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Lech Walesa empfängt Uehlfelder Schüler

Höhepunkt einer überwältigenden Partnerschaftsvisite in Trabki Wilkie - 24.06.2017 17:12 Uhr

Der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa (mit Weste rechts neben Bürgermeister Werner Stöcker) empfing die Schüler im Solidarnocs-Zentrum zu einem offenen Dialog. © oh


Dazu reist Bürgermeister Werner Stöcker mit einer größeren Delegation in die nordpolnische Partnergemeinde, in der beim Jubiläumsfestakt eine Schulpartnerschaft für zunächst fünf Jahre unterzeichnet werden soll, um die sich auch die Städtepartnerschaft unter dem „Bezirksdach Mittelfranken-Pommern“ verlängert. Dazu machen sich aus dem Schulverband Uehlfeld auch die Bürgermeister Hans-Jürgen Regus aus Dachsbach und sein Gerhardshöfer Kollege Jürgen Mönius mit Rektorin Claudia Finck auf den Weg nach Trabki Wilkie.

Mit Leben erfüllt wurde die Schulpartnerschaft bereits bei einem Besuch polnischer Jugendlicher im letzten Jahr zur Einweihung des Weißkopf-Flugspielgerät, das als Jugendprojekt der Feuerwehren für beide Gemeinden gefertigt worden war. Einer jener Faktoren, die zur Auszeichnung in Polen als bester außerschulischer Beitrag zur Völkerverständigung geführt hatte. Diese aktiv zu gestalten und die Begegnungen nicht auf Kaffeefahrten zu beschränken, sei für ihn stets Ziel der Partnerschaft gewesen, so Bürgermeister Stöcker, dessen Vorgänger Helmut Praus erste Kontakte geknüpft hatte.

Jetzt erwiderten 13 Schülerinnen und Schüler der Klassen sieben bis neun der „Veit-vom-Berg-Mittelschule“ und kehrten mit „wunderbaren Eindrücken“ zurück. Man sei „wie Könige behandelt worden“, schwärmten die Jugendlichen und ihre Begleiter bei „illustrierten“ Reiseerinnerungen. Der Polenbeauftragte der Schule, Stefan Kampe, hatte sie zusammengestellt und dokumentierte ein reichhaltiges Programm. Auf dem standen, begleitet von der engagierten Koordinatorin und Dolmetscherin Dorota Niewiadomska, Besichtigungen vom Kindergarten bis zu verschiedenen Schulen und Kirchen, der Besuch des Denkmals auf der „Westerplatte“, Visiten in Danzig sowie Spaziergänge am Ostseestrand.

Dazu kamen ein Kunstworkshop und Töpferkurs, eine Stadtrallye in Trabki Wilkie, Schnuppergolfen und eindrucksvolle persönliche Begegnungen, wie etwa mit „Frau Rose“, die sich nach dem Krieg nicht dem großen Flüchtlingstross angeschlossen hatte, sondern in ihrer Heimat geblieben war – lebensnahe Geschichtsstunde – beim Grillen oder dem Abend mit den Gasteltern.

Blazej Konkol vermittelte Walesa-Begegnung

Überraschend war es durch die engen persönlichen Beziehungen von Trabki Wilkies Bürgermeister Blazej Konkol und Lech Walesa zu einer beeindruckenden Begegnung mit der Solidarnocs-Legende im Dokumentationszentrum jener Freiheitsbewegung gekommen, die weit über Polen hinaus ausstrahlen sollte. Mit dem Einfluss des polnischen Papstes habe sie mit zum Fall der Berliner Mauer beigetragen, ist der studierte Historiker Stefan Kampe überzeugt und bekennt, mit der Partnerschaft Geschichte anders als aus seinen Lehrbüchern zu erfahren.

