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AfD-Party in der Lederer Kulturbrauerei: Betreiber im Shitstorm

Wirt und die Brauerei Tucher wehren sich: "Wir sind politisch neutral" - 14.03.2016 20:22 Uhr

Innerhalb weniger Minuten verschlechterten sich die Bewertungen auf der Facebook-Seite der Kulturbrauerei dramatisch.

Innerhalb weniger Minuten verschlechterten sich die Bewertungen auf der Facebook-Seite der Kulturbrauerei dramatisch. © Screenshot: Facebook/nb


Kommentare wie diese finden sich Dutzende auf der Facebook-Seite.

Kommentare wie diese finden sich Dutzende auf der Facebook-Seite. © Screenshot: Facebook


Die Allianz gegen Rechtsextremismus hatte die Wirtsleute von der Lederer Kulturbrauerei schon im Februar aufgefordert, der AfD keine Bühne für die "Verbreitung von menschenverachtenden Inhalten" zu geben.

Das AfD-Treffen in der Kulturbrauerei hat auf der Facebook-Seite der Gaststätte einen Shitstorm ausgelöst. "Eine Kneipe, die die AfD bewirtet, ist es nicht wert, besucht zu werden", lautet ein Kommentar. Ein anderer: "Solange Sie Faschisten, Menschenfeinde und Rassisten u.a. der AfD in Ihren Räumlichkeiten wissentlich beherbergen, ist Ihre Gaststätte für kulinarische Besuche indiskustabel." Daniela Müller von den Grünen in Gostenhof postet auf ihrer Facebook-Seite: "Wer die AfD in Gostenhof feiern lässt, bekommt von mir keinen Cent.“ Es gibt aber auch Gegenstimmen. Ob es einem Rechtsstaat angemessen sei, einer politischen Partei abzusprechen, sich in einem Gasthaus zu treffen, fragt eine Leserin der Nürnberger Nachrichten.

Zwei Übergriffe bei Kundgebung

Die Allianz gegen Rechtsextremismus, der 140 Kommunen und Landkreise sowie 148 Organisationen aus der Metropolregion angehören, hat laut ihrem Vorsitzenden Stephan Doll auf ihren Brief an Krestel keine Antwort bekommen. Bereits 2012 startete die Allianz mit dem Nürnberger Integrationsrat die Aktion "Kein Platz für Rassismus". Das Ziel: Gasthäuser vermieten ihre Räume nicht an rechte Gruppen. Mit einem Aufkleber zeigen sie das gleich an der Eingangstür. "In der Breite der Gaststätten ist die Initiative aber nie angenommen worden", bedauert Doll. Nach der Wahlparty der AfD in der Kulturbrauerei in Gostenhof könnte sich das ändern, hofft er.

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Am Sonntagnachmittag demonstrierte die Alternative für Deutschland in der Fürther Straße in Nürnberg vor dem Justizpalast und gegen die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel. Den AfD-Anhängern stellten sich rund 500 Gegendemonstranten entgegen, die für Frieden und Toleranz warben. Die Stimmung war angespannt, ein Fotograf des Bayerischen Rundfunks wurde aus Reihen der AfD angegriffen. Mehrere Menschen wurden fest genommen.


Bevor sich die AfD am Sonntagabend in der Siederei der Kulturbrauerei traf, hatte es bei der Kundgebung der Rechtspopulisten und den Gegendemonstrationen der Linken und der Allianz gegen Rechtsextremismus zwei Übergriffe gegeben: Ein Journalist war aus den Reihen der AfD-Demonstranten angegriffen worden. Außerdem stürmte eine 40-köpfige Gruppe von Demonstranten ein Sperrgitter, zu denen die Polizei keine näheren Angaben machen kann.

Tucher-Sprecher: "Wir sind politisch neutral"

Karl Krestel hatte auf Nachfrage der Lokalredaktion der Nürnberger Nachrichten erklärt, dass er alle Parteien reinlasse. Die AfD vertrete nicht seine Meinung, er sei aber auch "nicht politisch einseitig". Laut Tucher-Sprecher Kai Eschenbacher vertritt die Brauerei, die die Kulturbrauerei verpachtet, dieselbe Position. "Wir sind politisch neutral", sagt Eschenbacher.

Die Allianz sieht das anders. Doll schrieb im Februar nicht nur an Krestel, sondern auch an Tucher-Chef Fred Höfler. Er bat ihn darum, sich dafür einzusetzen, dass die AfD "in der Kulturbrauerei keinen Platz für Diskriminierung und Rassismus findet“. Laut Doll habe ihm Höfler zugesichert, dass Tucher fortan seinen Pächtern empfiehlt, keine Rechten reinzulassen. Mit einem solchen Rundbrief von Tucher könnte die Initiative "Kein Platz für Rassismus" endlich Breitenwirkung entfalten, hofft Doll.

Höfler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ob er seine Zusage an Doll einhält oder ob das Bekenntnis zur politischen Neutralität schwerer wiegt, bleibt abzuwarten. 

Ute Möller

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