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Mittwoch, 19.09.2018

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Neustädter Frauenunion wirbt für Altenpflege-Berufe

Positives Berufsbild wurde durch Erfahrungsberichten von Pflegern vermittelt - 27.06.2018 17:32 Uhr

FU-Kreisvorsitzende Renate Ixmeier (l,.) wirbt mit den positiven Berichten von Lehrerin Angelika Bürkl und den Auszubildenden für die Altenpflege. © privat


Der Kreisverband der Frauenunion wirbt für die Altenpfleger-Ausbildung und ist dabei um ein positives Berufsbild bemüht. Vorsitzende Renate Ixmeier: "Es werden sich wohl kaum Auszubildende finden, wenn der Beruf permanent schlecht geredet wird". Sie setzt Hoffnungen in den neuen Pflegepakt, vor allem aber dass "durch die Schaffung eines Landesamtes für Pflege wieder mehr Jugendliche für die Ausbildung zu gewinnen sind und das Ansehen in der Bevölkerung steigt".

Beste Voraussetzungen biete in der Region die Altenpflegeschule in Scheinfeld. Die Lehrkraft Angelika Bürkl weiß um die wesentlichen Vorteile der Schule vor Ort: "Die Absolventen bleiben zumeist in der Region und es wird nicht für die Arbeitslosigkeit ausgebildet, sondern für einen boomenden Arbeitsmarkt, der alle Chancen und Möglichkeiten eröffnet". So habe ein ehemaliger Schüler ein Sanitätshaus gegründet und ein knappes Dutzend weitere seien selbstständig und leiteten einen privaten Pflegedienst. Auch für Späteinsteiger sei die Ausbildung noch interessant, da die Entlohnung bereits ab dem ersten Lehrjahr mit momentan etwa 900 Euro als relativ gut angesehen werden könne.

Voraussetzung in der Schule angenommen zu werden, ist der Abschluss eines Arbeitsvertrages mit einem Träger oder Arbeitgeber. Dieser wiederum schließt dann einen Kooperationsvertrag mit der Schule. Im Jahr 2003 erfolgte die Novellierung der Ausbildung, die seitdem dual stattfindet und nicht mehr nur schulisch. Die Ausbildung wird aufgeteilt in Blockwochen im Betrieb und in der Schule, wobei alle Schichten zu bedienen sind. (Nachtschichten im 3. Ausbildungsjahr).

"Den Traumberuf gefunden"

An der seit 1986 bestehenden Schule wird versucht, durch zeitgemäße Unterrichtsmethoden den sich ständig wandelnden Erwartungen an das Berufsbild gerecht zu werden. Durch eine angenehme Klassengröße von durchschnittlich 14 Schülern, wird eine konstruktive Arbeitsweise gefördert. Zugang zur Ausbildung habe fast jeder, stellte Bürkl fest. Wer den Beruf als Erstausbildung anstrebe, sollte 16 Jahre alt sein und eine mittlere Reife vorweisen. Oftmals wählten die Schüler den Weg über den Besuch der Berufsfachschule für Sozialpflege oder Kinderpflege. Ein noch größerer Anteil komme aus der Altenpflegehilfe. Auch als Quereinsteiger, mit einem abgeschlossenen Beruf, könne man die Schule besuchen. So würden momentan Schüler zwischen 18 und 52 Jahren beschult.

Zum Gespräch, zu dem sie FU-Kreisvorsitzende Renate Ixmeier eingeladen hatte, brachte Angelika Bürkl für den Einblick in die Praxis zwei Schüler im zweiten Ausbildungsjahr mit. Atilla Akgül (29 Jahre), gelernter Karosseriebauer, war mit seinem Beruf - "zu viel Blech, zu wenig Mensch" - unzufrieden. So entschloss er sich, einen anderen, sozialen Beruf zu erlernen. Bei Praktika auch in Altenheim habe er erkannte, dass ihm diese Arbeit Erfüllung gebe. So begann er die Ausbildung und gestand offenherzig, dass er "seinen Traumberuf gefunden hat, den er auch als Berufung empfindet".

Die Dankbarkeit und Anerkennung, die die zu Pflegenden dem Personal entgegenbrächten, lasse, so Akgül, oftmals die psychische und körperliche Belastung vergessen. Dennoch wünscht er sich aber auch mehr Anerkennung für die in der Pflege Tätigen. Seine Tipp: Eine verpflichtende soziale Praktikumswoche während der Schulzeit, womit man "doch den ein oder anderen für die Ausbildung begeistern" könnte.

Praktikum weckte Interesse

Bei Sven Eichner (20 Jahre) weckte ein Praktikum in der Mittelschule den Wunsch, diesen sozialen Beruf zu ergreifen. Auch Erfahrungen in der Familie hätten ihn darin bestärkt. Zuerst machte er die Ausbildung zum Altenpflegefachhelfer. Sein Chef und seine Familie hätten ihn ermuntert, weiter zu machen und die Ausbildung zum Altenpfleger anzugehen, um als Fachkraft später auch eine bessere Bezahlung zu erhalten. Begeistert erzählte er von den Möglichkeiten, die der Beruf eröffnet.

Die Teamarbeit stehe an erster Stelle, aber auch die Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung und die große Dankbarkeit der Patienten. Momentan arbeitet er auf einer gerontopsychiatrischen Station, wo speziell die Krankheitsbilder Demenz und Schizophrenie und andere psychische Erkrankungen im Mittelpunkt stehen. Seine Wünsche für die Zukunft wären eine bessere Bezahlung, mehr Personal und ein besseres Berufsbild in der Öffentlichkeit. Dafür habe er und Atilla Akgül sehr viel getan, stellte FU-Vorsitzende Ixmeier fest: "Man konnte spüren, dass sie für ihren Beruf brennen und dass es ein schöner Beruf ist, der Erfüllung geben kann". Das Menschen wie Sven und Atilla gebraucht würden, sei wohl jedem bewusst.

"Die Chance am flachen Land, vor Ort eine Anstellung zu finden sind groß, die Möglichkeiten über Teilzeitmodelle auch jungen Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen sind ebenfalls gegeben", ermunterte Renate Ixmeier, die Altenpflege in die enge Berufswahl zu ziehen.  

nb

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