Mit ihren polnischen Freunden unternahmen die Schülerinnen und Schüler aus Uehlfeld eine Ostseeschifffahrt. © oh


Dass sich der Friedensnobelpreisträger und einstige polnische Präsident Lech Walesa 40 Minuten Zeit für die deutschen Jugendlichen mit ihren polnischen Freunden nahm, lässt Bürgermeister Werner Stöcker auch heute noch staunen. Sehr offen und aufgeschlossen habe er über die Beweggründe seines Wirkens gegen Zustände gesprochen, die nicht seinen in der Kindheit geprägten Wertvorstellungen entsprachen und wie es der Opposition gegen die sozialistische Regierung erst in einem zweiten Anlauf gelungen sei, den Hoffnungsfunken möglicher Veränderungen zu entzünden: „Es funktioniert doch!“

Am Anfang sei alles schwierig, doch sollten Hindernisse nicht entmutigen oder abschrecken, gab Lech Walesa der Jugend mit auf den Weg, an der es liege, sich den Herausforderungen für das geeinte Europa zu stellen, wie dies aus dem Gespräch geschildert wurde. Bei dem seien in erster Linie von den jungen Franken Fragen gestellt worden, während die polnischen Jugendlichen den „Nationalheiligen“ sprachlos bewundert hätten. Sympathisch habe Walesa auf die Frage, wie man als Legende lebe, geantwortet, dass er noch gar keine Zeit gehabt habe, darüber nachzudenken.

Die bisher schönste Schulfahrt

Auch wenn jetzt die Uehlfelder Jugendlichen auf die Frage nach den nachhaltigsten Erlebnissen ihrer Polenreise, das Meer, die Bootsfahrt, das Grillen oder die Stunden in den Gastfamilien nannten, und das Wiedersehen mit den Freunden eindeutig am wichtigsten war, ist Lehrer Kampe ebenso wie Astrid Negele und Gerlinde Röder im Begleitungsteam überzeugt, dass sie die Begegnung mit Lech Walesa sehr berührte. Für Stefan Kampe und Bürgermeister Werner Stöcker war es ein tiefgreifendes Erlebnis und für Kampe diese Polenreise „die schönste Schulfahrt“ seiner Dienstzeit und seine Berufung zum Polenbeauftragten der Schule (in Abwesenheit) „eine der besten beruflichen Entscheidungen der letzten Jahre“.

Wo einst der erste Schuss im Zweiten Weltkrieg fiel, steht jetzt die Jugend für Völkerverständigung und Frieden. © oh


„Man kann es gar nicht in Worte fassen“ steht für die freundliche Aufnahme, wo auch immer beim dicht gedrängten Programm, die überwältigende Gasfreundschaft: „Da ist ganz viel Herz dabei“, so Kampe. Für Bürgermeister Werner Stöcker ein Zeichen dafür, dass man „einfach zusammenpasst“. Und so ist die Vorfreude auch schon groß auf die nächste 1000-Kilometer-Reise nach Trabki Wilkie, die man am 1. Juli antreten und am 8. Juli den fünften Hochzeitstag feiern wird.

Dass der Schulverband für die Schulpartnerschaft „viel Geld in die Hand nimmt“ wird in Uehlfeld als nicht selbstverständlich gewürdigt. Astrid Negele denkt denn auch daran, einen Förderverein zu initiieren, um die Kontakte der Jugend am Laufen zu halten. Bei der „funkt“ es täglich zwischen Uehlfeld und Trabki Wilkie, sind Freunde aus Franken und Pommern im ständigen Kontakt. Für Bürgermeister Stöcker setzt sich damit das Streben nach Völkerverständigung als Basis der Friedenssicherung wunderbar fort.

Im nächsten Jahr wird die Veit-vom-Berg-Schule wieder Gastgeber von polnischen Schülerinnen und Schüler sein, denen dann wiederum mit Höhlenwandern, Sommerrodeln oder Baumwipfelpfad ein attraktives Programm geboten werden wird. Die Nürnbergvisite sei dabei Pflicht, da nach den Erfahrungen des Pädagogen Kampe diese Stadt im polnischen Geschichtsunterricht eine weitaus größere Rolle als etwa Berlin spiele, dazu auch Lebkuchen oder Bratwürste gehörten. 

Harald J. Munzinger

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