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Treffen der ehrenamtlichen "Deutschlehrer" für Flüchtlinge

Viele folgten der Einladung des Netzwerkes "über Zaun und Grenze" - 21.11.2015 17:12 Uhr

Das Interesse am Austauschtreffen für die Strukturierung der Deutschsprachkurse für Flüchtlinge war so groß, dass es im Evangelischen Gemeindezentrum stattfinden musste. © Harald Munzinger


Diese hatte zur Folge, dass kurzfristig der Veranstaltungsort gewechselt werden musste, das Treffen statt im Caritashaus im Evangelischen Gemeindezentrum stattfand.

„Wir wollen Ehrenamtliche in den Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfen unseres Landkreises unterstützen und vernetzen. Aus den vielen Gesprächen der letzten Wochen wussten wir, dass der Bedarf eines Wissens- und Erfahrungsaustauschs bei den ehrenamtlichen Sprachhelfern hoch ist. Dass aber so viele unserer Einladung folgen, hat uns dann doch überrascht und sehr gefreut“, so Anja Haverkock, Organisatorin des Treffens und Prozessmanagerin des Netzwerks „über Zaun und Grenze“.

Doris Hühner, Leiterin des Freiwilligenzentrums „mach mit“ und Anja Haverkock stimmten in den Abend mit einem regen Informationsaustausch ein, zu dessen Beginn Christa Bacherle von der Flüchtlings- und Asylberatung der Caritas kurz die aktuelle Situation im Landkreis skizzierte. 944 Flüchtlinge seien in dezentralen Unterkünften untergebracht, 96 in der Uffenheimer sowie 175 in der Scheinfelder Notunterkunft. Dem Landkreis würden Woche für Woche 50 weitere Flüchtlinge zugewiesen - ohne Obergrenze, wie Bacherle auf Anfrage erklärte.

Basis-Kurse

250 Plätze habe der Landkreis noch angemietet, eine Kapazität, die bei gleichbleibenden Zuweisungen rasch erschöpft sein werde, so dass es nicht abzuschätzen sei, wie lange nach dem Wunsch und Willen des Landrates die Nutzung einer Turnhalle noch vermieden werden könne. Bacherle warb um die Mitwirkung an so genannten achtwöchigen Einsteigerkursen, die noch bis 31. Dezember gestartet werden können und die Grundzüge der deutschen Sprache vermitteln sollen. Diese Basis für Sprach- und Integrationskurse sei auf Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, dem Irak und Iran beschränkt. Hierfür würden noch ehrenamtliche „Deutschlehrer“ gesucht. Interessenten können sich bei der Caritas melden und dort auch weitere Informationen erhalten.

Professionell geleitete Integrationskurse mit 66 Stunden werden im Januar beginnen. Über zweieinhalb Stunden tauschten die Sprachhelfer sich über Inhalte sowie Vor- und Nachteile verschiedener Sprachkonzepte aus. Erfahrene Engagierte aus den Unterstützerkreisen Emskirchen, Markt Erlbach, Bad Windsheim und Uffenheim stellten „Alpha plus“, „Ach so!“ und das Thannhauser Modell sowie einen Alphabetisierungskurs vor. Außerdem teilten sie mit den Anwesenden individuell zusammengestellte Förderideen für Kinder ebenso wie Konzeptansätze für die besonderen Herausforderungen eines Deutschkurses für Menschen in den Notunterkünften Uffenheim und Scheinfeld.

Ein absolut schlüssiges Konzept hatte niemand ausgemacht - zumal noch viel in Bewegung sei - , so dass die vorgeschlagenen Lernkonzepte durch eigene Ideen ergänzt wurden. So sollten sich beispielsweise Kinderbilderbücher als wertvolle Hilfen erweisen, zumal einem Teil der Flüchtlinge die lateinische Sprache fremd ist, „Schriftbilder“ also erst vermittelt werden müssen. Tipps und Links zu nützlichen Arbeitsmaterialien reichten von den „Willkommen!“-Heften des Flüchtlingshilfe München e.V. über den Einsatz von „Sprechenden Stiften“ und Spielideen für das Arbeiten mit Kindern bis hin zur Universal Doctor Speaker App.

Wo fachlich-didaktische Grenzen aufgrund der persönlichen Sprachhelfer-Kompetenz oder aufgrund der Rahmenbedingungen im Alltagsbetrieb einer Notunterkunft erreicht sind, war man sich einig: „Die Vermittlung der deutschen Sprache ist wichtig! Noch wichtiger ist es, den Flüchtlingen zu zeigen, dass sie willkommen sind, dass wir uns Zeit nehmen und uns kümmern!“, resümierte Anja Haverkock.

„Die positive Resonanz auf unser Angebot für ehrenamtliche Sprachhelfer bestätigt und bestärkt uns noch in unseren Anstrengungen das Potential engagierter Bürger zu vernetzen“, sagte Dorothea Hübner, Leiterin des Freiwilligenzentrums "mach mit!".

Zu einem Austauschtreffen der Initiativen in der Nachbarschaftshilfe hat „über Zaun und Grenze“ gemeinsam mit dem Regionalmanagement des Landkreises bereits für den 8. Dezember von 16 - ca.18 Uhr ins Freiwilligenzentrum der Caritas Neustadt a. d. Aisch eingeladen.

"SprachpatInnen" eingesetzt

In Trägerschaft der Stadt Neustadt werden in den Schulen SprachpatInnen eingesetzt. Ideal ist die Zusammenarbeit in der Anwerbung mit dem Unterstützerkreis Asyl der Caritas Neustadt/Aisch, stellte die Initiatorin Monika Gaubitz fest. In der Unterrichtszeit können nicht-deutschsprachige Kinder und Jugendliche aus aller Welt individuell in einer kleinen Gruppe Deutsch lernen. Die Durchführung in Neustadt laufe zur Zeit sehr gut.

Die gegenwärtig 19 SprachpatInnen könnten sich das Zeitfenster von mindestens einer Schulstunde weitgehend selbst einteilen; in enger Absprache mit den Schulen. Durch die Planbarkeit werde die Belastung für die einzelne Ehrenamtliche nicht allzu groß und das auf Kontinuität angewiesene Projekt habe gute Chancen auf Dauer zu bestehen, so Gaubitz. Das benötigte Unterrichtsmaterial werde von der jeweiligen Schule gestellt. Monika Gaubitz: „Es werden in Zukunft weitere Ehrenamtliche gebraucht, die sich zutrauen sich einer solchen Aufgabe zu stellen“. Gerne informiert sie Interessierte darüber. 

hjm

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