Sonntag, 18.11.2018

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Ärger auf der Weide: Wenn Lämmer zu Freiwild werden

Schäferin Heidi Stafflinger berichtet von Vorfällen zwischen Hund und Schaf - 15.06.2018 05:54 Uhr

Schäferin Heidi Stafflinger ist mit ihrer Herde täglich auf der Weide. © Günter Distler


Seit 2010 betreibt Heidi Stafflinger eine Schafzucht in Gebersdorf, gleich neben dem markanten Kraftwerk Franken 1, im Grünen. Unterstützt wird die 56-Jährige dabei vom Umweltreferat der Stadt. Doch reibungslos funktioniert die Haltung der seltenen Rotkopfschafe nicht.

Sechs Hektar Fläche des Landschaftsschutzgebietes in diesem Stadtteil beweidet die als Hundetrainerin hauptberuflich tätige Schäferin in der Nähe ihres Stalls. Nicht zu verwechseln mit dem dahinter angrenzenden Naturschutzgebiet, dessen größter Teil im Landkreis Fürth liegt. Täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags macht sie sich auf den Weg, umringt von 23 Schafen und 17 Lämmern. "Ich wohne zwar in Nürnberg-Langwasser, aber ich bin — gerade, wenn die Mutterschafe Lämmer zur Welt bringen — von früh bis abends hier", sagt sie.

"Der macht nichts!"

Der Großteil der Hundehalter, denen sie begegnet, reagiert verständnisvoll auf ihre Arbeit, nimmt Rücksicht auf ihre Herde und den Hütehund "Betty". Doch wie fast überall, gibt es auch hier eine Gruppe Hundehalter, mit denen Stafflinger regelmäßig aneinandergerät. Warum? Weil sie ihre Hunde frei laufen lassen, obwohl sie in der Zeit der Beweidung (10 bis 12 Uhr) an der Leine laufen sollten. "Ich bitte regelmäßig, den Hund an die Leine zu nehmen und mit ihm nicht durch die Herde zu gehen." Entsprechende Hinweisschilder ließ die Stadt auch aufstellen.

Hütehund "Betty".


Dieses Gebot hat zwei wesentliche Gründe. Zum einen werden die Schafe bei fremden Hunden nervös und können panisch reagieren. "Da hilft es nichts, wenn ein Hundehalter ruft: ,Der macht nichts!‘" Dass das nicht immer so ist, hat Stafflinger auch schon erleben müssen, als freilaufende Vierbeiner eines ihrer Lämmer in den Tod trieben. "Auch für Mutterschafe ist so eine Begegnung Stress. Nach so einer Situation bringen sie ihre Jungtiere oft tot auf die Welt."

Zum anderen ist da ihr Altdeutscher Hütehund, ein sogenannter Mitteldeutscher Fuchs. "Betty" hat schon einige Angriffe auf die Herde verhindert. "Wenn sich ein Artgenosse den Schafen nähert, bellt sie und gibt das Signal: ,Bis hierhin und nicht weiter.‘ Hält sich der andere nicht daran, beißt mein Hund. Er wartet nicht, bis der andere in der Herde ist." Läuft der andere an der Leine, beiße er nicht.

Uneinsichtig und teils bedrohlich verhalten sich manche Hundehalter. "Vier Leute haben sich mir einmal mit ihren Hunden in den Weg gestellt. Als ich rief, doch bitte Platz zu machen, reagierten sie nicht. Einer hatte einen Stock dabei, ich war alleine."

Stadt unterstützt Schäferin

Ein Mann hat einen Ball in die Richtung meiner Herde geworfen und mit dem Fuß seinem Hund noch nachgeholfen, dass der sich auf den Weg mache. Passiert ist glücklicherweise nichts, Stafflinger konnte vorbeigehen. Sie rief allerdings die Polizei.

Zum Schutz der Schäferin und um die Menschen über ihre Arbeit aufzuklären, hat ihr die Stadt einen Naturschutzwächter an die Seite gestellt. Der kommt zweimal pro Woche, geht mit auf die Weide und erklärt, wie man sich der Herde gegenüber am besten verhalten soll. "Wir setzen auf Dialog und Verständnis. Die meisten Bürger sind ja begeistert von dieser Tradition, die es in ihrem Stadtteil gibt", sagt Gisa Treiber vom städtischen Umweltamt. "Aber bei einzelnen Leuten ist es schwierig, sie dafür zu gewinnen."

Eine Leinenpflicht bestehe im Landschaftsschutzgebiet, in dem die Herde sich täglich aufhält, zwar nicht. "Allerdings müssen die Tiere während der Zeit des Aufwuchses von März bis Oktober auf den Wegen bleiben." Im benachbarten Naturschutzgebiet ist jahraus, jahrein Leinenpflicht. 

Alexander Brock

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