Montag, 17.12.2018

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Partner der Natur: Jäger-Versammlung in Neustadt

Jäger wurden geehrt und aktuelle Themen ausgetauscht - 28.04.2018 15:11 Uhr

Mit der Hegeschau verbindet sich eine aufschlussreiche Rückschau auf das zurückliegende Jagdjahr. © Harald Munzinger


Viel Lob gab es also bei der Jahreshauptversammlung mit Hegeschau des Jägervereins, bei der sich auch Erster Bürgermeister Klaus an die Seite der Waidmänner stellte und sich für die Stadt zum nachhaltigen Wald bekannte, der ihr wichtiger sei "als der schnelle Euro". Ein Stück Rücksichtnahme forderte er von der Eventgesellschaft ein, wenn diese etwa den Wald als Rennstrecken missbrauche.

 Mit der "Afrikanischen Schweinegrippe", der "Pseudotollwut" und der Fuchsräude wurden aber auch akute Sorgen in der Jägerschaft angesprochen. MdL Scheuenstuhl sah sie mit dem wesentlich erhöhten Abschuss des Schwarzwildes auf einem guten Weg, den Landrat Schnizlein "wichtiger denn je" wähnte, da mit der Seuche Gefahren für die gesamte Volkswirtschaft drohten.

Der Vorsitzende des Jägervereins, Walter Billmann, sprach sich zwar auch für "die intensive Bejagung der Schwarzkittel unter Beachtung aller legalen Mittel" aus, sah die Hauptgefahr jedoch im "Überträger Mensch", warnte vor dem Wegwerfen von Lebensmitteln - etwa Wurstreste/Schweinfleisch aus Polen – mahnte zu Seuchenhygienemaßnahmen und die Jägerschaft zum Monitoring bei unklarer Todesursache von aufgefundenen verendeten Wildschweinen.

Während es in Deutschland noch keinen Fall der in Tschechien und Polen bedrohlich nahen "Afrikanischen Schweinegrippe" gibt, wies Billmann auf die Aujeszkysche Krankheit – die Pseudsotollwut – mit dem Überträger Wildschwein als "akutes Problem" hin, da es schon erste Fälle im Landkreis Kitzingen gibt. Während auch sie für den Menschen ungefährlich ist, können sich mit der für sie unweigerlich tödlichen Viruserkrankung Katzen und Hunde infizieren.

Ebenso mahnte Billmann Hundehalter zur besonderes Vorsicht, wenn sie im Wald unterwegs sind, da auch im hiesigen Raum schon räudige Füchse aufgefunden wurden und die Fuchsräude hochansteckend ist.

Vielfältige Aktivitäten

Aus dem Vereinsleben berichtete der Vorsitzende über vielfältige Aktivitäten vom Ferienprogramm - das von Bürgermeister Meier ebenso gewürdigt wurde wie der Bläserfrühschoppen zur Kirchweih – über das Pokalschießen oder der Hubertusmesse bis zur Beteiligung an den Wildbretwochen als Veranstaltungen mit sehr positiver Außenwirkung für die Jägerei.

Billmann reflektierte im illustrierten Jahresbericht ferner die "Wildbret-Kochaktion" unter Federführung von Kreisbäuerin Renate Ixmeier, das gute Zusammenwirken mit Ämtern, Waldbauern und Forstbetriebsgemeinschaft sowie den Besuch des Landesjägertages. In diesem Zusammenhang bedauerte er den Austritt von neun Mitgliedern (der aktuell 271 Haupt-, 18 Neben- und 16 sonstigen Mitglieder), die nicht mit der Politik auf Verbandsebene einverstanden sind.

Dass sich auf der die Altherrenriege verabschieden müsse und eine junge Führung gewünscht sei, habe die Stimmung bei der Tagung deutlich gemacht.

Positive Berichte der Obleute

Positive Berichte erstatteten die Obfrau für das Hundewesen Sandie Schmidt über die aktive Ausbildung von Jagd- und Begleithunden, Kassier Werner Fischer über einen schönen Jahresüberschuss zur Aufstockung des Guthabens sowie Bläserobmann Willi Schlicker über die Auftritte der 18 aktive JagdhornbläserInnen im Alter von 28 bis 78 Jahren - die auch für einen klangvollen Rahmen der Versammlung sorgten - und Obmann Friedrich Täuber über das jagdliche Schießen.

