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Jedenfalls erreiche ich zu zeitig die Tiefgarage des Frankfurter Stadions, Freitagsspiel der Bundesliga, die Eintracht gegen Fürth. Trockenen Fußes erreicht man von hier den Medienbereich. Angeblich. Denn die Beschilderung führt in die Irre — jedenfalls sitzt keiner der Kollegen in dem rostigen Käfig mit Reinigungsutensilien.
Ich nehm’ die erstbeste Treppe nach oben. Es sind viele Stufen. Sehr viele. Ein Ordner kontrolliert meine Karte, nickt. Etliche Stufen später erreiche ich die Ebene null. Der Stadionausgang. Kalter Wind bläst ins Treppenhaus, es regnet in Strömen. Ich schlage den Kragen hoch und widme mich den Stufen, die noch weiter nach oben führen. Wieder ein Ordner, wieder ein Nicken. Noch ein Ordner, noch ein Nicken. Irgendwann eine Glastür. Ein junger Mann im Anzug öffnet. „Pressebereich?“, frage ich und fummle nach meiner Karte. Er schiebt mich einfach hinein in die Menge, die nach Opernvolk aussieht. Mit Rucksack drücke ich mich an abendkleidtragenden Damen vorbei, schlängle mich um Männer in Anzug und Krawatte. Am Pissoir steht ein Mittsechziger mit wirr gekämmten, schlohweißen Haaren neben mir und pfeift Verdi.
Wo auch immer ich gelandet bin, ich entscheide mich dazu, eine sehr attraktive Blonde zu fragen, wo der Pressebereich ist. Sie zückt ein Funkgerät, quasselt irgendwas osteuropäisches hinein — sie will mir nicht helfen.
Ein paar Schritte weiter ein junger Mann mit Kochschürze: „Ich hab’ heute meinen ersten Tag hier und keine Ahnung.“ Er zeigt auf eine ältere, sehr mürrisch blickende Frau. Ich schlucke, sage nur „Verzeihung“ und zeige auf meine Karte. „Block 5H? Das hier sind die Logen. Wie sind Sie hier reingekommen?“ Die Herren der Security zeigen mir leider nur den Weg zurück vor die Glastür.
Hier steht ein sehr aufgebrachter Mann, der — Achtung! — den Medienbereich sucht. Das ist meine Chance, ich hänge mich an ihn dran. Er zückt ein Mobiltelefon: „Die Redaktion“, flüstert er mir zu. Nach kurzem Gespräch mit seinen Kollegen in Mönchengladbach ist klar: Wir müssen wieder runter, in den Keller.
Hier finden wir die Mixed-Zone, den Raum für die Pressekonferenz, Getränke, etwas zu essen. Ich lerne, dass sich Block H unter dem Tribünendach befindet, direkt über den Logen. „Es sind hunnertsechsunddreisisch Stufe... zähle Se mit, dann könnsch es net verfehle“, sagt der Ordner. Nach „hunnertzweiunddreisisch Stufe“ steh’ ich wieder vor der Glastür. Links daneben führen vier unscheinbare Stufen zu einer dunklen Feuerschutztür. Ich vermute dahinter den Starkstrom-Elektrokasten fürs Flutlicht, rechne beim Griff an die Klinke mit einem furchtbaren Schlag, der mein Herz stehen bleiben lässt. Ich ziehe mutig die Tür ruckartig auf, sehe das Spielfeld, Betonstufen, Sitzschalen.
Ich bin so glücklich, dass ich sogar die nächtliche Heimfahrt verschmerzen kann: Brückenarbeiten am Offenbacher Kreuz, mit ausgeschaltetem Motor warte ich im Stau gut eineinhalb Stunden. Auf der Stoßstange des Lkw vor mir steht: „Bohr’ nicht in der Nase, Ich kann dich im Spiegel sehen.“
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