Montag, 17.12.2018

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Antalyas neue Straßenbahn rollt durch die Stadt

109 Millionen Euro für die Entzerrung des Stadtverkehrs - 19.12.2008

Nach nur eineinhalb Jahren war der erste Streckenabschnitt der neuen Straßenbahnlinie in Antalya fertiggestellt, künftig sollen viele weitere Linien gebaut werden. © Barth


Nahverkehr hieß in Antalya bisher eigentlich immer Autoverkehr. Es gibt zwar auch einige Motorräder, doch die meisten Menschen dort sind auf vier Rädern unterwegs. Entweder mit dem eigenen Auto oder einem Taxi. Natürlich gibt es auch staatliche Linienbusse und private Kleinbusse, die um Fahrgäste buhlen. Üblicherweise halten sie nie an der gleichen Stelle und fahren auch nicht pünktlich zu festgelegten Zeiten ab. Kein Wunder also, dass der Autoverkehr dominiert.

Täglich mehr Fahrgäste geplant als in Nürnberg

Die einzige Straßenbahn der Stadt, die aus Nürnberg stammt, fährt nur eine kurze Strecke um den alten Stadtkern. Das hat sich im Dezember geändert. Die elf Kilometer lange neue Trasse beginnt in den Wohnvierteln im Norden bei Kebez Patik und führt direkt ins Zentrum nach Meynan. Zu Stoßzeiten können die Fahrgäste im viereinhalb Minuten Takt in die Stadt pendeln, bis 2020 soll die Bahn im zweieinhalb Minuten Takt verkehren.

Die Planer rechnen bis 2010 mit 7500 Fahrgästen in Spitzenzeiten und einem Fahrgastaufkommen von insgesamt 150 000 pro Tag. Damit hätte Antalya täglich mehr Fahrgäste zu bewegen als die Nürnberger Straßenbahnen, die im Durchschnitt 120 000 Passagiere befördern. In nur zehn Jahren sollen sich die Fahrgastzahlen in Antalya nahezu verdoppeln. Diese Einschätzungen beruhen auf Bevölkerungswachstum und steigendem Tourismus. Alleine in diesem Jahr kamen 8,4 Millionen Besucher, 2009 sollen es schon zehn Millionen werden.

Eine einfache Fahrt mit der neuen Straßenbahn kostet 1,75 türkische Lire, etwa 85 Cent. Um den Transit von Bus zu Straßenbahn zu erleichtern, gibt es eine unterirdische Haltestelle am Busbahnhof. Fahrgäste können so bequem per Förderband wie in Flughäfen von der Straßenbahn zum Bus umsteigen.

Das Baukonsortium aus einer türkischen Firma und einem spanischen Verkehrsspezialisten ist stolz, dass der erste Streckenabschnitt mit sechzehn Haltestellen und zwei unterirdischen Tunneln früher fertig wurde. Mindestens zwei Jahre waren für den Bau der ersten Linie geplant, doch schon nach eineinhalbjähriger Bauzeit nahm die Straßenbahn ihren Betrieb auf. Die Kosten klingen rekordverdächtig. Mit nur 109 Millionen Euro wurde der Neubau realisiert, inklusive der vierzehn Zugmaschinen und Wagons. Davon übernimmt ein Viertel die Stadt, der Rest der Investitionssumme ist über Langzeitkredite gedeckt. Über mögliche Verluste bei Betrieb und Unterhaltung der Straßenbahn denkt Hülya Atalay, die Projektmanagerin, nicht nach.

Die Stadt hatte sich von Anfang an gegen den Bau einer U-Bahn ausgesprochen. In Antalyas Grund und Boden liegen Gas- und Wasserleitungen kreuz und quer durcheinander, die Pläne dazu sind nicht auffindbar. Auch das schwierige Unterfangen viele Stadthäuser zu untertunneln, deren Baussubstanz nicht sehr stabil ist, sprach gegen eine U-Bahn. An zwei Teilstrecken musste aber auch die neue Straßenbahnstrecke unterirdisch geführt werden.

Mit der Fertigstellung der ersten Trasse startet Antalya ein sehr ehrgeiziges Straßenbahnnetz. Bald soll es weitere Verbindungen zur Linie eins geben. Eine Querverbindung, die das Universitätsviertel und das Fußballstadion mit der Innenstadt verbinden soll, ist bereits in der Projektphase und wartet auf die Zustimmung aus Ankara. Sobald diese erfolgt ist, kann mit der Ausschreibung und der Kreditvergabe der zweiten, insgesamt sechsundzwanzig Kilometer langen Strecke begonnen werden.

Vielleicht ist diese Strecke schon in zwei Jahren fertig, viele weitere Linien sind vorgesehen. Bis jetzt gibt es aber nur Ideen ohne jede konkrete Ausarbeitung, wo diese verlaufen könnten. Fest steht, dass die neue Straßenbahnlinie mit vierzehn Straßenbahnzügen ihren Betrieb im Dezember aufgenommen hat und die Strecke mit der alten Straßenbahn aus Nürnberg auf jeden Fall erhalten bleibt. 

Annette Bögelein

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