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Alphabetisierungskongress findet in Nürnberg statt

Millionen Analphabeten können ihren Alltag nicht bewältigen - 27.10.2013 10:30 Uhr

Vom 28. bis 30. Oktober 2013 findet die Fachtagung des Bundesverbands für Alphabetisierung und Grundbildung e. V. erstmals in Nürnberg statt. Es werden rund 250 Experten erwartet, um gemeinsam neue Konzepte zu diskutieren.

Vom 28. bis 30. Oktober 2013 findet die Fachtagung des Bundesverbands für Alphabetisierung und Grundbildung e. V. erstmals in Nürnberg statt. Es werden rund 250 Experten erwartet, um gemeinsam neue Konzepte zu diskutieren. © Stefanie Paul (dpa)


Jeder siebte Erwachsene in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben. Viele Betroffene ziehen sich deshalb aus dem Alltagsleben zurück. „Neueste Studien haben gezeigt, dass es in Deutschland circa 7,5 Millionen Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren gibt, die so rudimentäre Lese- und Schreibkenntnisse haben, dass sie ihr Leben nicht eigenverantwortlich gestalten können“, erklärt Ralf Häder vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.

Von diesem Montag an richtet der Verband in Nürnberg einen Fachkongress zum Thema aus. „Die Betroffenen stoßen ständig an Grenzen: Bei jedem Einkauf, bei jedem Weg von A nach B. Diese Grenzen führen dazu, dass sie sich oft komplett zurückziehen“, sagte Häder der Nachrichtenagentur dpa. Um den Alltag zu meistern, bauten sich viele ein regelrechtes „Schutzsystem“ auf oder setzten auf die Hilfe ihrer Partner und Familien. „Sie brauchen immer eine andere Person, um den täglichen Einkauf zu schaffen, es am Arbeitsplatz hinzubekommen oder um am Fahrkartenautomaten Fahrkarten zu kaufen.“

Häder ergänzte: „Es leben auch nicht alle schlecht damit, viele haben einen Job und eine Familie. Aber es gibt mindestens genau so viele, die darunter leiden und selbst den Ausweg nicht finden.“ Betroffene gebe es in allen Altersgruppen, unter Männern und Frauen ebenso wie unter Einwanderern und Deutschen. Hilfsangebote werden unter der kostenlosen, anonymen Hotline 0800 53334455 vermittelt. In spezialisierten Kursen können auch Ältere noch lesen und schreiben lernen. „Schon nach kurzer Zeit hat man andere Menschen vor sich, die wieder aufrecht gehen und an Selbstbewusstsein gewinnen“, schilderte Häder seine Erfahrungen.

Ein großes Problem bestehe jedoch darin, dass Analphabetismus erst langsam aus der Tabu-Ecke herauskomme. Betroffene ernteten häufig Unverständnis und bekämen die Schuld für ihr Unvermögen zugeschoben, berichtete Häder. Er würde deshalb nie pauschal allen Betroffenen raten, ihr Umfeld einzuweihen. Umgekehrt empfiehlt Häder, Betroffene bei einem entsprechenden Verdacht anzusprechen und Hilfe anzubieten - etwa wenn der Kollege immer gerade dann keine Brille zur Hand hat oder dringend weg muss, wenn es ein Formular auszufüllen gilt.

In Nürnberg werden die Angebote für Menschen mit Lese- und Schreibschwäche erhöht, auch um dieses Thema aus der Tabu-Ecke zu holen und durch einen offenen Umgang den Betroffenen zu helfen. Das Bildungszentrum (BZ) bietet im Bildungscampus Nürnberg Alphabetisierungskurse an. Das BZ hat das Bildungsangebot  weiter ausgebaut: Seit diesem Herbst werden Kurse mit doppelt so vielen Unterrichtseinheiten angeboten.

Im Alpha-Zentrum lernen pro Jahr etwa 800 erwachsene Nürnberger lesen, schreiben und rechnen. In den so genannten Alpha-Werkstätten, die derzeit mit 56 Kursen laufen, werden bis zu maximal zwölf erwachsene Analphabeten von einem Kursleiter und einem Lerncoach unterstützt. Die Alpha-Werkstätten dauern jeweils zehn Wochen bei bis zu acht (bisher vier) Unterrichtseinheiten in der Woche und finden ganzjährig statt. Ab diesem Herbst werden zusätzliche Kurse für bis zu 60 neue Teilnehmer eingerichtet. Die Teilnahmegebühr beträgt 80 Euro. Inhaber des Nürnberg Passes zahlen die Hälfte.

Für die nächste Staffel ab 3. Dezember 2013 können sich Interessierte am Info-Punkt im Südpunkt, Pillenreuther Straße 147, Telefon 2 31-1 43 00 anmelden. Wer einen NürnbergPass besitzt, kann sich beim Amt für Existenzsicherung und soziale Integration (Sozialamt Nürnberg, Frauentorgraben 17, Erdgeschoss, Zimmer 001, Telefon 2 31-25 43, Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr) in den Kurs eintragen lassen. Alle Informationen sind auch online zu finden. 

dpa/am

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