Montag, 17.12.2018

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Landkreis will "Stromfresser tilgen"

Kühlschrank-Austauschaktion mit mehrfachen Effekten wird gestartet - 06.12.2018 18:42 Uhr

Für die „Austauschaktion Kühlschrank + Leuchtmittel“ hat sich ein von Landrat Helmut Weiß (r.) gewürdigtes breites Bündnis gebildet, das gegen Stromschulden und „Stromfresser“ gleichermaßen vorgeht. © Harald Munzinger


So sah Landrat Helmut Weiß denn auch gleich  „mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen“ und stimmte mit allen 18 daran Beteiligten in der positiven Bewertung des Projektes überein, das vom Jobcenter angestoßen und von einem breiten Bündnis am „Runden Tisch“ entwickelt wurde. Zur Realisierung tragen Sponsoren mit der Sparkassenstiftung an der Spitze bei, zu denen auch die Stadtwerke und eine Leser-Spendenaktion zählen. 9000 Euro kamen nach Mitteilung des Landrates zusammen, der zusicherte, dass der Landkreis mögliche Finanzlücken schließen werde. Fürs Erste können 30 Kühlschränke ausgetauscht werden, wozu bedürftige dreiköpfige Familien einen Gutschein über 400 Euro, Familien ab vier Mitgliedern über 500 Euro erhalten. 

    Weiß sprach bei dessen Vorstellung in großer Runde der daran Mitwirkenden von einem „sehr schönen neuen Projekt für den Landkreis“, das im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes gestartet worden sei. Da 2016 jeder Einwohner 7,4 Tonnen CO2 produziert habe, wovon Strom, Wärme und Verkehr je ein Drittel ausmachten, sei einer der Lösungswege, dauerhaft Strom einzusparen. Dabei müsse das besondere Augenmerk den sogenannten „Stromfressern“, also Altgeräten mit hohem Verbrauch, gelten. Dass diese es auch seien, die gerade Familien mit geringem Einkommen so tief die Stromschulden trieben, dass es sogar zu Abschaltungen kommen kann, ist der Ansatzpunkt zur Tauschaktion, mit der dazu beigetragen wird, Strom und damit auf Dauer auch Geld zu sparen.

Betroffene Haushalte nicht allein lassen

    Von  Betroffenen (Harzt IV- und Empfänger der SGB12 Grundsicherung, von Hilfe zum Lebensunterhalt oder Wohngeld) im Landkreis, die sich keinen neuen Kühlschrank oder auch Leuchtmittel kaufen könnten, um aus eigener Kraft den Spareffekt zu erzielen, weiß man bei der Arbeitsloseninitiative „Die Insel“ ebenso, wie bei Caritas und Diakonie, wie Ursula Pfäfflin-Nefian, Christa Bacherle und Diakon Frank Larsen aus ihrer Praxis berichteten. Diese „betroffenen Haushalte nicht allein zu lassen“, war es denn auch Konsens am „Runden Tisch“ an dem die „Austauschaktion“ entwickelt wurde, das von Dr. Renate Kapune von der Kreisentwicklung im Landratsamt koordiniert wird. 

Von 10 bis 12 sei die Zahl der Betroffenen, die zur „Insel“ kämen, seit 2005 auf 63 gestiegen, machte Ursula Pfäfflin-Nefian zunehmende Notlagen bewusst, die sogar dazu führten dass Menschen – wie auch immer – jahrelang ohne Strom lebten. Sie zeigte sich „total glücklich“ von einer „Superidee“ und meinte, dass das „Projekt Gold Wert“ sei. Christa Bacherle belegte dies mit 467.000 Tonnen CO2, die seit 2011 mit der bundesweiten Austauschaktion eingespart worden seien. Auch Frank Larsen, der den Anteil der Stromschuldner am Klientel der Diakonie auf 25 Prozent bezifferte, bezeichnete die Maßnahme, die noch weiterentwickelt werden soll, als wichtig, blieben doch vom Hartz IV-Regelsatz für Innenausstattung sowie Haushaltsgeräte und -gegenstände gerade mal monatlich 25,64 Euro, ein neuer Kühlschrank also Illusion. 

Energieberater werden kostenlos tätig

     Diese Landkreisbürger können sich nun Hoffnung auf einen neuen „Kühlschrank A++!“ machen, wenn die Kriterien der Austauschaktion erfüllt sind. Dazu müssen sie sich zunächst bei Dr. Renate Kapune im Landratsamt Neustadt melden, die sich mit einem Energieberater in Verbindung setzt, der mit den Betroffenen kostenlos nach „Energiefressern“ sucht. Sollte sich also solcher ein veralteter Kühlschrank ausgemacht werden, wird der Zuschuss gewährt. Die Gutscheine werden vom Jobcenter, Sozialamt und der Wohngeldstelle ausgehändigt, der von einem der sieben Servicepartner im Landkreis eingelöst wird. Der liefert das Gerät, schließt es an und nimmt das alte mit. Darauf legt die Abfallwirtschaft im Landkreis besonderen, wie es Landrat Weiß und Sachgebietsleiter Peter Kress betonen, damit die Altgeräte ordnungsgemäß entsorgt werden.

    Nach Auskunft von Simone Napiontek vom VerbraucherService Bayern ist ein Netz von Beratungsstellen aufgebaut, das vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert und von der Verbraucherschutzzentrale koordiniert wird. An den beiden Energiestützpunkten im Landkreis – Landratsamt Neustadt und in Uffenheim – gibt es je einmal im Monat einen Beratungstag, zudem stehen mit Roland Martin Schwarz und Matthias Wellhöfer-Weber zwei versierte Energieberater für den „mobilen Check“ des gesamten energetischen Systems und bei der „Austauschaktion“ mit dem Fokus auf den „eiskalten Stromfresser“ bereit.

    Vier Prozent der 3700 Uffenheimer Stromkunden zahlten schleppend, ließ Martin Stellwag als Vertreter der das Projekt fördernden Stadtwerke wissen. Man sei sehr kulant, so dass es bei hohen Stromschulden maximal zu ein bis zwei Abschaltungen im Monat komme. In der Summe wird man also im Landkreis damit rechnen können, dass die Tauschaktion auf entsprechend große Resonanz stoßen wird. Darauf ist man am „Runden Tisch“ gespannt. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 09161/921430 oder unter klimaschutz@kreis-nea.de. 

Harald J. Munzinger

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