Donnerstag, 15.11.2018

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Markt Erlbach: Lee Pengh Hadlich erhält Friedenstaube

Gemeinde würdigt Integrationsarbeit für Flüchtlinge - 28.04.2018 15:18 Uhr

Markt Erlbachs Erste Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß freut sich über die Würdigung der äußerst engagierten Flüchtlingsarbeit von Lee Pengh Hadlich (r.) als Teil ihres vielfältigen sozialen Engagements. © Harald Munzinger


Sie müsse sich erst noch mit dem Gedanken vertraut machen, eine so hohe Ehrung zu erfahren, meinte die kleine, zierliche Frau mit dem großen Herzen, wo immer ihre Hilfe gefragt ist, zur Nachricht von Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß. Die schätzt sich mit vielen Mitbürgern glücklich, dass Lee Pengh Handlich 1989 nach Markt Erlbach, die Heimat ihres Mannes, gekommen war.

Wege der Fügung, die Lee Pengh zunächst nach Belgien geführt hatten, als die 22-Jährige ihre Heimat Singapur verließ – eigentlich mit dem Ziel Indien, wie sie lachend über ihre schlechte Orientierung erzählt – und sich dort im Missionswerk Operation Mobilisation einbrachte. In Belgien lernte sie ihren Mann kennen, folgte ihm nach Nürnberg und dann nach Markt Erlbach. In der neuen Heimat gründete sie mit weiteren Frauen vor 26 Jahren den Bibelkreis, organisierte ein inzwischen bestens etabliertes Frauenfrühstück und führte auch ein Frühstück mit türkischen Frauen ein, wie Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß das Wirken der umtriebigen Lee Pengh Hadlich für die Verleihung des Markt Erlbacher Ehrenamtspreises notierte.

Daraus wurde eine lange Liste von Aktivitäten von der Einrichtung einer Bücherei über die vor 19 Jahren mit dem CVJM ins Leben gerufene Missionsversteigerung bis zur Mitwirkung im Posaunenchor oder der Gründung der "Musikantenschänke", die Freude bei Vereinsveranstaltungen oder in Pflegeheime bringt. Unvollständig wäre die Aufzählung ohne die Unterstützung vieler Benefizveranstaltungen, um bedürftigen Menschen zu helfen oder weltweit Hilfsprojekte zu fördern, sowie ohne ihren beliebten Beitrag im Ferienprogramm "kochen wie die Kaiserin von Shanghai".

"Gott schickte mich nach Kotzenaurach"

An einem Nachmittag im März 2013 habe sie Gott aufgefordert, nach Kotzenaurach zu fahren, um sich dort der Flüchtlinge anzunehmen, schildert die streng gläubige Lee Pengh Handlich, wie sich für sie eine weitere Aufgabe aufgetan hat, in die sie sich seitdem mit großem Engagement einbringt. Sei es, um Deutschkurse zu organisieren, Flüchtlinge bei Arztbesuchen oder Behördengängen zu begleiten, Berührungsängste abzubauen.

Nur zu gut erinnert sie sich daran, wie ihr einst Frauen der Kirchengemeinde Nürnberg geholfen hatten, Fuß zu fassen, Heimweh zu überwinden. Die dabei erfahrene Gastfreundschaft und das Wohlwollen gebe sie in vielfältiger Weise zurückzugeben, treibt nach der Beobachtung von Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß die dafür ausgewählte Trägerin der "Friedenstaube" an, "unseren Flüchtlingen die Angst vor der neuen Welt zu nehmen" und zugleich bei den Einheimischen Vorbehalte gegenüber den neuen Mitbürgern abzubauen.

Wie gelingt das besser, als wenn man die Menschen zusammenbringt? Da wurde der Garten von Lee Pengh Hadlich zu einem Treffpunkt und Symbol der Integration. Dass dort bis zu 80 Gäste zusammenkommen könnten, dankt sie ihrem Mann, der ihr nicht nur freie Hand bei allen Aktivitäten lasse, sondern diese immer wieder (auch finanziell) unterstütze. "Senioren-, Frauen-Flüchtlingsarbeit – wir sehen uns kaum" schildert es die bei ihren vielfältigen Unternehmen fröhliche Frau mit dem Talent "Menschen für sich und ihre wohltätigen Projekte zu gewinnen", was für Dr. Kreß die Basis dieses so erfolgreichen Wirkens ist.

Motor auf ständig hohen Touren

Lee Pengh Hadlich gilt in Markt Erlbach als Motor auf ständig hohen Touren, wenn es Ausflüge oder Fußballspiele zu organisieren, Kleidung, Kinderausstattung oder Möbel und Haushaltsgeräte für Wohnungen der anerkannten Flüchtlinge zu beschaffen gilt. Ihre Netzwerkarbeit trägt Früchte. Manches, so freut sie sich, habe sich schon verselbständig, helfe man sich gegenseitig, erfüllt sich der Wunsch eines unproblematischen, friedlichen Miteinanders. Belohnt werde sie durch Freude und Dankbarkeit, "da bekomme ich sehr viel zurück", so Lee Pengh Hadlich.

Sie genieße in Markt Erlbach hohes Vertrauen und Ansehen, freut sich Bürgermeisterin Dr. Kreß, dass dies auch über die Gemeinde hinaus reicht, was mit der Verleihung der "Friedenstaube" zum Ausdruck kommt. Überreichen wird sie der Langenfelder Pfarrer Manfred Lehnert, der sie Ende Januar letzten Jahres für das einem Flüchtling gewährten Kirchenasyl erhalten hatte. Dieses war, wie berichtet, einem 29-jährigen Iraker gewährt worden, der vor der gnadenlosen, mörderischen Verfolgung aller Jesiden durch die IS-Kämpfer geflohen war. Nachdem seine Klage gegen den abgelehnten Asylantrag gescheitert war, drohte ihm die Abschiebung nach Ungarn, von wo er eingereist war.

Pfarrer Lehnert und die Kirchenvorstände von Langenfeld und Ullstadt wollten dies angesichts des dort herrschenden unmenschlichen Umganges mit Flüchtlingen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren und boten dem Iraker in einem Zimmer im Kirchturm schützendes Obdach. Inzwischen ist über eine Härtefallkommission für die ganze Familie – die Frau und das damals zweijährige Kind hatten in Neustadt Unterkunft gefunden - das Asyl anerkannt, hat ein eines von vielen Flüchtlingsdramen ein gutes Ende gefunden.

Familie auseinander gerissen

Wie das einer in Kotzenaurach untergebrachten Familie mit vier Kindern, die von den Behörden auseinandergerissen worden war. Während der Vater seinen sechsjährigen Sohn ins Krankenhaus begleitete, war die Mutter mit drei kleinen Töchtern von der Polizei abgeholt und in ein geschlossenes Lager im Ausland abgeschoben worden. Ein Fall, den Lee Pengh Hadlich publik machte und für die Familie betete. Sie sollte wieder zusammenkommen und mit anderen Flüchtlingen in Markt Erlbach das Neujahrsfest 2014 feiern können. Auch dafür fliegt die "Friedenstaube" ein; eine der von dem Landshuter Künstler Richard Hillinger zum 60. Jahrestag der Erklärung der Allgemeinen Menschenrecht geschaffenen Symbole der Mitmenschlichkeit. 

Harald J. Munzinger

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