25. März 1969: Ohne Max Merkel gegen Abstieg

25.3.2019, 07:00 Uhr
25. März 1969: Ohne Max Merkel gegen Abstieg

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Die offizielle Mitteilung der Vorstandschaft des Vereins hat folgenden Wortlaut: „Herr Max Merkel hat aus gesundheitlichen Gründen den Vorstand des 1. FC Nürnberg gebeten, aus dem Vertrag vom 1. 12. 1967 entlassen zu werden. Der Vorstand hat diesem Wunsch entsprochen. Der Vertrag wird in gegenseitigem Einvernehmen zum 30. Juni 1969 gelöst. Das Training der 1. Lizenzspielermannschaft übernimmt bis zur Berufung eines neuen Fußballlehrers Herr Robert Körner.

Die Vorstandschaft dankt Herrn Merkel für seine erfolgreiche Tätigkeit beim 1. FCN recht herzlich. Sie wünscht ihm für die Zukunft alles Gute und baldige Genesung. Der 1. FCN bleibt in Freundschaft mit Herrn Merkel verbunden.“ Vorbesprechungen zu dieser Entscheidung haben schon seit einigen Tagen in Nürnberg stattgefunden. In München unterrichtete Vorsitzender Walter Luther die Mannschaft von der Entwicklung. Auch Schatzmeister Adam Winkler und der 3. Vorsitzende Dr. Braun waren extra mit nach München gefahren.

Nach dem Vorsitzenden dankten für die Mannschaft Heinz Strehl und Ludwig Müller dem Trainer für seine Mühe, die er sich mit ihnen gegeben habe. Sie wünschten ihm im Namen der Spieler für die Zukunft alles Gute.

Merkel dankte der Vorstandschaft und der Mannschaft für die „gute Zusammenarbeit“ und wünschte der Meisterelf Glück für die Zukunft und den Erhalt der obersten Spielklasse.

Über seine Zukunftspläne hat sich Merkel noch nicht geäußert. Er will zunächst sein Gallenleiden auskurieren und sich von der nervlichen Belastung erholen, die der Sturz von der Meisterschaft auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga mit sich gebracht hat.

Die Verpflichtung eines neuen „Fußball-Lehrers“ soll schon in den nächsten Tagen erfolgen. Ein Name wurde jedoch noch nicht genannt. Es soll auch noch nicht feststehen, ob der neue Mann nur bis Saisonende oder darüber hinaus die Aufgaben seines Vorgängers übernehmen wird. Robert Körner verläßt – wie mehrfach berichtet – bei Saisonschluß ebenfalls den Club – so lagen die Dinge jedenfalls noch gestern abend.

Damals wie jetzt – fünf Minuten vor zwölf

Die „gesundheitlichen Gründe“, die für Merkels Vertagsauflösung angegeben werden, dürften die meisten Fußballfreunde dem Nürnberger Trainer nicht abnehmen. Der Mann auf den Stehplätzen sieht so klar wie Eingeweihte: die Mißerfolge, die demoralisierenden Auswirkungen des miserablen Tabellenstandes, und alle damit aufgetretenen Begleiterscheinungen zusammen haben wohl zu der Einsicht geführt, daß Merkel dem 1. FCN nicht mehr nützen kann.

Daß andererseits die letzten Wochen und Monate an Merkels Nerven gezerrt haben, wird ihm jeder gerne glauben. Altinternationaler Max Morlock, den wir gestern nacht noch sprechen konnten, meinte nicht ganz zu Unrecht: „Das mit den gesundheitlichen Gründen ist gar nicht so sehr von der Hand zu weisen. Max Merkel wirkte zwar äußerlich wie ein Bär, aber innerlich war er doch sensibel. Daß er sich nicht mehr einer besonderen Konstitution erfreute, geht ja auch aus früheren Klagen über eine angegriffene Galle hervor.“ Und uns persönlich sagte der Trainer vor gar noch nicht so langer Zeit, daß er selbstverständlich seinen Vertrag beim Club nach Rücksprache mit der Vorstandschaft auch erfüllen würde, wenn der 1. FCN eventuell absteigen sollte. Aber er bemerkte einschränkend, daß er natürlich sich das alles überlegen müßte, wenn seine Gesundheit leiden sollte. „Auf dem Fußballfeld von einem Herzinfarkt ereilt werden möchte ich natürlich nicht“, meinte er damals wörtlich. Mit dieser Vertragslösung ist eingetreten, was sich in den letzten Monaten schon abgezeichnet hatte, so überraschend der jähe Entschluß gekommen ist. Der Niedergang der Clubelf ist von vielen Seiten der Arbeit des Trainers zugeschoben worden, und der gleiche Mann, der innerhalb eines Jahres den Club vom Abstiegskandidaten zum Deutschen Meister geführt hatte, wußte in den letzten Monaten kein Mittel und keinen Weg mehr, das Abgleiten der Clubelf in der Tabelle zu verhindern, geschweige, ihr Impulse zu vermitteln, die für einen Weg nach oben gesorgt hätten.

Robert Körner findet ein schweres Stück Arbeit vor. Es ist zu hoffen, daß der rasche Abgang Max Merkels keine neue Unruhe in die Clubspieler trägt, damit die Elf sich nun in den noch ausstehenden Kämpfen voll auf ihre Aufgabe konzentrieren kann, vielleicht doch noch das rettende Ufer zu erreichen.

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