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6. Dezember 1967: Bewaffneter Streifzug

Treibjagd auf Hasen und Fasanen in Buch - Langohren waren auch Schlitzohren - 06.12.2017 07:30 Uhr

Jäger und Treiber streifen über die Felder. Im hohen Spargelkraut klopfen sie auf den Busch. © NN


Mit Hörnerklang ziehen die Jäger ins Revier (ganz links Pächter Alfred Fellner) und stellen dem Wild nach. Den Hasen auf dem Bild hat kein Grünrock, sondern unser Fotograf geschossen. © NN


Sieben Stunden lang streiften die Grünröcke über Felder und Wiesen und pirschten auf Hasen und Fasanen. Wer bei dem bewaffneten Gang durch die 650 Hektar große Gemarkung dabei war, der sah schon auf den ersten Blick, im Knoblauchsland gibt es noch Wild. Als in aller Frühe die Jagdhörner zum Auftakt bliesen, hatten Schützen und Treiber einen ständigen Begleiter. Unentwegt peitschte ihnen ein heftiger Südwestwind ins Gesicht, und die Minuten waren zu zählen, in denen es nicht Bindfäden regnete. Kein Wunder, daß schon bald das Gebrüll der Treiber nachließ und schließlich gänzlich verstummte. Trotz der mißlichen Umstände lief alles wie am Schnürchen.

Dafür sorgte Jagdpächter Alfred Fellner, der ein strenges Regiment führte. Der stimmgewaltige Bucher Zahnarzt ließ keine Zweifel daran, daß bei ihm Disziplin herrschen muß, was bei anderen Treibjagden manchmal in Vergessenheit zu geraten scheint: wer mit seiner Flinte durch die Schützenkette zog, der konnte sofort seinen Rucksack einpacken und nach Hause gehen. Auch dem Wild wurde eine Überlebenschance gegeben: Jäger und Treiber marschierten nicht in Bataillonsstärke über die Fluren. Die Langohren waren Schlitzohr genug und standen meist erst gar nicht auf.

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Niemand bedauerte das, denn jedem kam genug vor die Flinte. Geschossen wurde oft – und gut. Allen voran Polizeidirektor Helmut Weniger ("Ich habe mir extra Urlaub geben lassen"), der allein ein Dutzend Hasen erlegte. Der Chef der Schutzpolizei wunderte sich lautstark, als ein Fasan an ihm vorbeirauschte. "Mensch, hat der aber ein Zahn druff", meinte er und ging in Anschlag. Trotzdem traf er auch hier mehrmals ins Schwarze. Weniger Glück hatte Oberbaudirektor Heinrich Laumer. Nicht weil er die Hasen mit "lieben Schrotschüssen" fortschickte, sondern weil ihm nur wenig Wild über den Weg lief.

Das konnte ihm aber die Freude nicht vergällen. Schließlich gab es nach einer aufwärmenden Erbsensuppe in der Mittagsstunde noch ein Treiben, wo die Chancen gleich verteilt waren: bei dem anschließenden Schüsseltreiben in der Gastwirtschaft.

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F.H.

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