Samstag, 17.11.2018

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Neustädter Feuerwehr: Jeden zweiten Tag ein Hilferuf

Einsatzkräfte leisteten 2017 11.781 Stunden im Dienst der Sicherheit - 18.03.2018 11:04 Uhr

Bürgermeister Klaus Meier dankte Vorsitzendem Stefan Hügelschäfer für sein engagiertes Wirken und beglückwünschte Nachfolger Robert Kemeter (v. l.) zur Wahl an die Spitze des Neustädter Feuerwehrvereins. © Harald Munzinger


Höchsten Respekt und viel Anerkennung erfuhr die Freiwillige Feuerwehr Neustadt auf ihrer Jahreshauptversammlung. Landrat Helmut Weiß und Erster Bürgermeister Klaus Meier würdigten ihre Einsatzbereitschaft, "die weit über das hinaus geht, was man von einem Ehrenamt erwarten kann".

Sowohl Kommandant Michael Schöner, als auch der Vorsitzende des Feuerswehrvereins, Stefan Hügelschäfer, belegten dies mit einer eindrucksvollen Leistungsbilanz der ebenso engagierten Mitglieder wie hochmotivierten 66 Kräfte, darunter sechs Frauen im aktiven Dienst. Bei 175 Einsätzen im letzten Jahr war bei ihnen fast jeden zweiten Tag ein Hilferuf eingegangen. In 46 Fällen rückten sie zu Brandeinsätzen aus, 74 mal waren es technische Hilfeleistungen. Dazu kamen 16 Sicherheitswachen und 40 Einsätze im vorbeugenden Brandschutz.

Somit leistete die Feuerwehr 11.781 Stunden für die Sicherheit der Stadt und ihre Bürger, 3028 davon bei den Einsätzen, 5836 in der Ausbildung, um für alle Eventualitäten bestens vorbereitet zu sein. Diese reichen von Brandkatastrophen, wie zuletzt bei einem Schadensfeuer in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag, bis zu tödlichen Unfällen, von Brandwachen bis der Rettung in Notlagen nicht nur von Menschen. So habe beispielsweise ein Hund auf einer Fuchsfährte aus einem Wasserdurchlass oder manche Katze von einem Baum geborgen, ein Bienenschwarm auf Abwegen eingefangen oder Wildgänse gerettet werden müssen, ließ Kommandant Schöner wissen.

Selbst ein Bombendrohung findet sich in der Einsatzliste der Freiwilligen (!) Feuerwehr, in deren Reihen sich jetzt mit Waltraud Nöller und Matthias Köthe auch zwei Notfallseelsorger befinden, um sowohl Opfern wie Helfern bei psychischen Belastungen in dramatischen Situationen beizustehen. Schöner sprach die Personalprobleme bei den Tageinsätzen an und sah, trotz der leichten Entlastung mit der Anhebung der Altersgrenze für den aktiven Dienst die Verantwortlichen weiter zu nachhaltigen Lösungen gefordert.

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Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt

Verdiente Ehrungen und Anerkennung: Im vergangenen Jahr rückten die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt fast jeden zweiten Tag aus. Bei der Jahreshauptversammlung wurde noch einmal mehr der Teamgeist der Gruppe deutlich.


Zukunft liegt in der Jugendarbeit

Dass in der sich spürbar wandelnden Ellenbogengesellschaft mit Gaffern und Aggressionen seine großartige Mannschaft mit einer Million Feuerwehrleute in Deutschland weiter gegen den Strom zu schwimmen möge, war Schöner Wunsch beim Blick in die Zukunft. Die liegt für den erneut mit vielen Glückwünschen im Amt bestätigten Kreisbrandrat Alfred Tilz in der Jugendarbeit. Was aus der werden könne, zeigten die heute aktiven und alle Anforderungen meisternden Einsatzkräfte, denen Tilz ebenso wie der Jugend zurief: "Macht weiter so". Die weithin einmalige Nachwuchsarbeit in der Kinderfeuerwehr, die dieser Tage ihr fünfjähriges Bestehen feierte, wie auch in der aktuell 14 Mitglieder starken Jugendgruppe, die sich auf ihre 50-Jahr-Feier 2019 vorbereitet - zwei Pilotprojekte des Feuerwehrwesens im Landkreis - erfuhr viel Anerkennung, über die sich Johannes Krug als ausscheidender Jugendwart ebenso freuen konnte, wie Andrea Tilz - Frauenbeauftragte der Feuerwehren im Landkreis und Zweite Vorsitzende des Feuerwehrvereins – und Andreas Meyer, die seine Arbeit fortsetzen. Andrea Tilz berichtete über vielfältige Aktivitäten.

