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Donnerstag, 21.02.2019

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Ansturm auf Nürnbergs Ansprechpartner für Männer

"Ich bin schwanger!": Matthias Becker bekommt Anrufe aus ganz Deutschland - 19.11.2016 06:00 Uhr

Bekommt Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet: Nürnbergs Ansprechpartner für Männer Matthias Becker. © Foto: dpa


Herr Becker, Ihnen scheint ein Ruf wie Donnerhall vorauszueilen.

Matthias Becker:(lacht) Dass es Wirbel geben würde, war mir klar. Aber dass ein solcher Hype losbrechen würde und Ratsuchende von Essen bis Berlin bei mir anrufen würden, hat mich doch überrascht.

Sind Sie denn für Männer aus Essen und Berlin überhaupt zuständig?

Becker: Bin ich nicht. Ich bin für alle Nürnberger und die Beschäftigten der Stadtverwaltung da. Aber nach 25 Jahren in diesem Bereich bin ich gut vernetzt und kann Fragesteller weiterleiten. Im Sommer kam die Hälfte aller Anfragen von auswärts, inzwischen hat sich das bei einmal die Woche eingependelt.

Was ist das Top-Thema für Männer?

Becker: Alles rund um Familie und Vatersein. Mancher ruft an und sagt: "Ich bin schwanger." Das ist schön, denn es spricht für eine hohe Identifikation mit der Elternschaft. Oft geht es dann darum, wie man dem Arbeitgeber eine Elternzeit schmackhaft machen kann, wie man das als Familie organisiert und wie das finanziell laufen kann.

Männer wollen also mehr, als nur abends Vater sein?

Becker: Sie wollen sich zunehmend einbringen, aber manche wissen gar nicht, dass man die Elternzeit über drei Jahre verteilen kann und dass Männer nicht nur zwei Monate haben.

Aber die Zahlen sprechen doch genau dafür.

Becker: Die meisten Väter, in Bayern 37 Prozent, nehmen zwei Monate Elternzeit. 2015 waren bei der Stadtverwaltung 54 Männer einen Monat lang, 57 zwei Monate und 13 Väter länger zuhause.

Die Kommune würde doch keinem Vater Steine in den Weg legen?

Becker: Sie begrüßt und fördert Elternzeit von Vätern, aber es gibt immer noch Abteilungen, die zu 100 Prozent männlich sind. Ein Chef fragte mal, ob der Mitarbeiter wirklich "Freizeitbelange" vor Berufliches stellen wolle. Familie als "Freizeitbelang"? Das ist hart. Und Kollegen sagen schon mal: "Willst du dir das echt antun?" Ganz so einfach ist es also nicht.

Welche Themen treiben Männer denn noch um?

Becker: Trennung und Scheidung. Das sind Krisen heftigster Art, hier gibt es viel Elend. Wenn mit Männern über die Kinder Krieg geführt wird, wenn es ums Sorgerecht geht oder die Mutter mit dem Nachwuchs einfach weit wegzieht, leiden Männer unglaublich. Ich kenne einen, der hat in ein paar Monaten 40 Kilo abgenommen. Auch Gewalt ist oft ein Thema.

Inwiefern?

Becker: Männer sind Täter und Opfer, auch Frauen schlagen zu, greifen zu sexueller Gewalt oder setzen den Partner vor die Türe. Da lächeln viele drüber, aber es ist so.

Sind Sie ein Männerrechtler?

Becker: Nein, da stört mich der Unterton, der suggeriert, es werde gegen die Frauen gekämpft. Aber ich benenne Diskriminierungen schon sehr deutlich, auch Dienststellenleitern gegenüber — und das wird nur bedingt gerne gesehen.

Könnte eine Frau Ihren Job machen?

Becker: Männer wollen mit einem Mann reden. Manche legen sogar auf, wenn zuerst die Kollegin im Büro drangeht. 

Interview: CLAUDINE STAUBER

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