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Uehlfelder Neujahrsempfang: Mut zum Nein gefordert

Verrohung der Gesellschaft: Besorgte Betrachtungen von Bürgermeister Stöcker - 27.01.2019 17:40 Uhr

Wie "in einer Zeit, in der es uns so gut geht wie noch nie, solche eine Gewaltbereitschaft, solch eine negative Entwicklung, solch eine Verrohung der Gesellschaft entsteht", fragte sich Bürgermeister Werner Stöcker beim Neujahrsempfang in Uehlfeld. © Harald Munzinger


Wie Landrat Helmut Weiß in einem Statement einen spürbaren Wertewandel festgestellt und im Zuge der Individualisierung den zunehmenden Verlust von Solidarität, Respekt, Toleranz und Kompromissbereitschaft beklagt hatte, sah dies Stöcker auch beim Widerstand gegen kommunale Planungen bestätigt. Seinen Appell zum mutigen Nein bei Unterschriftensammlungen bezog er unter anderem auf Initiativen gegen Sozialwohnungen in Dinkelsbühl, einen Hotelbau in Gallmersgarten, einen Supermarkt in Scheinfeld oder den Feuerwehrhausstandort in Neustadt.

Eigene Erfahrungen hat man in Uehlfeld mit der Gründung einer "Bürgerinitiative gegen mehrgeschossigen Wohnungsbau", sogenannte Punkthäuser als Alternative zum vielbeklagten Flächenfraß durch ausufernde Wohngebiete. Oder in einem Aischtalort, in dem Gemeinderäte nach einem Anliegergespräch mit dem Bestreben um einen Kompromiss als "Volksverräter" beschimpft wurden. Mit der Aussage des SPD Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann beim Besuch am Bad Windsheimer Georg–Wilhelm–Steller Gymnasium, wonach Populisten nach dem Sündenbock-Schema arbeiteten, stimmte Stöcker überein. Er könne bestätigen, "wie schnell es geht, Bürger durch Angstszenarien in eine gewisse Richtung zu lenken".

Ich-Gedanke verdrängt Miteinander

Doch auch über den "Kirchturm hinaus" zeigte sich Bürgermeister Werner Stöcker besorgt, da Europa immer mehr nach rechts abrutsche und Populisten an Zustimmung gewännen. Der "Ich"-Gedanke nehme zu, während das Miteinander verloren gehe. "Wo stehen wir denn gerade, was läuft denn da?", fragte Stöcker bei Behinderungen von Rettungseinsätzen oder gar Übergriffen auf Feuerwehren und Rettungsdienste. Oder wenn das Klinikum Nürnberg den Sicherheitsdienst aufstocken müsse, weil immer mehr Pfleger und Ärzte von Patienten attackiert würden.

Wie es schon Neustadts Bürgermeister Klaus Meier als schändliches Beispiel der Verrohrung angeprangert hatte, zeigte sich Stöcker fassungslos, wenn Menschen, die um ihr Leben kämpfen und sogar soeben "Verstorbene" fotografiert oder gefilmt würden, um dies in den "sozialen Netzwerken" wie Trophäen zu verbreiten. Dass diese teilweise Stimmungen und Meinungen vorgäben, Foren für Hass und Hetze seien, machte den Uehlfelder Bürgermeister ebenso betroffen, wie ein für seine politische Einstellung zusammengeschlagener Bundestagsabgeordneter und der auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung durch einen Messerangriff tödlich verletzte Danziger Bürgermeister.

"Was sind das für Menschen?"

Was das für Menschen seien, die gewählte Volksvertreter, Ärzte und Pfleger, sowie Ehrenamtliche von Feuerwehr und Rettungsdienst behinderten, beschimpften, verprügelten oder sogar umbringen würden und dies von der schweigenden Mehrheit hingenommen werde, fragte sich Stöcker mit sichtlicher Betroffenheit auch unter den Gästen. An diese schweigende Mehrheit war sein eindringlicher Appell gerichtet: "Wir brauchen die Zeit nicht mehr, wo man aus Bequemlichkeit lieber mal wegschaut, wo man aus Bequemlichkeit mitschwimmt, weil es unangenehm ist, oder sogar gefährlich werden kann, Nein zu sagen" Man sei im eigenen Land wie in Europa "an einen Punkt angekommen, da müssen wir uns eingestehen: Wenn wir uns jetzt nicht trauen Nein zu sagen, könnte die Geschichte wieder ihren Lauf nehmen". Man dürfe den Populisten und Extremisten nicht das Feld überlassen, schloss Stöcker unter Beifall. 

hjm

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