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29.000 Euro Beute: Einbrecher-Quartett vor Gericht

Der "Rädelsführer" gab sich als Reinigungskraft aus - 12.09.2018 18:15 Uhr

Er trägt den grün-blauen Häftlings-Drillich, 47 Jahre wird er in diesem Monat, bis Dezember 2017 verdiente er sein Geld als Reinigungskraft, seit 17. Dezember ist der Mann in U-Haft, nun muss er sich als Rädelsführer einer Diebesbande vor der 13. Strafkammer verantworten. Wenn es stimmt, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, ging der Mann nur putzen, um die Fassade zu wahren – und organisierte eine Art Einbruchsunternehmen. Gezielt soll er Landsleute aus Osteuropa angeworben haben, damit sie hier in fremde Wohnungen einsteigen.

Angeblich spionierte er Tatorte aus, verschaffte den Dieben Quartiere und kutschierte sie zu den Tatorten – nach getaner "Arbeit" verhökerte er die Beute. Seine Ehefrau (42), sie ist auf freiem Fuß und gibt zu Protokoll, als Putzfrau zu arbeiten, soll mit von der Partie gewesen sein – etwa als Beifahrerin, um den Fahrten zu den Wohnungseinbrüchen den Anschein von Normalität zu verleihen. In wechselnder Tatbeteiligung sollen zwei weitere Männer (22 und 36 Jahre) zu der Bande gehört haben, nach weiteren Mitgliedern wird noch gefahndet.

Wechselnde Tatbeteiligung

Die Diebe sollen in wechselnder Tatbeteiligung agiert haben. Sie stiegen am 23. Februar in ein Wohnhaus in Herzogenaurach ein und trugen Schmuck und Laptops im Wert von 5275 Euro davon, durch das Aufhebeln einer Terrassentüre entstand 1500 Euro Schaden. Am 2. November erbeuteten sie in einer Nürnberger Doppelhaushälfte Schmuck und Bargeld im Wert von fast 22.000 Euro.

Am 3. November versuchten die Einbrecher vergebens in Herzogenaurach eine Balkontür aufzubrechen, am 5. Dezember wurden sie bei einem Einbruchversuch in Uttenreuth gestört und flüchteten. Am 9. Dezember folgte ein weiterer Einbruch in Nürnberg mit einem hinterlassenen Sachschaden von 6536,25 Euro und Diebesgut im Wert von 2025 Euro, am 11. Dezember wurden die Einbrecher an einem Nürnberger Anwesen erneut von Zeugen gestört und flüchteten – kurz darauf gerieten sie ins Visier der Polizei.

Im Baumarkt aufgefallen

Die Gruppe war einem Detektiv in einem Baumarkt aufgefallen – die Männer hatten Brecheisen und Handschuhe gekauft. Der Detektiv folgte den Kunden auf den Parkplatz, gab das Kfz-Kennzeichen an die Polizei weiter, die Ermittler schlugen zu. Vielleicht hilft ja dieser Dilettantismus den Geschädigten, die Einbrüche zu verarbeiten. Kaum ein Delikt beeinträchtigt das Sicherheitsempfinden der Bürger so massiv – und es geht nicht nur um den finanziellen Schaden.

Der Gedanke, dass jemand in den Schränken herumgewühlt hat, Schubladen ausgekippt und Erinnerungsstücke mitgenommen hat, lässt sich nicht so einfach vergessen. Häufig schildern Einbruchopfer vor Gericht, dass sie verstärkt Schwachstellen ihrer Wohnung sichern – denn gut abgesperrte Fenster und Türen aufzuhebeln, kostet Tätern Zeit. Die Polizei berät hierzu übrigens kostenlos. Der Prozess geht weiter. 

Ulrike Löw

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