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Landtagsabgeordnete beim Karpfenessen in Uehlfeld

Gabi Schmidt zeigte via Leinwand wie man Karpfen richtig isst - 17.02.2017 18:13 Uhr

Ein besonderes Privileg genoss Thomas Müller-Braun, der vom Schwanz des Karpfens von MdL Gabi Schmidt naschen durfte, die sich auch über den Besuch von Karpfenkönigin Nina Hock (v. l,) freute. © Harald Munzinger


Er war anfangs nicht wirklich begeistert von der aus einer Laune heraus entstandenen Idee der Abgeordneten Schmidt und seiner Frau Ulli, Anleitungen zum Karpfenessen zu geben. Da dies im Zentrum der Teichwirtschaft Erbgut sei, wähnte er mit einem solchen Ratgeber Wasser in die Aisch gegossen. Was dieser mitunter ja ganz gut täte. Walter Prechtel ließ sich überreden und beim Workshop schließlich sogar vom guten Einfall der beiden Frauen überzeugen.

Auch wenn den meisten Gästen nichts Neues verraten wurde, als die "Fischereipolitische Sprecherin der Freien Wähler" im Scheinwerferlicht eines TV-Senders dem Aischgründer zunächst an die knusprigen Flossen ging. Dass diese das Beste an dem Fischschmaus sein soll, abgesehen vom Bäckchen, ist für Einheimische kein Geheimnis – auch wenn unter diesen der Karpfen nicht jedermanns Leibspeise ist – für Gäste im Aischtal allerdings schon. Und selbst in der mutmaßlich eingeschworenen Workshoprunde gab es Aufklärungsbedarf für eine junge Frau, was es mit den Bäckchen auf sich habe.

Experten gab es genug, die Wissenslücke zu schließen, allen voran Karpfenkönigin Nina Hock und der Vorsitzende der regionalen Teichgenossenschaft, Thomas Müller-Braun, der für heitere literarische Beilagen rund um den Aischgründer sorgte, Jürgen Nöller für einen beschwingten musikalischen Rahmen.

Fremde seien schon verunsichert, wie man einen Karpfen isst, hat Gastwort Prechtel vielfach beobachtet, allerdings noch keinen Notfall mit der Ypsilongräte im Rachen gehabt. Den könne man auch vermeiden, wenn man den Karpfenbissen an den Gaumen drücke und damit mögliche Fremdkörper ausmache, riet Gabi Schmidt, die mit kabarettistischem Talent so manche Schmonzette einfließen ließ. Etwa von den Holländern, die sich den mit Ketschup gefüllten Karpfen wünschten oder von den brettleben auf dem Teller liegenden Fischen, die eher überfahren als geschlachtet wirkten.

"Karpfen formt die schöne Figur"

Praktische Anleitung auch auf der Videoleinwand: Die Hände gehörten zum Besteck. © Harald Munzinger


Schmidt machte sich zum leidenschaftlichen Werber für die Karpfen als "das beste Lebensmittel, das man sich vorstellen kann" und das zudem "eine schöne Figur formt". Die ihre formten jährlich 30 bis 40 Aischgründer.

Per Liveübertragung auf die Leinwand erfolgten dann die praktischen Anleitungen für den Verzehr von unten nach oben und hinten nach vorne, das Ganze natürlich mit der Haut, die Fremde gerne abziehen. In der Regel reichten die Gabel und die Finger, so Schmidt mit der Formel, dass es weniger um die Ästhetik, sondern um den Genuss, als "darum geht, was in den Magen kommt".

Man dürfe durchaus auch mit den Fingern aus dem Mund holen, was man dort nicht brauche, plauderte die Abgeordnete leger über den Karpfenschmaus, wobei jeder "den Glusterer" auf diesen bekommen sollte und natürlich die flach rausgezogenen größeren Gräten auszullen durfte, wie die Bayern ihre Weißwürste. Zwischendurch gab es auch die eine oder andere ernsthafte Lektion über den Karpfen, der die Landschaft prägt und buchstäblich sein Geld wert sein sollte, um die Teichwirtschaft langfristig zu sichern.

Unsgesamt herrschte beim Workshop eine heitere Atmosphäre, wurde auch an den Tischen manche Karpfenepisode ausgetauscht, mit denen Fischexperte Thomas Müller-Braun Bücher füllt. Die Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt widerlegte ihren Vater, der den Karpfenschmaus deshalb so geschätzt haben soll, weil es das einzige Essen ist, bei dem der Mann nicht vom Sprecher der Frau gestört werde.

Als Referentin des Abends musste eben die Vorsicht vor gefährlichen Gräten nebenbei gehen und sollte ja bei 30 bis 40 Karpfen im Jahr auch Routine sein.

Fazit unter den Gästen und auch beim zunächst skeptischen Wirt: "Eine tolle Sache" und eine Anregung vielleicht ja auch zu originellen Workshops mit Touristengruppen und zum "Karpfendiplom für Neubürger". Der angeregte Beipackzettel zum Karpfengericht dürfte sich allerdings als eher gefährlich erweisen, wenn die Konzentration mehr neben als auf dem Teller ist. 

Harald J. Munzinger

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