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Langenfelder Bisamrattenjäger will ins Guinness-Buch

Spezielle Fallen erlegen die Nager aus Nordamerika - 24.05.2014 13:50 Uhr

Vor 25 Jahren hat Walter Pfänder zwei sehr seltene weiße Bisams gefangen und ausstopfen lassen. © Claudia Lehner


Pfänder ist einer der letzten der Gruppe einst amtlich bestellter Bi­samfänger im Landkreis. Um die zehn gab es bis 2004, als noch staatli­che Stellen dafür zuständig waren, eine flächendeckende Bekämpfung zu garantieren. "Die gesetzliche Grundlage dafür gibt es nicht mehr", so Angelika Bader von der Unteren Naturschutzbehörde im Landrats­amt. Seither seien die Bisamfänger freiberuflich tätig, wie sie sagt. Zen­tral erfasst sind sie nun nicht mehr.

Als Schädling angesehen, darf der Bisam gefangen werden. Es gibt eine Ausnahmeregelung im Bundesnatur­schutzgesetz, die dies erlaubt. Aller­dings müssen spezielle Fallen einge­setzt werden und der Bisamfänger sollte eine Schulung absolviert ha­ben, so Bader. Vor allem aus Grün­den der Haftung, sollte einmal etwas passieren, sich zum Beispiel ein Kind an einer der Fallen verletzen. Überall darf ein Bisamfänger natürlich nicht aktiv werden. Er muss vom Grund­stücksbesitzer oder der Gemeinde be­auftragt sein.

Gleich mehrere greifen auf die Dienste Pfänders zurück: In Langen­feld, Neustadt, Münchsteinach, Ull­stadt, Scheinfeld und Baudenbach stellt er – in der Regel von September bis April – seine Fallen auf. In den übrigen Monaten ließen sich nur schwer Bisamratten fangen. Das Nah­rungsangebot an feinem Gras zum Beispiel sei einfach zu gut, sagt der 62-­Jährige.

Dann sind die Apfelstücke, mit de­nen er sie in die Falle zu locken ver­sucht, nicht mehr so attraktiv. Es hat dennoch geklappt. Ein großes Weib­chen hat es erwischt. Am breiteren Schwanz könne man sehen, dass es schon älter ist, erklärt er und hält stolz das Tier vor die Kamera. "Eine Delikatesse" nennt er es. Schenkel der Bisamratte könne man essen. Doch die Frage, ob er das vorhat, ver­neint er ganz klar.

Durch Hormonstörung weiß

Das Bisamfangen ist nicht Pfän­ders Beruf, noch nicht einmal sein Hobby, sagt er. Das sei die Landwirt­schaft. An den Kartoffeln, die er an­baut, hängt sein Herz. Auf die Qua­lität ist er sehr stolz und verrät kei­nes seiner Anbaugeheimnisse. Doch schon sein Vater war Bisamfänger. Als er 1973 ebenfalls gefragt wurde, winkte er erst ab. Dann gab er nach. Seit 40 Jahren stellt er nun schon Fal­len auf und kontrolliert morgens, was er erwischt hat. Die Tiere nimmt er aus, häutet sie und verkauft für ei­nen sehr geringen Betrag die Felle. Zwei Tiere hat er als besondere Ra­ritäten ausstopfen lassen. Weiße Bi­samratten. Das seien keine Albinos, so Pfänder. Schuld ist eine Hormon­störung. Weil sie unfruchtbar sind, werde sehr selten eine gefangen.

Stolz zeigt er auch seine Mütze. Wunderbar weich ist sie und hält sehr warm. Damit sieht er ein bisschen aus wie ein nordamerikanischer Trapper und von dort stammen auch die hier als Schädlinge angesehenen Tiere. Sie sind recht fruchtbar – bis zu 60 Junge im Jahr. Und: "Bisams haben nur den Fuchs als natürli­chen Feind und den Menschen", sagt Pfänder.

Entsprechend wird versucht, sie klein zu halten. Durch ihre Löcher in Bachufern, Dämmen und Weihern wird der Grund instabil und ein Hochwasser könne ihn wegschwem­men, so Pfänder. Besonders bei Däm­men und Kläranlagen sei das proble­matisch, so Bader. In Bad Windsheim scheint es derzeit laut Klärwärter Herbert Christ keine Probleme zu ge­ben. Allerdings habe wohl jemand ein Loch in einem Damm bei Obern­tief entdeckt. Das werde man im Auge behalten. 

Claudia Lehner

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