Einen Wechsel gab es auch an der Spitze des Feuerwehrvereins. Stefan Hügelschäfer, der im letzten Jahr den Vorsitz von Johann Schmidt übernommen hatte, musste ihn wegen seines Wohnortwechsels "nach einer ganz tollen Zeit mit viel Unterstützung" wieder abgeben. Als Nachfolger wurde Robert Kemeter gewählt, dem ohne Gegenkandidat trotz der erst kurzen Mitwirkung in der Neustädter Feuerwehr ein "überwältigendes Vertrauen" ausgesprochen wurde.

Ehrenvorsitz für Johann Schmidt

Hügelschäfers letzte Amtshandlungen waren zwei besondere Auszeichnungen. Seinem Vorgänger Johann Schmidt - einer Persönlichkeit, die das Feuerwehrwesen in Neustadt prägte - verlieh er den Ehrenvorsitz, Gustav Gräbner die seltene Auszeichnung für 60-jährige Mitgliedschaft. 40 Jahre gehört Dr. Herbert Krauß dem Feuerwehrverein an, 30 Jahre Roland Ebenhöh, Hermann Lettenmeier, Dagmar Schmidt und Wolfgang Schweigert, 20 Christian Burger, Ursula, Waltraud und Reinhard Nöller.

Neben langjähriger Mitgliedschaft erfolgten auch Ehrungen für Jahrzehnte aktiven Feuerwehrdienst. Schon 20 Jahre stets einsatzbereit sind Jürgen Bauereiß, Waltraud Nöller und Dieter Schneider, 30 Roland Ebenhöh, Stefan Herzog und Günther Wehr, der als Schatzmeister die Serie der positiven Berichte an diesem Abend fortsetzen konnte. Ein Überschuss ging auf ein Sonderkonto zur Ausstattung des neuen Feuerwehrhauses.

Dass ihm dieses ein besonderes Anliegen sei, betonte Bürgermeister Klaus Meier, der Feuerwehrführung und allen Einsatzkräften bei einem beeindruckenden Katalog freiwilliger und ehrenamtlicher Leistungen "großen Respekt und Dank" aussprach. Die im Vergleich zu 2016 geringere Zahl der Einsätze (von 197 auf 175) könnte seiner Vermutung nach ein Erfolg der intensiven Brandschutzaufklärung beziehungsweise des vorbeugenden Brandschutzes sein, dem Kommandant Michael Schöner besondere Bedeutung beigemessen hatte: "Wer die Gefahr kennt, dem brennt so schnell nichts an".

Erstes Konzept für Feuerwehrhaus

Schöners Dank für die von der Kommune vorbildlich wahrgenommene Pflichtaufgabe optimaler Ausstattung der hochmotivierten Einsatzkräfte vernahm der Bürgermeister mit einigen Ratsmitgliedern gerne und sicherte diese Aufgeschlossenheit gegenüber den Belangen der Wehr auch weiter zu. Da stehen zunächst 520.000 Euro für ein neues Hilfsleistungs-Löschfahrzeuges HLF 20 zu Buche (47.000 Euro schießt der Landkreis zu) und mit dem ersten Konzept des Millionenprojektes neues Feuerwehrhaus wird sich der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung in der Hoffnung befassen, "dass die Kosten nicht durch die Decke schießen".

Das Stadtoberhaupt zeigte sich ebenso stolz auf die "hervorragende und allzeit einsatzbereite Wehr mit hochmotivierten Kräften und einer engagierten Führung wie au die Nachwuchsarbeit". Landrat Helmut Weiß würdigte es, wie man sich bei der Feuerwehr Neustadt "mit zuverlässigem, verantwortungsbewusstem und couragiertem Einsatz allen Herausforderungen stellt", dabei auch die eigene Gesundheit in Gefahr bringe. Das verdiene nicht nur "allergrößten Respekt und Anerkennung", sondern auch die entsprechende Unterstützung. Der Landkreis setze in den nächsten drei/vier Jahren 2,8 Millionen Euro für das Feuerwehrwesen ein, "Investitionen in die Sicherheit", wie es Weiß unter Beifall in der vollbesetzten Scheune der Neustädter "Kohlenmühle" ausführte. Hausherr Lothar Hufnagel galt der Dank für seine Förderung des Feuerwehrhaus-Projektes mit 1500 Euro.  

Harald J. Munzinger

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