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5. Januar 1966: Sicher auf gesalzenen Straßen

Nach dem ersten Flockenwirbel rollten gestern die Streufahrzeuge im Großeinsatz - 05.01.2016 07:00 Uhr

Der Schneefall alarmiert das Reinigungs- und Fuhramt der Stadt. 650 kg faßt die Schaufel des Frontladers, der das im offenen Holzschuppen gelagerte Salz auf die ankommenden Streufahrzeuge lädt. Das Gerät braucht nur zweimal zuzupacken, dann ist ein Auto neu aufgefüllt.

Der Schneefall alarmiert das Reinigungs- und Fuhramt der Stadt. 650 kg faßt die Schaufel des Frontladers, der das im offenen Holzschuppen gelagerte Salz auf die ankommenden Streufahrzeuge lädt. Das Gerät braucht nur zweimal zuzupacken, dann ist ein Auto neu aufgefüllt. © NN


Im Stadtreinigungs- und Fuhramt an der Großreuther Straße stehen seitdem die Arbeiter „Schaufel bei Fuß“. Denn obgleich auf den sehr stark benutzten Hauptstraßen der Schnee rasch in schmutzige Brühe verwandelt worden war, waren am Nachmittag noch immer acht Streufahrzeuge auf den Nebenstraßen eingesetzt.

Während der weiße Segen von oben den Autofahrern Unannehmlichkeiten bereitete, wurde er von der Jugend freudig begrüßt. Noch in den Weihnachtsferien kamen plötzlich Schlitten und Skier zu Ehren. Selbst auf den kleinsten Hügeln herrscht Wintersportbetrieb.

Die Jugend freut sich dagegen über das Geschenk von Frau Holle. Wie hier im Norden der Stadt waren gestern alle Hügel von den rodelnden und skifahrenden Kindern bevölkert.

Die Jugend freut sich dagegen über das Geschenk von Frau Holle. Wie hier im Norden der Stadt waren gestern alle Hügel von den rodelnden und skifahrenden Kindern bevölkert. © NN


Am Vormittag hatte sich der Himmel plötzlich verfinstert. Frau Holle schüttelte ihre Betten so kräftig aus, daß die Sicht nur noch wenige hundert Meter betrug. Kraftfahrer schalteten im fahlen Zwielicht die Beleuchtung ein und gingen vorsichtig mit Bremse und Gaspedal um, weil aus den Fahrbahnen Rutschbahnen geworden waren. Kaum zwei Stunden dauerte der Spuk. Dann schien wieder die Sonne. Den ganzen Tag über hielt das Wechselspiel an.

Schneedecke bald verschwunden

Allerdings war auf den Hauptstraßen die festgefahrene Schneedecke bald wieder verschwunden. Der Einsatz der städtischen Streufahrzeuge konzentrierte sich deshalb auf die Nebenstraßen. Dort hatte sich der unerwünschte Belag – insbesondere auf den Nordseiten – gehalten. Gegen 15 Uhr fuhren noch immer acht der insgesamt zehn an der Großreuther Straße stationierten Lastwagen.

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Als am Abend Glatteis auftrat, rollten wieder alle Achsen. „Bei uns herrscht erhöhte Alarmbreitschaft“, versicherte Heinrich Dorn, der als Chef des Reinigungs- und Fuhramtes für Sauberkeit und Sicherheit auf den Straßen im Stadtgebiet verantwortlich zeichnet. Mit der Rechten weist er auf die Salzberge, die sich in einem offenen Holzschuppen häufen. 280 Tonnen Vorrat aus der Saline von Bad Friedrichshall am Neckar liegen dort bereit. Das reicht für zwei bis drei Tage, weil bei normalem Schneefall täglich 70 bis 100 Tonnen verstreut werden müssen.

Bis 50 Gramm pro Quadratmeter

Gestern grub der Frontlader zum ersten Male größere Löcher in die grauweißen Hügel aus Salz, das je nach Stärke des Schnee- und Eisbelages auf der Straße verteilt wird: 20 bis 50 Gramm für jeden Quadratmeter sind die richtige Portion. Weil aber die Salzwirkung erst nach 10 bis 30 Minuten einsetzt, verwendet das Reinigungs- und Fuhramt für die bergigen Straßen – vor allem in der Innenstadt – eine sofort wirksame Mischung aus sechs Teilen Sand und einem Teil Salz.

Diese Streuthematik kümmert allerdings die Jungen und Mädchen wenig, die den Schneefall als willkommene Abwechslung in den Weihnachtsferien betrachteten, Schlitten und Skier hervorholten und – teils allein, teils behütet von den Eltern – die Hügel bevölkerten. Sie interessiert vermutlich mehr, was die Meteorologen über das Wetter in den nächsten Tagen zu sagen wissen. Das Barometer steigt kräftig. Darum erwarten sie ideales Winterwetter mit Temperaturen zwischen minus fünf und acht Grad. Für den Leiter des Reinigungs- und Fuhramtes bedeutet das allerdings, daß vermutlich auch die Streukolonnen wieder auf die Straße müssen. 

K. E.

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