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Mittwoch, 26.09.2018

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Schaudepot entsteht in Neustädter Schloss

Weitere Attraktion für "Museen im Alten Schloss" - 22.08.2018 14:22 Uhr

Die Zunfttruhen kommen als ein besonderer Museumsschatz wieder neu zur Geltung. © Jochen Ringer


Im Schaudepot soll ein Teil der heimatkundlichen Sammlung des Geschichts- und Heimatvereins, die seit der Schließung des ehemaligen Heimatmuseums im Jahr 1996 nicht mehr zu besichtigen ist, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, erklärt Projektleiter Jochen Ringer das Konzept: „Damit werden nun auch solche Objekte ausgestellt, die von den Themen des Aischgründer Karpfenmuseums, des Markgrafenmuseums und der KinderSpielWelten bisher nicht erfasst wurden“. 

Dachstuhl nimmt Schätze auf

Das Schaudepot wird im Dachstuhl über dem Karpfenmuseum entstehen, der zuletzt noch als reguläres Depot genutzt wurde. Baulich muss der Dachstuhl zwar erst noch auf Vordermann gebracht werden, mittlerweile ist er aber schon komplett ausgeräumt. Die Objekte wurden sortiert, in Kartons gepackt und ins interne Lager gebracht. „Dabei wurde auch einiges aussortiert, was sich über die Jahre angesammelt hat, aber überhaupt nicht museal war“, so Ringer. Das seien etwa alte Regale und Einrichtung gewesen, die noch aus Zeiten des Heimatmuseums stammten. Leider habe es auch einige Museumsobjekte gegeben, die in desaströsem Zustand und nicht mehr zu retten gewesen seien. Anderes habe aber gerettet werden können, wozu Jochen Ringer unter anderem eine bei den Räumungsarbeiten entdeckte Landkarte des Fürstentums Ansbach aus dem Jahr 1719 zählt, die nun aufwendig restauriert werden soll.

Das Grobkonzept steht

Das Grobkonzept für das Schaudepot steht inzwischen. Geplant ist, anhand mehrerer Sammlungsgruppen verschiedene Themen aus der Stadt- und Heimatgeschichte im Schaudepot wiederzugeben. Ringer: „Das wird natürlich nicht wie in einer gewöhnlichen Ausstellung ablaufen – hier ein Exponat, da ein Exponat. Da das Schaudepot ja immer noch ein Depot ist, wird es eine wesentlich dichtere Präsentation der Objekte geben, als es sonst in einem Ausstellungsbereich üblich ist. Auch aufwendige Wandabwicklungen oder Inszenierungen einzelner Exponate wird es daher nicht geben“.

Eine Sammlungsgruppe, die im Schaudepot präsentiert werden soll, bilden die kirchengeschichtlichen Objekte. Diese umfassen im Wesentlichen religiösse Figuren, Taufgefäße, kirchliche Geräte, Totengedenktafeln und -kränze sowie weitere Gegenstände bis hin zum Wetterhahn des Schauerheimer Kirchturms. „Mit diesen Objekten kann die vielschichtige Kirchengeschichte Neustadts reflektiert werden. Im Lauf der Zeit gab es in der Stadt und ihrer nächsten Umgebung schließlich mehrere Kirchen, Klöster und auch eine Synagoge“, so der Projektleiter.

Bedeutung der Zünfte

Dann gibt es noch die Sammlung zu Handwerk und Zünften. Darin sind unter anderem die Berufsgruppen der Hafner, Metzger, Weber, Bäcker, Schuster, Färber, Schlosser, Schmiede, Schneider und Ziegler vertreten. Zu den Aufgaben der Zünfte zählten die Überwachung des Handwerks und die Einhaltung der Zunftregeln, die Wahrung ihrer Rechte nach außen, die Kontrolle – aber auch die Fürsorge – ihrer Mitglieder und die Ausbildung des Nachwuchses. Von besonderer Bedeutung sind die Zunfttruhen, die sich im Besitz des Geschichts- und Heimatvereins befinden. In ihnen wurden Zunftbücher, -ordnungen, -siegel, Ernennungen und andere Schriftstücke aufbewahrt. Die Truhen galten als Stolz einer jeden Zunft, dementsprechend werden sie auch im Schaudepot einen besonderen Platz bekommen.

