17°

Donnerstag, 19.10. - 18:35 Uhr

|

SPD on Tour: In Markt Erlbach auf sozialer Mission

Doris Rauscher und Harry Scheuenstuhl setzen sich für Pflegeberufe ein - 30.08.2017 18:56 Uhr

Die Leiterin des 2013 in Betrieb genommenen Sozialzentrums der Arbeiterwohlfahrt, Sally Hannappel, stellte die Einrichtung und ihre Philosophie vor, in der 56 unterschiedlich pflegebedürftige Menschen in vier Wohngruppen mit familienähnlicher Struktur und verschiedenen Beschäftigungsangeboten leben. Ferner gibt es vier Plätze für die Kurzzeitpflege. Während hier der Pflegenotstand kein Thema ist, man wohl aber frühzeitig für den Beruf werben müsse, wie es Hannappel betonte, berichtete Günter Scheller von einer prekären Personalsituation im AWO-Wohnheim Neustadt, die zu einer Einschränkung der Belegung führe. Das Thema hatte die Seniorenbeauftragte des Neustädter Stadtrates, Heike Gareis, aufgegriffen.

Sally Hannappel wies die Besuchergruppe auch aus dem Sozialbereich im Nachbarkreis Fürth auf einen "enormen Informationsbedarf der Angehörigen" hin, zumal eine mögliche Pflegebedürftigkeit vielfach erst sehr kurzfristig zum Thema in den Familien werde, wenn die Eltern gesundheitlich nicht mehr in der Lage seien, allein zurechtzukommen, oder aus der Klinik in ein Pflegeheim entlassen würden.

Mehr Pflegestützpunkte nötig

Die Familien- und Sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und stellvertretende Vorsitzende des Sozialausschusses, Rauscher, sieht hier "ganz großen Nachholbedarf in Bayern". Von den ursprünglich geplanten 60 Pflegestützpunkten seien bislang erst neun tatsächlich vorhanden. "Es gibt noch viele weiße Flecken, vor allem in eher ländlichen Regionen. Leider sind unsere entsprechenden Vorstöße im bayerischen Landtag bisher immer an der CSU gescheitert. Dabei brauchen die Familien so dringend Unterstützung, um sich durch die unübersichtlichen und für sie neuen Regelungen zu kämpfen."

Hannappel warb zudem mit Unterstützung ihrer Kolleginnen und aus dem Besucherkreis dafür, die Pflegeberufe gesellschaftlich aufzuwerten und sie "ins rechte Licht zu rücken". Das Pauschalbild vom Knochenjob mit schlechter Bezahlung stimme schlichtweg nicht. Der Tarifvertrag der AWO sei durchaus attraktiv. Und der Beruf biete gerade sozial engagierten Menschen viel Erfüllung. MdL Scheuenstuhl warb auch dafür, die Verweildauer im Beruf zu erhöhen. Derzeit arbeiteten die Mitarbeiter im Schnitt nur acht Jahre in der Pflege, was aus dem AWO-Bezirksverband nicht bestätigt und von Beschäftigungsverhältnissen über Jahrzehnte berichtet wurde.

Flexiblere Arbeitszeiten gewünscht

Als wichtig wurde allerdings der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten und Altersteilzeit mit einem guten Lohnausgleich an die politische Adresse gerichtet. Kritisch wurde die parallele Ausbildung von Altenhilfe- und Krankenpflege mit erst späterer Spezialisierung gesehen, die zu Lasten der Seniorenheime gehen könne. Die Durchlässigkeit sei nicht nachvollziehbar. Wie es die SPD in ihrem Wahlprogramm schaffen wolle, für ausreichend Pflegekräfte zu sorgen, blieb für Sally Hannappel offen. Um sich auf die eigentlichen Arbeiten mit den anvertrauten Menschen konzentrieren zu können, sei eine Entbürokratisierung und Entlastung von immer mehr zusätzlichen Aufgabe nötig, für die eigens Personal eingestellt werden solle, "Die soziale Arbeit ist schön, wenn man das machen kann, wozu man ausgebildet ist".

Praktische Inklusionsprojekte

Das brachte auch die pädagogische Leiterin des AWO-Wohnheimes "Frankenhöhe" für psychisch kranke Menschen, Andrea Uhlmann, zum Ausdruck, das bei der Vorstellung ebenso von der SPD-Politikergruppe bewundert wurde, wie die Sozialstation. Beide Einrichtungen verbindet eine gute Zusammenarbeit, wie etwa mit dem Inklusionsprojekt der Betreuung des Cafés oder im sehr gut angenommenen Laden.

Auf ihrer Sozialtour machte sich Doris Rauscher (Mitte) mit dem Landtagskollegen Harry Scheuenstuhl und MdB Carsten Träger (r.) ein Bild von der Pflegesituation in Markt Erlbacher AWO-Heimen. © Harald Munzinger


Im Wohnheim "Frankenhöhe" mit seiner zukunftsorientierten Ausrichtung gibt es nach Auskunft von Andrea Uhlmann 48 stationäre Plätze für Klienten mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen und befristeter Unterbringung als "Sprungbrett in die Selbständigkeit" oder lebenslangem Aufenthalt, ferner externe Wohngruppen. Zudem erfolgen ambulante Betreuungen über Markt Erlbach hinaus. Erstaunt nahm der Gästekreis zur Kenntnis, dass der Bezirk als Kostenträger zwei Stellen gestrichen hat, obwohl immer neue Aufgaben zu bewältigen sind, eigentlich dafür mehr Personal erforderlich wäre.

Arbeit macht trotz Belastungen Spaß

"Dass trotz aller Belastungen die Arbeit Spaß macht und erfolgreich ist", machte Uhlmann deutlich und von Erster Bürgermeisterin Dr. Birgit Kress nahmen Doris Rauscher, Carsten Träger sowie Harry Scheuenstuhl den positiven Eindruck eines intakten Zusammenlebens in Markt Erlbach mit: "Wir sind stolz, dass alles so gut klappt".

Im Rahmen ihrer Sozialtour hat Rauscher auch schon mehrere Einrichtungen und Organisationen in Schwaben und im Allgäu besucht. Der Zweck der Besuche und Gespräche ist überall der gleiche: Erfahrungen und Einschätzungen aus der Praxis einsammeln und in konkrete, lebensnahe Politik im Landtag umsetzen. Die führende SPD-Sozialpolitikerin Rauscher wird bei ihrer Tour stets von örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten begleitet. Die übrigen bayerischen Regionen sollen in den kommenden Monaten folgen. 

hjm/pm

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Markt Erlbach