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Wer sich in den Neunzigern als Jugendlicher für Basketball begeisterte, der bewunderte neben NBA-Stars wie Michael Jordan sehr wahrscheinlich auch einen deutschen Spieler: Henning Harnisch. Mit schulterlangen Haaren und Kopftuch gewann „Hanging Henning“ mit Bayer Leverkusen und Alba Berlin neunmal in Folge die Meisterschaft, wurde zweimal zum Spieler des Jahres gewählt und war 1993 maßgeblich am überraschenden Europameisterschaftssieg der Nationalmannschaft beteiligt.
Im Rahmenprogramm des BBL-All-Star-Spiels in Nürnberg stellte Harnisch als Botschafter der „Kinder Sport Basketball Academy“ ein neues Förderkonzept vor. Im letzten Jahr in Berlin begonnen, wurde das nun auf die Bundesligisten aus Bamberg, München und Oldenburg ausgeweitet. Damit sollen mehr Kinder zum Basketballspielen motiviert werden. Harnisch selbst bezeichnet es als „strukturprägend“. Überhaupt ist Struktur neben Schule und Verein einer seiner meistgewählten Begriffe, wenn der 2,02-Meter-Mann über die Nachwuchsarbeit im Basketball spricht.
Henning Harnisch war als Fünftklässler über die Schule zum Basketball gekommen. An seinem Gymnasium in Marburg unterrichtete ein Lehrer, der Arbeitsgruppen anbot und dazu mit dem ortsansässigen Verein in direkter Verbindung stand. „Ich rufe jetzt meine Erfahrungen von früher ab“, erzählt er. Was ihn damals noch durch Zufall weiterbrachte, daraus will Harnisch nun ein System machen. Dabei bricht er immer wieder eine Lanze für die Pädagogen: „Wir kritisieren immer nur an der Schule herum, dabei beginnt gute Nachwuchsarbeit doch mit dem Respekt für Sportlehrer, die sich engagieren.“ Aus diesem Grund sieht er auch den Ganztagsunterricht nicht als Problem für die Kinder, sondern als Chance für den Sport.
Seine beiden Töchter profitieren bereits von den in Berlin geschaffenen Strukturen, die der Alba-Vize in Kooperation mit der BBL versucht, immer weiter auszuweiten. Sie reichen von einer Grundschulliga mit derzeit 90 Schulen über einen Förderkreis für Schulbasketball bis hin zur Anerkennung für engagierte Lehrer.
Belohnung spielt auch beim vorgestellten neuen Jugendprogramm eine Rolle. Ähnlich wie die Schwimmabzeichen oder die Karategürtel erhalten die Kinder für ihre bestandenen Basketball-Academy-Prüfungen unterschiedliche Trikots. Darüber hinaus sollen die beteiligten Bundesligisten regional vertiefend tätig werden und mit Partnervereinen, Schulen und Lehrern eine Basis schaffen.
Fruchtbaren Boden für einen Erfolg dieser Initiative sieht Harnisch in den derzeitigen Begleitumständen. „Endlich ist nach vielen Jahren mit Jungs wie Schaffartzik, Benzing oder Pleiß erneut die Grundlage geschaffen, dass Kinder auch wieder deutsche Spielernamen kennen“, sagt er. Zusammen mit der „6+6-Regel“, die eine Mindestanzahl an deutschen Spielern in einem Team vorschreibt, und der Nachwuchs- und Jugendbundesliga sieht der 44-Jährige den deutschen Basketball in den nächsten fünf Jahren „vor einem großen Sprung“.
„Ein EM-Sieg wie unserer damals hilft zwar, ist aber keine Grundlage für einen Boom“, so Harnisch. Viel wichtiger sind die Strukturen und die sind derzeit gut wie nie. „Heutzutage können BBL-Teams ihre Spieler selbst ausbilden, das gab es vor zehn Jahren nicht.“ Eine entscheidende Rolle misst er dabei dem Unterbau, also dem Bereich zwischen Jugend und Bundesliga bei. „In den neunziger Jahren war das Streetball, nun gilt es Vergleichbares zu schaffen“, sagt Harnisch. Er sieht hier vor allem die ProB genannte 3. Liga als geeigneten Ort, wo die zweiten Mannschaften der Bundesligisten hingehören.
Allen Teilnehmern des Nachwuchs-Allstar-Spiels sprach Henning Harnisch das Potenzial zukünftiger Nationalspieler zu. „Sie wachsen zum richtigen Zeitpunkt auf.“ Es dürfe nur nicht die 6+6-Regel wieder verloren gehen, so dass „der einzige Deutsche im Bus dann wieder der Fahrer ist“.
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