Sonntag, 17.02.2019

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Münchsteinach: Sternstunde für Musikfreunde geboten

Leipziger Posaunenquartett "Opus 4" begeisterte bei Wandelkonzert - 12.07.2016 15:31 Uhr

Dr. Jörg Richter, Dirk Lehmann (vom Gewandhausorchester Leipzig) sowie die weiteren freiberuflichen "Hochkaräter" Stephan Meiner und Hans-Martin Schlegel (v. r.) begeisterten beim Wandelkonzert in Münchsteinach und entdeckten hier "ein Kleinod, das man in Deutschland selten findet". © Harald Munzinger


Ellen und Erich Zimmermann vom Münchsteinacher Kulturverein waren bei einem Konzert von "Opus4" in Zeilitzheim so begeistert, dass sie das Quartett zu "Kunst und Kultur in alten Mauern" einluden und trotz begrenztem Etat eine Zusage der "Hochkaräter" erhielten, wie Münchsteinachs ehemalige Bürgermeisterin Ursula Schenke die Posaunisten des Leipziger Gewandhausorchesters im Münster willkommen hieß.

Dort war der erste Teil des Wandelkonzertes der Klassik gewidmet und bot mit der Musik auf originalgetreu nachgebauten Barockposaunen ein außergewöhnliches Klangerlebnis. Mit Claudio Monteverdis "Gloria" eröffnet, nahmen Jörg Richter, Gründer des Quartetts, und seine Kollegen Dirk Lehmann (Opus-Mitbegründer und ebenfalls Mitglied des Gewandhausorchesters),  Stephan Meiner und Hans-Martin Schlegel - beide ehemalige Schüler Richters an der Hochschule für Musik und heute freiberufliche Musiker - faszinierte Zuhörer mit auf eine klangvolle Reise durch Renaissance und den Barock.

Bach durfte nicht fehlen

Richter hatte dabei nicht zu viel versprochen, als er "mit den wunderschönen Klängen der Barockposaunen etwas bisher nie Erlebtes" ankündigte, der weiche, transparente Klang durch die großartige Akustik des Münsters bestechend zum Ausdruck kam. Neben Kompositionen von Praetorius, Gay, Gesualdo und Josquin des Prez sowie dem besonders beeindruckenden "Deutschen Magnificat" von Heinrich Schütz durfte für Musiker aus Leipzig Johann Sebastian Bach nicht fehlen.

Die Barockposaunen – Nachbauten der Originale im Leipziger Museum – stießen bei Konzertbesuchern auf großes Interesse. © Harald Munzinger


Man habe sich, so Jörg Richter, dessen für die Orgel komponierte Toccata und Fuge in d-moll  in einer Bearbeitung für Posaunen kaum vorstellen können, doch sei diese zu einem Standardwerk im Programm von "Opus 4" geworden. Zum Glück, wie man dies im Publikum bei einem ganz neuen "Hörbild" von Bach empfand, begeistert von der Interpretation mit dem fulminanten Auftakt und den atemberaubend schnellen Läufen. Eine entspannend heitere Überleitung zum zweiten Teil des Wandelkonzertes und "Wandeln" vom 18. ins 20./21. Jahrhundert bot das Ensemble mit "geschwätzigen" Posaunen bei einer originelle "Kaffeestunde bei Anna Magdalena". Bei einem Konzert von "Opus 4" angetan, hatte Bernhard Krol unter anderem diese muntere Plauderei der Posaunen speziell für das Quartett komponiert.

Näher kommen in der Kulturscheune

In der Kulturscheune kam man sich nach der Pause mit anregenden Gesprächen im reizvollen Ambiente des Klosterhofes dann buchstäblich näher. Nach einem Happy Birthday-Arrangement für Bassist Hans-Martin Schlegel und musikalischem Gruß an die Heimatgemeinde des großen Schauspielers Günter Strack war Swingtime angesagt in "alten Mauern", kam mit Irving Berlins  "Alexanders Ragtime Band" wippend schnippend Bewegung ins Publikum.

Als schließlich Taxis, Feuerwehr- und Polizeiautos mit Posaunen-Turbo durch den Raum rasten, traf "Wahnsinn" als Kommentar einer Zuhörerin auf den Punkt. Erst nach drei Zugaben konnte "Opus 4" als "Musiker zum Anfassen" zum gemütlichen Teil einer großartigen Konzertnacht übergehen, bei dem noch lange über ein einmaliges Musikerlebnis geplaudert wurde, das eine noch bessere Besucherkulisse verdient gehabt hätte.

Trost für alle, die diese Sternstunde erstklassiger Musik verpasst hatten: "Opus 4" kann sich durchaus ein Wiederhören vorstellen, wie es der Leiter des seit über 20 Jahren auf vielen nationalen wie internationalen Bühne gefeierten Ensembles andeutete: "Wir kommen gerne wieder". Zudem will Jörg Richter Münchsteinach mit der einmaligen Akustik im Münster, dem Ambiente der Kulturscheune sowie der hier genossenen fürsorglichen Betreuung im Kollegenkreis empfehlen.

Den Kulturverein kräftig zu unterstützen und "das Kleinod in besten Händen zu halten", riet er den Franken, die stolz auf etwas sein könnten, das man in Deutschland selten antreffe. Vielleicht kommt ja die Botschaft des "fremden Propheten" an, wenn schon die eigenen  weniger gehört werden.
  

Harald J. Munzinger

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