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NSU: Grüne fordert Aufklärung zur Rolle von V-Mann Dalek

Landtag soll interne Dokumente offenlegen - Nur geschwärzte Akten erhalten - 23.05.2018 06:00 Uhr

Rund 2000 Neonazis nahmen 2003 an einem Gedenkmarsch zum Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in Wunsiedel teil. Solche Auftriebe soll V-Mann Dalek mitorganisiert haben. © Marcus Führer/dpa


Kai Dalek war in den 1990er Jahren einer der führenden Köpfe der Rechtsextremen in Franken. Er baute mit am Thule-Netz, dem Kommunikationssystem für Neonazis. Er stellte Kontakte zum militanten "Thüringer Heimatschutz" her, aus dem sich dann der selbsternannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) um Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe herausbildete. Und: Dalek stand in Diensten des Verfassungsschutzes. Was also wusste die Sicherheitsbehörde über rechtsradikale Umtriebe wirklich?

Akte nur geschwärzt erhalten

Denn nach Recherchen der Nürnberger Nachrichten und des Bayerischen Rundfunks könnte Dalek nicht nur Zuträger, sondern sogar Mitarbeiter des Verfassungsschutzes gewesen sein. Die SPD-Landtagsabgeordnete Helga Schmitt-Bussinger hatte sich als Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses mit der Causa Dalek befasst und geklagt, er habe offensichtlich "Narrenfreiheit" genossen und "maßgeblich dazu beigetragen", dass "gute Kontakte" zwischen den fränkischen und thüringischen Neonazis entstanden seien. Sie fragte nach, doch erhielt sie die "Akte Dalek" nur geschwärzt.

Jetzt fordert die Grünen-Politikerin Verena Osgyan von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), unter Verschluss gehaltene Dokumente freizugeben. Unter anderem will sie wissen, wie oft und weswegen in der Vergangenheit gegen Dalek ermittelt wurde: "Allein der Verdacht, dass da jemand als V-Mann eingesetzt worden wäre, gegen den gleichzeitig immer wieder ermittelt wurde, wirft kein gutes Licht auf das Arbeiten des Landesamtes für Verfassungsschutz, das spätestens da einen Cut hätte setzen müssen, aus unserer Sicht", sagte sie unserer Redaktion.

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Handynummer auf Kontaktliste von Mundlos

Dalek, der heute unter anderer Identität wieder in Nürnberg lebt, aber mit dem Recherche-Team von NN und BR nicht reden wollte, soll Ende der 1980er Jahre in Berlin in der linksextremen Szene gespitzelt haben. Osgyan will Näheres zu diesem ungewöhnlichen Vorgang wissen. Auch, dass Daleks Handynummer auf einer von Uwe Mundlos gefertigten Liste mit Kontakten von Unterstützern und Fluchthelfern auftauchte, hält sie für erklärungsbedürftig.

Denn Dalek bleibt bis heute bei seiner Aussage, er habe zum NSU-Kerntrio keinen Kontakt gehabt. Es sei deshalb notwendig, Unterlagen, die im NSU-Untersuchungsausschuss in München in nicht-öffentlichen Sitzungen behandelt worden waren, "erneut aufzuarbeiten", betont Verena Osgyan. Vier Wochen hat nun das Innenministerium Zeit, den Fragenkatalog zu beantworten. Innenminister Herrmann hatte gegenüber NN und BR geäußert, er selbst habe den Verfassungsschutz um eine Stellungnahme zur V-Mann-Rolle wie beim Fall Kai Dalek gebeten. Bis jetzt steht die Antwort noch aus.  

Elke Grasser-Reitzner, Sabine Stoll

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