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Rassismus-Vortrag in Neustadt: Demokratie in Gefahr?

Rechtsextreme Anschauungen seien wieder salonfähig geworden - 18.03.2017 14:33 Uhr

SPD-Ortsvorsitzender Elmar Etzel hatte mit Dr. Wolfgang Mück einen profunden Kenner politischer Entwicklungen, die auch den Bezirksvorsitzenden Carsten Träger (v. l.) interessierten. © oh


Referent war Altbürgermeister, Ehrenbürger und Historiker Dr. Wolfgang Mück, der ein vielbeachtetes Buch über den Aufstieg des Nationalsozialismus in Neustadt und im westlichen Mittelfranken geschrieben hat. Elmar Etzel, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, konnte neben vielen interessierten Besuchern auch den Bundestagsabgeordneten Carsten Träger begrüßen.

Träger ist Schirmherr der Aktion "Meine Stimme für Vernunft" in Mittelfranken. Diese überparteiliche Kampagne setzt sich gegen Hetze und Ausgrenzung und für eine freie, offene und tolerante Gesellschaft ein (nn-online berichtete von der Auftaktveranstaltung). Mit Videobotschaften, Fotos und dem Unterzeichnen einer Petition kann Jede und Jeder seine Stimme für Vernunft erheben – wie es auch bereits viele Prominente, wie Iris Berben oder Peter Maffay getan haben.

"Unter der Bettdecke schwelt ein Brand"

Die Veranstaltung mit Dr. Wolfgang Mück reihte sich in die Aktionswoche zur "Stimme für Vernunft" im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ein. In seinem Vortrag spannte der Historiker den Bogen von den Entwicklungen in den 1920er und 1930er Jahren bis in die Gegenwart. Er berichtete zunächst vom Aufstieg der NSDAP und ihren Vorgängerparteien in Neustadt/Aisch. Während sie Anfang der 1920er Jahre noch einen verschwindend geringen Stimmenanteil von 0,5 Prozent gehabt habe, sei die Steigerung in den folgenden Jahren erschreckend rasant gewesen, seien im Jahr 1936 99,9 Prozent aller Stimmen auf die Nationalsozialisten entfallen.

Die Bedrohung von Rechts sei, so Mück, in Deutschland jedoch auch nach dem zweiten Weltkrieg immer präsent gewesen. So habe die NPD in Neustadt in den 1960er Jahren bei über zehn Prozent der Wählerstimmen gelegen. Zwar ließen die aktuellen Nachrichten wie beispielsweise aus den Niederlanden hoffen, aber auch heute gehe "nach wie vor eine große Gefahr durch rechtsradikales und rechtspopulistisches Gedankengut aus". Dr. Wolfgang Mück: "Unter der Bettdecke schwelt ein Brand."

Rassismus sei wieder salonfähig geworden

Das rechtsextremistische Personenpotential liegt seinen Ausführungen zufolge in Bayern bei etwa 2000 Personen, etwa die Hälfte davon sei auch dazu bereit, ihre Weltanschauung mit Gewalt durchzusetzen. Auch die Reichsbürger-Bewegung sei eine nicht zu unterschätzende Gefahr, zumal viele diese Personen Waffen besäßen. Laut Aussage des Landratsamts lebten auch im Landkreis 27 Reichsbürger, ließ Dr. Mück wissen.

Im letzten Teil seines Vortrages ging er auf ein weiteres, und eigentlich noch viel beunruhigenderes Thema ein: "Latenter, unterschwelliger Rassismus und ausländerfeindliche Sprüche sind mittlerweile wieder salonfähig geworden". So fand Mück in der Publikation eines Autors aus dem Landkreis teils sogar ganz unverhohlen und offen geäußerten Rassismus.

Dem Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an, die sich vor allem um die neuen Medien und sozialen Netzwerke wie Facebook drehte. Denn dort würden immer mehr Un- oder Halbwahrheiten verbreitet, Hetze und Hasskommentare seien an der Tagesordnung und vieles geschehe unter dem Deckmantel der Netzanonymität. Der Umgang damit gestalte sich deshalb äußerst schwierig. Hier sollte mit klaren bundesgesetzlichen Regelungen gegen Verleumdungen und Hasskommentare vorgegangen werden, wurde gefordert. Am Samstag wurde die Aktionswoche zu "Meine Stimme für Vernunft" mit einem SPD-Infostand auf dem Neustädter Marktplatz abgeschlossen. 

nb

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