Freitag, 16.11.2018

|

Sehr gutes Jahr 2017 für die Neustädter Kliniken

Die Bauch- und Gefäßchirurgie boomt - 24.12.2017 14:18 Uhr

Klinikvorstand Stefan Schilling, Pflegedienstleiter Dieter Schütz und Chefarzt Dr. Matthias Bender (v. r.) waren nach einem erfolgreichen Jahr bei der „Weihnachtsvisite“ guter Dinge. © Harald Munzinger


"Wir werden das Wirtschaftsjahr 2017 mit einer Verbesserung zum Wirtschaftsplan von circa einer Million Euro abschließen", quittierte man im Kreistag seine Prognose mit großem Respekt vor einer „enormen Ergebnisverbesserung". Diese sei, so Schilling, "einer extremen Leistungssteigerung zu 2016" geschuldet, verbunden mit "enormem Engagement und Einsatz" der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen der Klinikvorstand denn auch nach einem "durchaus positiven Jahr" besonderen Dank abstattete.

Die Leistungssteigerung beziffert er mit einem Umsatz über drei Millionen Euro auf sieben Prozent. Gegenüber dem Ansatz eines Defizits von 3,56 Millionen Euro liegt die aktuelle Hochrechnung bei 2,62 Millionen Euro, in denen nach Auskunft von Stefan Schilling etwa 600.000 Euro Rückzahlungen an die Krankenkasse infolge der Leistungssteigerung stecken.

Nach den gesetzlichen Regelungen würden die mit den Kassen vereinbarten Mehrleistungen nicht zu 100 Prozent vergütet, sondern mit einem sogenannten "Fixkostendegressionsabschlag" belegt. Schilling beklagte ferner eine Finanzierungslücke von über einer Million Euro alleine durch die nicht finanzierten Personalkostensteigerungen in den letzten zwei Jahren. Die Tarifschere und unzureichende Budgetanpassung der letzten Jahre bezeichnete der Klinikvorstand als Hauptproblematik. Hinzu kämen überproproportionale Sachkostensteigerungen im Labor, bei Instandhaltungen sowie der Haftpflichtversicherung.

Rund 900 Prothesen implantiert

Derlei Problemen kann Schilling für 2017 eine Reihe von erfreulichen Nachrichten gegenüberstellen. So erfolgte die Höherstufung zum Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung und Zertifizierung der Kliniken nach DIN ISO 2015. Mit etwa 900 implantierten Prothesen unterstrich die Klinik Bad Windsheim ihre überregionale Bedeutung auf diesem Fachgebie. Dort erfuhr auch die Altersmedizin (Akutgeriatrie) einen starken Zuwachs.

Mit Millioneninvestitionen – wie hier in Neustadt mit einem Neubau unter anderem für die Notaufnahme und Intensivstation – sichert der Landkreis beide Klinikstandorte. © Harald Munzinger


Schilling berichtet ferner von einer höheren Auslastung der Intensiveinheit, 20 Prozent höheren Auslastung der OP-Säle sowie einer "extremen Fallzahl- und Umsatzsteigerung" der Viszeral (Bauch-) und Gefäßchirurgie, in der 2017 ein Führungswechsel erfolgt war. Die Einführung der "Manchester Trage" in der Notaufnahme Neustadt und dortige Umstellung auf digitale Patientenakten oder die Einführung eins Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Innere Medizin runden den umfangreichen Tätigkeitsbericht unter der Prämisse ab: "Der Patient seht im Mittelpunkt".

Millioneninvestitionen in beide Standorte

In ihm haben die laufenden und geplanten Baumaßnahmen einen besonderen Stellenwert, ist mit ihnen doch die klare Maßgabe verbunden, die beiden Klinikstandorte Neustadt/Aisch und Bad Windsheim zu erhalten und das Kommunalunternehmen in kommunaler Trägerschaft zu belassen. 21 Millionen Euro werden in Neustadt in den Neubau von Notaufnahme und erweiterter Intensiv- sowie "Intermedia-Care-Station" (IMC) und das Zentrallager, verbunden mit einer BRK-Wache und einer Kinder- sowie Jugendpsychiatrie des Bezirks Mittelfranken investiert. Mit noch höheren Kosten rechnet Landrat Helmut Weiß beim geplanten Neubau des OP-Traktes in Bad Windsheim, wo auch ein Ärztehaus entstehen soll. In Neustadt stehen zudem die Sanierung des Westflügels, in Bad Windsheim die Erweiterung der "Geriatrie-Reha" an.

Eine moderne Infrastruktur sei Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und das Wohlbefinden der Patienten, erklärte Vorstand Schilling zu den steten Investitionen. Ohne die kleinen Kliniken vor Ort wäre aus seiner Sicht „dauerhaft die Gesundheitsversorgung in ländlich strukturierten Gebieten stark gefährdet. Diese kleinen, regionalen Kliniken müssten deshalb der Bundespolitik deutlich machen, "wie wichtig wir für die flächendeckende wohnortnahe Gesundheitsversorgung sind". Dies bezog Stefan Schilling nicht nur auf den stationären, sondern zunehmend auch auf den ambulanten Bereich, sei es im Notarztwesen, bei der Beteiligung an der ambulanten Notfall- oder bei der Mithilfe zur Sicherstellung der fachärztlichen Versorgung.

Strukturgesetz mit Unsicherheitsfaktoren

Unsicherheitsfaktoren birgt für Schilling noch das Krankenhausstrukturgesetz unter der großen Überschrift "Qualität muss sich lohnen". Für mögliche Qualitätsindikatoren seien sehr viele Regelungen mit weitreichen Möglichkeiten vorgesehen, unter anderem Zu- und Abschläge sowie "auch krankenhausplanerische Maßnahmen bis hin zur Abteilungs- und Klinikschließung geplant". So werde man "mit weitreichenden Entscheidungen zu rechnen" haben. Vorstand Stefan Schilling erwartet insbesondere bei den "Mindestmengen einige Leistungsverschiebungen in der deutschen Kliniklandschaft".

Für die Kliniken im Landkreis hatte der Verwaltungsrat bei einer Klausur im Sommer unter anderem vorgegeben, dass "eine sozialverträgliche Personalpolitik Bestandteil der Unternehmensphilosophie bleibt", ebenso die "soziale schwarze Null". Fachkräfte- und Personalmangel gelten als "Herausforderungen der Zukunft" für das Kommunalunternehmen als "attraktiver Arbeitgeber".  

Harald J. Munzinger

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neustadt/Aisch