Mittwoch, 12.12.2018

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Netzwerk weckte mit Burnout-Vortrag großes Interesse

Die letzten Besucher mussten sogar in der Tür sitzen - 20.04.2018 20:22 Uhr

Die Referentin Silvia Sanchez Pastor erklärt die Phasen des Burnouts: So kommt immer noch eins zum anderen. © Ludwig


Jeder siebte sieht - laut einer Statistik - bei sich selbst die Gefahr, vollkommen auszubrennen. "Burnout", ein Ausgebrannt-Sein im Sinne von körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, ist kein Leiden mit eindeutigen Kriterien. "So ernüchternd das auch ist, aber für Burnout gibt es keine einheitliche Definition", erklärte die stellvertretende Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Diakonie, Silvia Sanchez Pastor. Das mache, so die Psychologin und Gerontologin "es auch so schwierig, ein Burnout frühzeitig zu erkennen." 

 Dabei handelt es sich u, eine Diskrepanz von Erwartungen und Realität und hat deutliche Konsequenzen für Beruf, Familie, Freundeskreis und vor allem für die Gesundheit. Betroffen sind meist Menschen mit Begeisterungsfähigkeit und hoher Motivation und solche, die was Sinnvolles leisten wollen, dabei aber ihre Grenzen übersehen. Dazu gehören meist Berufsanfänger, Menschen in helfenden Berufen, sehr engagierte Menschen, Perfektionisten und sehr ehrgeizige Personen. 

 Langsame Entwicklung in Phasen 

Burnout entwickelt sich nach Feststellung der Referentin "langsam in verschiedenen Phasen, die sich nicht immer klar voneinander abgrenzen". Enorme Begeisterung, Fleiß, Engagement und Perfektionismus im Beruf, Ehrenamt, aber auch im Privatleben wie beispielsweise pflegende Angehörige, drängen die Betroffenen in ein höheres Arbeitspensum. Andere Lebensbereiche werden unbemerkt immer mehr vernachlässigt. Prioritäten können kaum mehr gesetzt werden. Folglich kommt es verstärkt zur Selbstüberforderung und einem Gefühl der Inkompetenz. Manche gehen in die "innere Kündigung" und verlieren für alle Lebensbereiche die Energie. Nicht selten reagieren die Betroffenen aggressiv, zynisch und gereizt. Psychosomatische Beschwerden führen dann final zum Vollbild eines Burnouts: Isolation, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Sinnlosigkeit. 

Depression und Burnout 

"Die Depression begleitet oft das Burnout, aber nicht jedes Burnout endet in einer Depression", führte Silvia Sanchez Pastor aus. Das Burnout-Syndrom sei eher "kontext-bezogen", Depressionen hingegen seien eher "kontext-frei" und umfassen somit alle Bereiche des alltäglichen Lebens. Zusätzlich würden Depressionen als Dauerzustand beschrieben, während Betroffene des Burnout-Syndroms zu Teilen auch unbeschwerte Phasen durchleben könnten. Von Burnout Betroffene fühlen sich und wirken auf andere häufig abgeschlagen, matt und müde, sind gleichzeitig aber innerlich angespannt, nervös und unruhig, manchmal sogar reizbar und gelegentlich aggressiv. Bei Depressionen treten diese Symptome nicht immer auf. 

 Abschließend ging es auch um Burnout im Ehrenamt. Ehrenamtliche wollen helfen und anderen was Gutes tun. Sie stellen an sich viele Erwartungen verbunden mit hohem Idealismus. Aber es fehlt die professionelle Ausdifferenzierung. Silvia Sanchez Pastor merkte an: "Das Helfersyndrom ist harmlos, wenn es durch andere Komponenten der Motivation ausgeglichen wird."

Auszeit und Freiräume verschaffen! 

 Der Austausch der Zuhörer führte zur wichtigsten Frage aller: Was gibt es für Wege der Prävention? Neben Frühwarnzeichnen und Ernährung ist ein regelmäßiger Ausgleich durch Hobby, Sport und Bewegung wichtig. Hierzu brachten die Teilnehmer eigene Anliegen und Erfahrungen mit ein. Vielen hilft ein regelmäßiger Austausch in Selbsthilfegruppen, um die psychische Widerstandskraft zu stärken. Auch Ehrenamtliche, insbesondere solche, die sich innerhalb der Familie engagieren, animierte Referentin Sanchez Pastor dazu, sich „mindestens zwei Stunden Auszeit in der Woche zu schaffen!“ Immer wieder führte die Abschlussdiskussion zum gleichen Schluss: Lerne egoistisch zu sein, "Nein!" zu sagen und Prioritäten zu setzen, um eigene Freiräume zu finden.  

nb

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