Mittwoch, 12.12.2018

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Neues Domizil für den "Bilderbuchschäfer"

Hermann Egensamer findet im Freilandmuseum eine neue Unterkunft - 16.04.2018 19:14 Uhr

Hermann Egensamer hat seinen Dienst als "Museumschäfer" angetreten. Insgesamt 40 Schafe hat der Mann unter seiner Fittiche. © Harald Munzinger


Freunde und Bekannte hatten dem Tierwirtschaftsmeister mit der Fachrichtung Schafe geraten, die "ihm auf den Leib geschriebene" Stelle des verwaisten Museumsschäfers anzunehmen, für die er alle Voraussetzungen mitbringe. Der Ansicht war auch Museumsleiter Dr. Herbert May bei der Vorstellung Egensamers, der nicht nur die Kompetenz aus seinem seit 1988 betriebenen Stammzuchtbetrieb mitbringt, sondern auch redegewandt und sehr kontaktfreudig ist.

Mit dem munteren Hund Sally an der Seite "ein Bilderbuchschäfer", wie es Museumsbesucher empfanden, denen Hermann Egensamer gerne Auskunft über die die Schäferei gab, die er seit 30 Jahren mit "Schwarzköpfigen Fleischschafen" betreibt. Zunächst in Ettenstatt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, heute mit einem jungen Kollegen in einer Zuchtgemeinschaft in Kammerstein, dem einzigen Stammzuchtbetrieb in Nordbayern. 

25 seiner Schwarzköpfigen hat er mit ins Freilandmuseum am Stadtrand von Bad Windsheim gebracht, dazu noch zehn Marinoschafe und je fünf "Schecken" und "Coburger". Vielleicht kämen noch Rhönschafe dazu doch soll die Herde, in der sich jetzt noch zehn Tiere aus dem Museumsbestand befinden, mit 40 Schafen überschaubar bleiben. "Ich bin guter Dinge" meinte Hermann Egensamer, von Beruf und als Berufung Schäfer, an seinem neuen Wirkungsort.

Schäferei aus dem Jahr 1744

Gemeint ist damit ein 1744 von der Gemeinde Hambühl gebautes Haus mit großem Stall und zwei Wohnungen für die Hirten, die einst auf die Tiere der Bauern aufpassten, wie die Geschichte dieses Gebäudes beschrieben ist, das als erstes im Fränkischen Freilandmuseum aufgebaut worden war und die über viele Jahrhunderte in Franken sehr wichtige Schäferei dokumentiert.

Der Schafmist sei als guter Dünger für die Äcker sehr begehrt und von den Schafen mit Fleisch, Fell und Wolle fast alles zu verwenden gewesen, erfährt der Besucher in einer neu gestalteten Ausstellung in der "Hambühler Schäferei", in der auch einmal eine Krankenstube, eine Nachwächter-Unterkunft und eine Amtsstube untergebracht gewesen war. 

Um mit der Ausstellung in der Schäferei aus Hambühl alle Besucher anzusprechen, wurde sie "möglichst barrierearm gestaltet sowie zahlreiche optionale Hilfsmittel integriert". So gibt es begleitende Hörtexte für Menschen mit Einschränkungen im Sehen, ein Begleitheft mit taktilen Plänen und eine Begleitbroschüre in leichter Sprache ebenso wie "begreifbare" Exponate und Repliken, einfache Grafiken und Animationen sowie nach Museumsschilderung "eindrückliche Bilder und eingängige Texte sowie die multisensorische Einbindung des Gebäudes und der Tiere." 

Museumsschäfer Hermann Egensamer bringt noch einige neue Ideen ein. Er freut sich über einen sehr guten Kontakt zu Museumsleiter Dr. May und darauf, sein Wissen als passionierter Schäfer den vielen Museumsbesuchern weiterzugeben. Ein vielversprechender Anfang ist gemacht.  

Harald J. Munzinger

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