Dienstag, 25.09.2018

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Sanierung des Kolbanwesens: Vom Zankapfel zum Schmuckstück

Altehrwürdiges Bauernhaus soll in Zukunft für mehrere Zwecke genutzt werden - 01.06.2018 17:41 Uhr

Architekt Hanns Berger, Bürgermeister Gerhard Eichner, Kurator Gerd Sommer und Friedrich Müller von Lotto Bayern sowie Architektin Manuela Hasselbacher (v. l.) bei der Übergabe der Bronzetafel am vorbildlichen Projekt der Denkmalsanierung mit neuem Nutzungskonzept im Ortskern von Gutenstetten. © Harald Munzinger


Am Eingang zum Kolbhaus wird nach dessen Fertigstellung zur Gutenstettener Kirchweih 2019 eine kleine Bronzetafel daran erinnern, dass hier ein wertvolles Baudenkmal erhalten und aus einem Zankapfel ein Schmuckstück des Ortes wurde. Und auch daran, dass dies von der Deutschen Stiftung Denkmalpflege gefördert wurde. Von deren Ortskuratorium Erlangen übergab Gerd Sommer mit Friedrich Müller von der "Glücksspirale/Lotto Bayern" die Tafel am Gutenstettens Bürgermeister Gerhard Eichner, die dokumentiert, dass hier ein "vorbildliches Projekt" realisiert wird. Denn nur für die Wiederherstellung eines bedeutsamen Denkmals mit sinnvoller Nutzung werden Fördermittel bereitgestellt.

Für das ehemalige Bauernhaus mit späterem multifunktionalem Mehrwert für den Ort sind es 50.000 Euro, mit denen die Gemeinde als Bauherr neben staatlicher Förderung spürbar entlastet wird. Immerhin hat sie alleine für die Altbausanierung rund 480.000 Euro zu schultern, für die gelungene Anbindung eines Erweiterungsbaues weitere 400.000 Euro.

Ursprünge reichen bis ins 14. Jahrhundert

Ein teures Erbe, das die Kommune mit dem ehemaligen Bauernhaus vom Staat als kurzzeitigem Besitzer übernommen und sich gegen massiven Widerstand zum Erhalt eines der ältesten Häuser im Aischgrund und der mutmaßlichen Keimzelle des Ortes entschieden hatte. Die Ursprünge reichen ins 14. Jahrhundert, das Haus mit seinem markant steilen Dach entstand 1680.

Historische Bausubstanz und neue Elemente harmonisch zusammenzuführen, ist die Kunst der Planer und Handwerker. © Harald Munzinger


Laut sei der Ruf gewesen, "des Glump abzureißen", erinnert sich Bürgermeister Gerhard Eichner. Sogar eine Petition war gegen die Sanierung verfasst worden, die sich im Nachhinein als Glücksfall erweisen sollte, da sie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) auf den Plan brachte. Zumal das "älteste bekannte Profangebäude Gutenstettens mit der gegenüberliegenden historischen Scheune und einem weiteren Baudenkmal eine reizvolle historisch-städtebauliche Ensemblesituation im Ortszentrum an der Brücke über die Steinach bilden", so DSD-Kurator Sommer. Für den Erhalt des Fachwerkbaues sprach zudem, dass der Wohnteil des Bauernhauses "in der Struktur der Bauzeit weitgehend unverändert erhalten geblieben ist".

Raum für Trauungen und zum Stricken

So war es denn auch die Aufgabe des darauf spezialisierten Rothenburger Architekten Hanns Berger, "so viel wie möglich von der alten Substanz zu erhalten" und das Gebäude zugleich "fit für die neue Nutzung" zu machen. Zwei Räume werden als Museum eingerichtet, Gesangverein, Jugend und Strickdamen wird ein Vereinszimmer zur Verfügung stehen und in besonderer Atmosphäre können sich Paar künftig standesamtlich trauen lassen.

Bürgermeister Eichner freut sich ferner über die Gelegenheit von Lesungen und Ausstellungen. Es gebe viele Idee, die in einem Arbeitskreis "Kultur in Gutenstetten" entwickelt würden. Kritik ist Bewunderung gewichen Im Anbau, über den Manuela Hasselbacher vom Architekturbüro Gampe bei der Übergabe der Bronzetafel informierte, befindet sich ein großer Veranstaltungsraum sowie die Heiztechnik. Geplant ist noch eine Scheune zur Abrundung des Hofes mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten einer idyllischen Eventstätte – bei Bedarf bestens versorgt vom benachbarten Radlertreff - , eine kleine Anlage an der Steinach sowie ein Backhaus.

Offizielle Einweihung zur Kirchweih

Am 9. September wird das Kolbhaus zum Tag des offenen Denkmals seine Türe öffnen, offiziell eingeweiht soll es zur Kirchweih im nächsten Jahr werden, kündigt es Bürgermeister Gerhard Eichner an. Der freut sich, dass viele kritische Stimmen verstummt sind, der sichtbare Wandel des vom Verfall gezeichneten Anwesens zu einem schmucken Ortszentrum zunehmend Bewunderer findet.

Dass es bei den Planern wie auch bei den Handwerkern in besten Händen ist, konnten sich DSD-Kurator Gerd Sommer und Friedrich Müller von der Lotto-Bezirksstelle bei der Besichtigung von Küche, Stube und Kammer im Erdgeschoss des einstigen Bauernhauses, im Obergeschoss mit gleicher Raumaufteilung sowie im Dachgeschoss mit dem gelungenen Übergang in den Anbau feststellen und das Geld bestens angelegt sehen. Die Glücksspirale sei ein stabiler Pfeiler für den Denkmalschutz, ließ Müller wissen.

Da die Sanierung kulturhistorisch wertvoller Bauwerke oft die Möglichkeiten öffentlicher Kassen übersteige, trage jedes Los zu deren Erhalt bei. So habe die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2017 für Rettungsmaßnahmen in Bayern rund drei Millionen Euro erhalten. Das historische Gebäude in Gutenstetten gehöre nach Auskunft von Gerd Sommer zu über 400 Projekten, die dank der Mittel von GlücksSpirale und Rentenlotterie alleine in Bayern gefördert werden könnten. Die kleine Bronzetafel vermittelt dies den künftigen Gästen des Hauses.  

Harald J. Munzinger

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