Er hatte zudem als Wahlleiter ein leichtes Amt bei der Nachwahl des/der stellvertretenden Vorsitzenden. Anke Winter, die es kommissarisch begleitete, wurde das einstimmige Vertrauen der Versammlung per Akklamation ausgesprochen. 

Langjährige Mitglieder geehrt

Mit dem Vorsitzenden Walter Billmann nahm sie die Ehrung langjähriger Mitglieder mit Urkunden des Landesjagdverbandes vor: In Abwesenheit galt die besondere Anerkennung für 65-jährige Mitgliedschaft Heinrich Schwarzkopf. 60 Jahre sind schon Johann Billmann und Fritz Heinlein, 50 Jahre Peter Ketzer und Johann Beyer Mitglieder des Jägervereins Neustadt/Aisch- und Umgebung. Dem gehören seit 40 Jahren Christian Trissler, Werner Strauß, Hermann Schwarzkopf, Manfred Schleier, Bernhard Lindner, Elisabeth Hölldobler und Georg Ziegler an, 25 Jahre Peter Mackel, Udo Wenzel und Alfred Köhler.

Mit der Ehrenfanfare der Jagdhornbläser wurden langjährige Mitglieder des Jägervereins Neustadt gewürdigt. © Harald Munzinger


Bei der Hegeschau stellte Clemens fest, dass 207 Sauen erlegt und nach über 100 Prozent im Vorjahr 2017 die Abschusspläne für Rehwild zwischen 88 und 98 Prozent erfüllt worden seien. Insgesamt bezifferte er die Abschussquote im Einzugsbereich des Jägervereins bei 2435 Böcken, Rehen und Kitzen auf 90 Prozent (Vorjahr 104). Beim "Fallwild" habe sich die Verlustzahl von 440 auf 367 verringert, womit er für den Bereich des Jägervereins der von MdL Scheuenstuhl beklagten starken Zunahme der Wildunfälle widersprach, die nach dessen Aussage bei anhaltendem Trend zu noch höherem Abschuss zwingen würden.

Graf forderte, künftig faire Abschusspläne mit Maß und Ziel zu erstellen und keine Vorgaben zu machen, die nicht zu erfüllen seien. Mit eigenen Beobachtungen stellte er die positive Wirkung von Blühflächen in den Revieren fest, die dem Wild Inseln böten, den Wald schonten. Hier müsse die Landwirtschaft "mit an den Schrauben drehen" und nicht nur "verschämte Ränder um den Mais" einsäen. Vorsitzender Billmann wollte keine Fronten aufgebaut, sondern diese Themen in Gesprächen erörtert wissen: "Die Jäger brauchen die Unterstützung der Land- und Forstwirte".

Mehr Füchse

Thomas Kursawe von der Unteren Jagdbehörde listete für den Landkreis beim Schwarzwild 837 Abschüsse auf (im Vorjahr 773 und 2015 lediglich 228 Wildschweine), beim Rehwild 6366 mit einer Quote von 94,8 Prozent (Vorjahr 104,5 Prozent).

Ob es an der Bejagung liege, ließ er beim deutlich Rückgang auf 1452 geschossene Hasen offen, bei gleichzeitiger Zunahme auf 2050 Füchse. In der Versammlung war schon der verstärkte Abschuss des Raubwildes – auch von Rabenkrähen – zum Schutz des Niederwildes angesprochen worden.

 Nur noch marginal schlagen sich 15 Rebhühner und sechs Fasane im Jagdregister nieder, während die Zahl der Graureiher auf 463 stieg, davon 309 alleine im Aischgrund, die der Kormorane von 106 im Vorjahr auf 218.

Die behördlichen Informationen spannte Kursawe in einem großen Bogen von der Kritik an vielen nicht ordnungsgemäß geführten Streckenlisten bis zu neuen Sicherheitsvorschriften für die Waffenschränke. Johannes Beetz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, wies auf die Borkenkäferproblematik mit der Bitte an die Jäger hin, entsprechende Beobachtungen zu melden, und berichtete von einem stärkeren Aufkommen des Eichenschwammspinners in einigen Beständen hin (Raum Sugenheim-Rüdisbronn), die eine Bekämpfung aus der Luft erforderlich machen könnten. Vorsitzender Walter Billmann würdigte ein gutes Zusammenwirken der Jägerschaft mit dem Amt.  

Harald J. Munzinger

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