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Prominenter Besuch beim Uehlfelder Schlachtfest

Agrarminister Schmidt bot beim Schlachtschüssel-Essen Nörglern die Stirn - 05.02.2017 12:37 Uhr

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt war zu Gast beim Schlachtfest m Uehlfelder Feuerwehrhaus - da bleibt der prüfende Blick in den Kessel natürlich nicht aus.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt war zu Gast beim Schlachtfest m Uehlfelder Feuerwehrhaus - da bleibt der prüfende Blick in den Kessel natürlich nicht aus. © Harald Munzinger


Ohne die in Uehlfeld schon wiederholt erfahrene Kameradschaft habe das schönste Feuerwehrgerätehaus keine Zukunft, erklärte der Minister, während um ihn herum noch geschäftiges Treiben herrschte.  Allerdings war das drei Meter lange Schwein mit den fünf Köpfen und gut zwei Dutzend Nieren schon weitgehend "verwurstet", wie der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Bürgermeister Werner Stöcker, die "Uehlfelder Wundersau" beschrieb, die für den Jahresvorrat zur Stärkung nach Einsätzen und Übungen oder bei Zusammenkünften nötig ist.

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Da schmeckt's selbst dem Minister: Schlachtfest in Uehlfeld

Seit 26 Jahren ist die Feuerwehr Uehlfeld Selbstversorger für den kameradschaftlichen Ausklang von Einsätzen, Übungen oder Sonderdiensten. Der Vorrat für Vesper oder den Grill wird beim traditionellen Schlachtfest des Feuerwehrvereins angelegt, der diesmal mit Agrarminister Christian Schmidt einen prominenten Gast und Bewunderer der "guten Mischung aus Kultur, bodenständigen Essen und Gemeinschaftspflege" hatte.


Für den musste zunächst einmal kräftig Hand angelegt, statt zu Löschen ein Feuer geschürt werden, als der Nebel noch schwer über dem langsam erwachenden Aischtal lag. Langsam ging es auch für manch einen der eifrigen Helfer zum Feuerwehrhaus, um es auf glatten Straßen "eher schlitternd als fahrend" zu erreichen. Als das geschlachtete Schwein mit zusätzlichen drei Hälften eintraf, waren die Kessel auf Temperatur, die langsam auch auf dem Thermometer stieg und sich am späteren Vormittag die Kesselwache mit einem Sonnenbad verbinden ließ. Anders als bei schon so manch einem Schlachttag in eisiger Kälte, bei der man nach Stöckers Erinnerung mit dem Streusalz ums Feuerwehrhaus nicht nachgekommen war.

Schöne Gespräche beim Speckschneiden

Diesmal reichte das feine Salz neben dem Pfefferhäufchen auf den großen Schneidbrettern, in das immer wieder ein Stück vom Kopf- und Bauchfleisch oder Nierchen gedippt wurde, manch guter Happen "im Kröpfchen statt Töpfchen" landete, was ja schließlich den Reiz eines Schlachtfestes ausmacht.

In Uehlfeld stärkt es zudem die Kameradschaft und bezieht die starke Jugend ebenso ein, wie ehemalige Helfer, Freunde und Gönner der Feuerwehr. Beim Speckschneiden ergäben sich ebenso schöne Gespräche, wie beim frischen Bratwurstgehäck mit Zwiebeln auf einem deftigen Bauernbrot, weiß Stöcker, der sich über erneut schönen Zuspruch zu dem von ihm einst initiierten und längst Tradition gewordenen Schlachtfest freute.

Und natürlich über die "ministeriale Visite", die Schmidt als ideale gerne Gelegenheit nutzte, gerade bei einem Schlachtfest mal allen Attacken gegen Tierhaltung und Landwirte "die Stirn zu bieten", auf die "manche gar nicht laut genug eindreschen" könnten. "Das ist unfair und da stelle ich mich vor die Landwirte", die nicht in eine (Sünder-)Ecke gestellt werden dürften, erklärte der Minister mit Nachdruck. Bei der aktuellen Nachrichtenlage musste er keine Namen derer "in meinem politischen Umfeld" nennen, die er ebenso gerne wie Verbraucher zu dem Schlachtfest im Aischtal eingeladen hätte.

Man könne sicher sein, dass dort, wo dies nötig sei, die Dinge geändert würden, wobei auch die Landwirte mitmachten, erklärte der Minister mit dem Hinweis auf sein erst kürzlich eingeführtes Tierwohl-Label. "Alles schlecht reden und zugleich erwarten, dass alle gut ernährt werden", funktioniere nicht, so Schmidt mahnend, dass bei anhaltender Hetze bald hierzulande die Ställe zugemacht würden und man das Fleisch aus Ländern beziehe, in denen nicht so sehr auf die Qualität geachtet werde.

"Jeder soll nach seiner Fasson leben"

Der Bundeslandwirtschaftsminister warb bei der herzhaften Schlachtschüssel für Toleranz auf allen Seiten. Jeder solle "nach seiner Fasson leben und nicht für Andere reglementieren, was man darf oder nicht". Niemand werde gezwungen, Schweinefleisch zu essen, sollte es aber auch niemand versagen, der es genießen wolle - zumal so gut verarbeitet, wie bei diesem Schlachtfest. Dass diese Tradition fortgesetzt werden kann, sichert eine von Schmidt veranlasste europäische Regelung für Schlachtungen unter fünf Tonnen, um diese kleinen Metzgern und Gastwirten mit den Standards bei Sauberkeit und Hygiene zu ermöglichen, "kleine Strukturen zu erhalten".

Darauf stieß auch Landrat Helmut Weiß unter den zahlreichen Gästen gerne mit dem Agrarminister an, während Blut- und Leberwürste in Därme und Dosen gefüllt wurden, der Pressack vorbereitet wurde, die Brat- Blut- und Leberwürste für das kostenlose Essen bei der Hauptversammlung am nächsten Tag ebenso schon kühl gestellt waren, wie das Steakfleisch, das nach Übungen oder Sonderdiensten auf den Grill kommen wird.

Finanziert werde das Schlachtfest vom Feuerwehrverein, der sich dieses gerne etwas kosten lasse, so Vorsitzender Werner Stöcker wohlwissend um den wertvollen Effekt für die Kameradschaft. Den sollte der Blick in die Runde bestätigen, in der sich auch die Jugend nützlich machte. Kein Wunder, dass man sich in Uehlfeld um den Nachwuchs keine Sorgen machen muss, den Stöcker bei erfahrenen Feuerwehrkräften in besten Händen weiß.

 

Harald J. Munzinger

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