Der Dachstuhl ist geräumt und wird für das Schaudepot hergerichtet. © Jochen Ringer


Die Museen verfügen außerdem über eine sehr umfangreiche Bildersammlung, zu der Ölgemälde, Aquarelle, Stiche und Zeichnungen zählen. Darunter befinden sich viele Darstellungen der Stadt Neustadt und seiner Umgebung, Portraits Neustädter Bürger und insbesondere die Werke wichtiger Neustädter Maler, wie Johann Leonhard Städtler (1758-1827), Hofmaler des Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, oder Georg Friedrich Ehrlicher (1824-1912). Auch diese sollen im Schaudepot gezeigt werden.

In dem wird sich ein weiterer Bereich der Militaria-Sammlung widmen. Der Großteil dieser Objekte stammt aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neustadt sei seit 1792 nämlich Garnisonsstandort gewesen, erst für Husaren, seit 1806 für französische Kürassiere und seit 1810 für die königlich bayerische Armee. Und auch Objekte der NS-Zeit seien in der Sammlung vorhanden. „Man kann sich also überlegen, mit dem Schaudepot auch die braune Vergangenheit Neustadts aufzuarbeiten, aufzuklären und damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung zu leisten“, argumentiert Ringer.

Inventarisierung der Bestände läuft

Momentan läuft die Inventarisierung der Bestände. „Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, erklärt der Projektleiter. „Erst muss alles genau erfasst werden, dann kann in einem Feinkonzept die konkrete Auswahl erfolgen, was schließlich gezeigt wird und was nicht.“ Was bereits feststeht: Das Schaudepot soll nicht nur über Heimatgeschichte, sondern auch über Museumsarbeit aufklären. „Hier können wir den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen und einer breiten Öffentlichkeit die Aufgaben und Arbeiten eines Museums aufzeigen und sie so für diese Themen sensibilisieren. Ein Depot eignet sich für diesen Zweck hervorragend.“

Da auch Museumsbesucher immer mehr freizeit- und erlebnisorientiert sind, soll ihnen auch im Schaudepot „eine Form von Erlebnis“ geboten werden. So sollen sie die Bestände nach eigenem Interesse durchstöbern und wie das Museumsteam bei seinen Arbeiten „verborgene Schätze“ bergen können. Jochen Ringer: „Die Besucher werden dadurch einerseits zur Interaktion motiviert, andererseits können sie sich so in die Rolle eines Sammlungskurators versetzen und die Arbeiten eines Museumsangehörigen am eigenen Leib nachvollziehen. Das Museum als Ort des Sammelns und Bewahrens wird mit diesem Ansatz nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar“.

Die Museen im Alten Schloss bieten ein breites Spektrum an kulturellen Einblicken. Gleich drei Museen sind in der ehemaligen Residenz der Markgrafen zu Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth untergebracht. Im einzigartigen „Aischgründer Karpfenmuseum“ erleben die Besucher 1250-jährige Geschichte der Karpfenzucht. Das „Markgrafenmuseum“ dokumentiert das Leben und Wirken der Markgrafen aus dem Hause Hohenzollern in der Region und bietet eine anschauliche Reise durch die Stadtgeschichte. Als regionale Besonderheit wartet die „Siebenerabteilung“ mit einer Ausstellung über eines der ältesten Ehrenämter auf und in den „KinderSpielWelten“ befindet sich eine Sammlung von Puppenhäusern, Puppenküchen und Kaufläden. „Ein Besuch im Museumscafé mit Blick auf den Apothekergarten im beschaulichen Schlosshof rundet den Besuch der Museen im Alten Schloss in Neustadt a.d. Aisch ab“, wird für diesen werbewirksam Interesse geweckt. 

nb

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