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Wo die Milch herkommt: Kindertag auf dem Bauernhof

Bayerischer Bauernverband fordert Lebensmittelkunde als Unterrichtsfach - 28.06.2017 18:37 Uhr

Mit Begeisterung waren die Kids dabei, die Milchkühe im offenen Stall am Ortsrand von Schnodsenbach zu füttern. © Harald Munzinger


Martina und Peter Hügelschäfer haben mit Sohn Florian nun fast täglich Besuch von Kids, die im offenen Stall der 101 Milchkühe nur zu gerne der Aufforderung folgen, diese mit dem bereitliegenden Heu zu füttern. Dabei erfahren sie, wie die Tiere ernährt und in dem großflächigen Stall gehalten werden. Mit der Aussicht auf eine sommerliche Landschaft "wie sie die Urlauber im Allgäu genießen", wie die Familie Hügelschäfer größten Wert auf das Tierwohl legt.

So wurde vor zwei Jahren auch beim kostspieligen Bau des Stalles mit Melkstand und Milchtank am Ortsrandes von Schnodsenbach in die Dachdämmung investiert, was sich an den letzten heißen Tagen bestens bewährte. Die Kinder erfuhren etwas über die verschiedenen Kuhrassen mit dem dominierenden Fleckvieh und einigen Gelbviehküchen sowie "Schwarzbunten", was für einen "bunten Stall sorgt".

Stellvertretende Kreisbäuerin Petra Hügelschäfer beobachtete mit Martina und Peter Hügelschäfer (v. r.) die Kinder an den Kälberboxen und würdigte die Bauerfamilien, die dieses besondere Erlebnis an den "Kindertagen" ermöglichen. © Harald Munzinger


Neugierig ließen sich die Mädchen und Jungs des Scheinfelder "Mutter Theresia-Kindergartens" erklären, wie die Melkanlage funktioniert und duften einen staunenden Blick in den 6000 Liter fassenden Tank mit der Vier-Grad-Kühlung werfen, der alle zwei Tage vom "Milchauto" geleert wird. Kälbchen zu tränken oder auf den großen Traktor zu steigen, wird ebenso lange nachwirken.

Kinder beraten beim Einkauf

Beim nächsten Einkauf können sie also der Mama erzählen, wie die Milch oder Käse, von dem sie ebenso naschen durften, wie ein leckeres Joghurt, in die Regale kommt, und dass man auf die regionale Herkunft achten sollte. Dies will der Kindertag bewusst machen, an dem sich im Landkreis acht Betriebe verschiedener Ausrichtung beteiligen. Jener von Martina und Peter Hügelschäfer liegt im Ortsteil Schnodsenbach für Kindergärten und Schulen aus dem nahen Scheinfeld ideal; "einmal überm Berg".

Sogar die Kinderpflege des bzs-Scheinfeld wird vorbeischauen, nachdem Lena Hügelschäfer schon so viel aus dem elterlichen Hof erzählte. Vater Peter Hügelschäfer würde gerne auch ältere Schülerinnen und Schüler aus den Mittel- und Realschulen sowie den Gymnasien auf dem von Ehefrau Martina und Sohn Florian bewirtschafteten Hof mit 106 Hektar Land informieren, wo ihr Mittagessen wächst, "denn das sind unsere nächsten Kunden". Stellvertretende Kreisbäuerin Petra Vicedom will dies denn auch in die Beratungen für den nächsten "Kindertag" einbringen. Die "Entdeckung der Landwirtschaft" ließe sich schließlich gut mit einem Wandertag verbinden.

Lebensmittelkunde als Unterrichtsfach

Der Kindertag stoße seit seinem Start 1998 auf großes Interesse, so dass es nach BBV-Auskunft mehr Anfragen zu Hofbesuchen gibt, als sie bewältigt werden können. Bayernweit werden heuer fast 33.000 Kinder auf rund 500 Betrieben zu Gast sein, ließ Petra Vicedom wissen. Sie würdigt das Engagement der Bauernfamilien im BBV-Kreisverband, die die Kinder auf ihre Betriebe einladen und ihnen ein spannendes Erlebnis bereiten, das sich mit einem realistischen Einblick in das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof sowie mit wichtigen Informationen zur gesunden Ernährung verbindet.

Dabei wird ihnen auch die Bedeutung vermittelt, die Natur zu schonen und zu erhalten. Viele der Kinder aus den Städten, aber durchaus auch aus dem ländlichen Raum bekämen mit dem Besuch auf dem Bauernhof erstmals Kontrakt zu den Tieren, weiß man beim BBV. Dessen Landfrauengruppe gerade im Landkreis fordert schon lange die Lebensmittelkunde als Unterrichtsfach. Bisher allerdings vergebens, auch wenn man viel Hoffnung in den "heimischen" Bundeslandwirtschaftsminister setzte. Dass die gleichgeschlechtliche Ehe mehr Bedeutung erfahre, als die gesunde Ernährung, reagiert die stellvertretende Kreisbäuerin Petra Videcom sichtlich enttäuscht auf die aktuelle politische Debatte. 

Harald J. Munzinger

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