten der „Wandelkonzerte“ ebenso wie deren hohes Niveau und ganz speziellen Darbietungen.

Dafür sollte die 1698 von Christian Ludwig Boxberg für den Ansbacher Markgrafen geschriebene Barockoper „Sardanapalus“ ein weiterer ausdrucksstarker Beleg sein. Sie war als eine der ersten deutschsprachigen Werke in Ansbach uraufgeführt worden. In Auszügen schon einmal auf die Bühne seines „Dehnberger Hoftheaters“ gebracht, freute sich der Intendant des „Fränkischen Sommers“, Wolfgang Riedelbauch, „dass Jan Kobow es fertig gebracht hat, hier die ganze Oper zu präsentieren. Dazu in diesem barocken Garten, wo sie als richtiges musikalisches Fest erlebt werden konnte“.

Jan Kobow sang und verkörperte den König Sardanapalus auch in der Verwandlung zur Frau.

Jan Kobow sang und verkörperte den König Sardanapalus auch in der Verwandlung zur Frau. © Harald Munzinger


Da Ansbach das erste Zentrum deutschsprachiger Opern in Deutschland gewesen war, bedeutete die Aufführung der Oper „Sardanapalus“ jene musikalische Denkmalpflege, die Riedelbauch bei „Musica Frankconia“ und dem „Fränkischen Sommer“ am Herzen liegt. Zumal, wenn sie von hochkarätigen, international renommierten Künstlern „mit ungemeiner Musizierlust und verblüffender Virtuosität in die Herzen der Besucher gespielt und gesungen“ werde.

Eben dies sollte Riedelbauch unter den Gästen im Markt Nordheimer Schlosspark – in ihm wurde nach dem Prolog in der Kapelle und der Einführung im Konzertsaal die Oper in sechs Akten aufgeführt – erleben. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Bernd Epstein teilten sich das Orchester und das United Continuo Ensemble den begeisterten Applaus mit den Gesangssolisten und Tänzerinnen ebenso wie mit den Kräften im Hintergrund, die für eine exzellente szenische Darstellung auf mehreren Spielebenen gesorgt hatten.

Wie Jan Kobow in der Hauptrolle des letzten assyrischen Herrschers Sardanapapalus erwiesen sich auch Antje Rux, Elisabeth Göckeritz, Theodora Baka, Franz Vitzthum, Kathleen Danke, Sören Richter, Markus Flaig, Johannes Weiss und Felix Schwandtke nicht nur als hervorragende Gesangssolisten, sondern auch als schauspielerische Talente.Sie verstanden es, das Intrigenspiel mit allerlei Verwechslungen - auch durch die List von Verehrern in Damenverkleidung – so gekonnt auf die Freilichtbühne zu bringen, dass Ovationen des ebenso wie die Künstler der empfindlichen nächtlichen Kälte trotzendem Publikums eine ausgezeichnete Gesamtleistung honorierten.

„Ich bin sehr glücklich, das wir es durchgezogen haben, allen Schwierigkeiten zum Trotz“, meinte unmittelbar nach der Vorstellung Jan Kobow gegenüber „nn-online“erleichtert. Er hatte lange Zeit um die Finanzierung der auch mit der Kostümierung aufwändigen Produktion bangen müssen. Zudem hatte man bei wenig Probenzeit vor Ort kräftig improvisieren müssen, „aber ich denke, dass wir eine sehr schöne Vorstellung hingelegt haben“. So konnte Jan Kobow „rundherum zufrieden sein mit dem künstlerischen Ergebnis“; nicht zuletzt auch mit dem schönen Wetter und dem fulminanten Abschluss.

Wie es weitergehen wird, mit dem „Festspielort Schloss Seehaus“ des „Fränkischen Sommers“ mochte Wolfgang Riedelbauch nicht sagen, der zum Saisonende die Intendanz niederlegt. Er wird dann sein letztes Jahr „mit der erfolgreichsten Ernte bezogen auf die Besucherzahlen mit stets ausverkauften Konzerten und das künstlerische Aufgebot“ beschließen können. Es sei „ein steiler Weg gewesen, der sich jedes Jahr verbessert“ habe, so Riedelbauch gegenüber „nn-online“: „Da kann man kann nicht einfach aufhören“. Der Zuschuss des Bezirks falle zwar nächstes Jahr weg, aber „Musica Franconia“ - der Anfang der Idee des „Fränkischen Sommers“ – habe schon zuvor schon 12 Jahre ohne Bezirkszuschuss erfolgreich gewirkt und werde dies auch weiter können .

Ob „Musica Franconia“ die Tradition der Sommerkonzerte auf Schloss Seehaus fortsetzen wird, hängt davon ab, ob man sie finanzieren kann. Dass dies „ein wunderbares, neugieriges und aufgeschlossenes Publikum verstehen wird, das wir in diesen 25 Jahren gewinnen konnten“, gibt sich Wolfgang Riedelbauch zuversichtlich. Er hofft, dass sich Sponsoren finden werden, „die es anerkennen, dass wir die Beziehungen zur regionalen Kulturgeschichte aufrecht erhalten wollen“.

Zum Schloss Seehaus, Jan Kobow und vielen Musikern haben sich seit Jahren gute Kontakte entwickelt, die Wolfgang Riedelbauch nicht abbrechen lassen möchte; zumal man auch schon manch gemeinsame Ideen entwickelte. Das Dehnberger Hoftheater hatte zur Aufführung der Barockoper logistische Hilfe geleistet. Und nicht nur hier, wie Riedelbauch wissen ließ, dass ohne diese manch eine Produktion des „Fränkischen Sommers“ nicht möglich gewesen wäre. 

Harald J. Munzinger

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