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Maroder "Panzerturm": Streit um NS-Relikt bei Markt Nordheim

Hohe Kosten im Fall einer Sanierung - Bundesanstalt fordert Abriss - 04.03.2018 05:52 Uhr

Die einen sehen in dem sogenannten Panzerturm ein Mahnmal, die anderen eine Gefahrenquelle. Denn der Turm ist marode. © Johannes Hirschlach,


Was für Nürnberger die Zeppelintribüne am Reichsparteitagsgelände ist für die Einwohner Markt Nordheims der "Panzerturm". Das Relikt aus der NS-Zeit versteckt sich im Wald oberhalb der kleinen Gemeinde. Für die örtliche Bevölkerung ist es ein Monument der jüngeren Vergangenheit und ein beliebtes Ausflugsziel. Wie in Nürnberg ist um das marode Stahlbetonkonstrukt ein Streit entbrannt: Soll der Turm abgerissen oder erhalten werden? Der kreisrunde Turm im Steigerwald unweit der Burgruine Hohenlandsberg ist das letzte Überbleibsel eines großen Testgeländes der Wehrmacht. Dort probte die Luftwaffe ab 1937 für ihre späteren Feldzüge im Zweiten Weltkrieg den Abwurf von Bomben.

Der wegen seiner dicken Mauern so getaufte "Panzerturm" diente als Beobachtungsposten. Aus einem in rund 20 Metern Höhe angebrachten Ausguck hielten die diensthabenden Soldaten die Treffgenauigkeit der Piloten fest. Nach dem Krieg ausgeplündert, wittert das Militärobjekt seit Jahren vor sich hin. Unter den Einheimischen ist der Turm indes nach wie vor ein Thema – und das nicht erst seitdem er 2012 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Eine "geschichtliche Präsenz" sei das Bauwerk, sagt etwa Reinhold Klein (FWOE), Bürgermeister der angrenzenden Gemeinde Sugenheim. Sein Amtskollege aus Markt Nordheim, Harald Endreß (Örtliche Wählergemeinschaft Ulsenheim), erzählt gern von eigenen Erinnerungen zum "Panzerturm" aus seiner Zeit als "Lausbub". Beide sehen in dem Relikt ein für die Gegend wichtiges Denkmal der Zeitgeschichte.

Hohe Kosten im Fall einer Sanierung

Der Eigentümerin, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), ist das Objekt allerdings ein Dorn im Auge. Herabfallende Betonbrocken könnten neugierige Besucher des Turms verletzen, befürchtet Godfried Schwartz, Leiter des zuständigen Bundesforstbetriebs Reußenberg, der zur BImA gehört. Ein Zaun um das Gelände bringe nichts, "der wird einfach aufgeschnitten", sagt er. Deshalb will die Anstalt den Turm noch in diesem Jahr abreißen. Etwaige Sanierungspläne hatte die BImA laut Schwartz ob der zu erwartenden hohen Kosten verworfen. Doch nachdem die Pläne durch einen Bericht der Fränkischen Landeszeitung publik wurden, formiert sich in den umliegenden Ortschaften heftiger Widerstand. "Ich kann doch nicht Objekte unter Denkmalschutz stellen, und wenn mir etwas nicht passt, reiße ich es ab", schimpft Manfred Gößwein. Der Heimatkundler hat über viele Jahre die Geschichte des "Panzerturms" erforscht.

Der sei "eines der letzten Mahnmale im Landkreis", die an die nationalsozialistische Vergangenheit erinnerten. Außerdem sieht er in dem Bau eine architektonische Besonderheit und hebt die aufwendig in Beton gegossenen konischen Fensteröffnungen hervor. "Ich kenne keinen anderen Turm in dieser Ausführung und Größe."

Landesamt für Denkmalpflege hat Stellungnahme abgegeben 

Auch die Kreisheimatpflegerin spricht sich gegen einen Abriss aus, ebenso Martin Stern. Der 46-Jährige aus dem benachbarten Weigenheim hat zuhause eine kleine Privatsammlung zum einstigen Testgelände: Skizzen, Dokumente, Turminventar. Stern befürchtet ein Verdrängen der NS-Zeit, wenn aus dieser Epoche alles weggerissen werde.

Zuletzt hatten gar etliche Grundschüler auf eigene Initiative die Weigenheimer Haushalte abgeklappert, um Unterschriften für den Erhalt des Turms zu sammeln – nach eigenem Bekunden mit viel positivem Feedback. Inzwischen hat auch das von der BImA eingeschaltete Landesamt für Denkmalpflege eine Stellungnahme abgegeben. Das Bauwerk sei ein "äußerst seltenes und anschaulich erhaltenes historisches Dokument der Kriegsvorbereitung“, heißt es. Man plädiere deshalb für eine "Zeitnahe, sachgerechte und zudem objektiv mögliche Instandsetzung". Ist das Thema Abbruch damit vom Tisch? Das wollen die Bürger nun noch einmal ganz genau wissen. Für Anfang März hat Stern alle Beteiligten zu einer Diskussionsrunde in Sachen "Panzerturm" eingeladen. Dann sollen BImA, Denkmalpfleger und Lokalpolitiker ihre Optionen im Detail offenlegen: Abreißen oder erhalten.  

Johannes Hirschlach

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