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29. September 1967: Üble Scherze mit der Feuerwehr

Böswillige Alarme häufen sich: die Löschzüge müssen oft vergebens ausrücken - 29.09.2017 07:00 Uhr

Alarm in der Hauptwache: die Feuerwehrmänner lassen in den Werkstätten und Unterkünften alles liegen und stehen, um zu den Löschwagen zu laufen. Bis sie einsatzbereit auf ihren Fahrzeugen sitzen und ausrücken können, vergehen nur 30 bis 45 Sekunden. © Kammler


Die Männer in den schwarzen Helmen können jedoch nicht ahnen, daß sich ein anonymer Anrufer wieder einmal einen dummen Scherz erlaubt und sie mit einem böswilligen Alarm auf Trab gebracht hat.

„Das wird immer schlimmer“, klagt Oberbrandinspektor Hans Wittmann. Bei fünf Einsätzen wird seinen Leuten mindestens ein „Kuckucksei ins Nest gelegt“. Wer findet Gefallen daran, die Feuerwehr zu narren? Nur in den seltensten Fällen werden die Übeltäter erwischt und mit einer saftigen Rechnung überrascht. Neben einer Anzeige wegen groben Unfugs erwartet sie eine Rechnung über 300 Mark. Diesen Betrag verlangt die Feuerwehr, wenn sie vergebens ausrücken muß. „Bei Löscharbeiten werden wir immer kostenlos tätig“, bemerkt der stellvertretende Leiter der Hauptwache, „aber bei böswilligen Alarmen lassen wir uns den Aufwand schon bezahlen“.

Jeder macht diese Handgriffe wie im Schlaf: Die Feuerwehrmänner springen in ihre Uniformen. © Kammler


Hans Wittmann kennt den Personenkreis, der seine Leute im vergangenen Jahr 126mal ins Bockshorn gejagt hat. „Es sind manchmal Kinder“, erzählt er, „meistens aber vermutlich Betrunkene und mitunter auch älterer Leute, die sich einen Spaß daraus machen, uns losbrausen zu lassen. Hinter einem Vorhang oder als ahnungslose Passanten getarnt , genießen diese „Scherzbolde“ ihre zweifelhafte Freude.

„Ein solches Verhalten ist kriminell“, ärgert sich der Brandoberinspektor. Wenn bei der Hauptwache in der Reutersbrunnenstraße ein Alarm über den Notruf (112) oder über einen der 415 Feuermelder eingeht, muß ein Löschzug ausrücken. Er besteht aus vier Fahrzeugen mit 21 Mann. Grundsätzlich werden gleichzeitig auch die Sanitäter und die Polizei von dem „Brand“ informiert. „Wir wissen ja nicht, daß es vielleicht eine Spazierfahrt wird“, sagt Hans Wittmann. „Ein Zögern darf es bei uns nicht geben. Sollte es tatsächlich brennen und wir bleiben zu Hause, möchte ich die Folgen nicht erleben!“

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Aber auch bei einem Fehlalarm gibt es große Auswirkungen. Die Feuerwehr rast mit ihren Wagen so schnell durch die Stadt, wie es der Verkehr gerade zuläßt. Am schlimmsten wiegt freilich, daß die Wehrleute gerade in dem Augenblick an einer andern Stelle notwendig gebraucht werden könnten, aber sinnlos unterwegs sind. Hier ein mahnendes Beispiel: „Zwei Alarme gingen kürzlich fast zur gleichen Zeit ein“, erinnert sich Brandinspektor Armin Schneider; am Max-Scherer-Haus sowie beim Parkhaus am Sterntor waren die Feuermelder eingeschlagen worden. Die Hauptwache rückte mit drei Zügen aus – zurück blieb nur eine bescheidene „Stallwache“.

In den ersten Minuten können die Verantwortlichen kaum unterscheiden, ob es ein echter oder böswilliger Alarm war. Wird irgendwo im Stadtgebiet ein Feuermelder eingeschlagen, ist das sowieso unmöglich, weil der Unbekannte keine Sprechmöglichkeit hat. Die Feuermelde-Empfangsanlage druckt lediglich in einen Lochstreifen die Nummer des Melders und den Zeitpunkt des Alarms aus. Greift ein Scherzbold zum Telephon, nennt er meistens einen falschen Namen und die Straße, in der er einen Brand beobachtet haben will, danach legt er den Telephonhörer wieder auf.

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„Man kann nicht einen Anruf ignorieren“, meint Hans Wittmann, „das ist nicht zu verantworten“. Im vergangenen Jahr mußten die Feuerwehrleute 126mal vergebens ausrücken. In 636 Fällen brannte es tatsächlich . Außerdem leistete die Feuerwehr bei 740 weiteren Einsätzen andere Hilfe: sie pumpte beispielsweise überschwemmte Keller aus oder schaffte ausgerissene Bäume nach Stürmen beiseite.

Im Gegensatz zur Feuerwehr sind böswillige Alarme bei der Polizei äußerst selten. Offenbar haben die anonymen Zeitgenossen Angst, von den Beamten schneller gefaßt zu werden. 

F. H.

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