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Baudenkmal verliert sein Gesicht

Ein historisches Bauernhaus von 1803 wurde mit dicken Styroporplatten gedämmt - 04.03.2014

Vorher, nachher: Die schönen Sandsteinschnecken, das Erdgeschoss und der Giebel des Bauernhauses sind eingepackt worden. © baukunst-nuernberg.de, Edgar Pfrogner


Dicke, grau-schwarze Styroporplatten kleben auf dem niedrigen Bauernhaus aus dem Jahr 1803. Von den Giebelschnecken an beiden Seiten des tiefgezogenen Satteldachs ist nichts mehr zu sehen.

Nur noch ein paar merkwürdig geformte Kunststoff-Zacken lassen erahnen, dass die für die Bauzeit so typischen Verzierungen aus Sandstein genau hier saßen. Ein Arbeiter füllte gestern noch die Fugen der Dämmschicht mit Mörtelmasse — dabei hat die Bauordnungsbehörde der Hausbesitzerin längst untersagt, das Zerstörungswerk fortzusetzen.

„Ein besonders trauriger Fall“, sagt Behördenchef Daniel Ulrich, der ab Mai Baureferent der Stadt sein wird. Nur alle paar Jahre werde dermaßen eklatant gegen den Denkmalschutz verstoßen.


Auch ein unkundiger Laie hätte bei dem Bauernhaus in der Schnepfenreuther Hauptstraße erkennen müssen, dass es sich hier um ein Baudenkmal handelt, so Ulrich. In dem eingeschossigen Bau lagen einst Wohn- und Schlafstube der Bauern, die Küche und die Ställe  unter einem Dach.

Rückbau gefordert

Die städtischen Denkmalschützer fordern jetzt, dass die scheußliche Dämmschicht auf dem alten Sandstein wieder entfernt wird. Auch die neuen metallenen Fensterbleche müssen verschwinden und vor allem die Sandsteinornamente restauriert werden. Bußgelder zwischen 5000 und 50000 Euro kann die Behörde in solchen Fällen zusätzlich verhängen. Die Höhe hängt auch von den finanziellen Verhältnissen der Hausbesitzer ab.

Daniel Ulrich: „Das hilft dann freilich keinem mehr.“ Wären die Schnepfenreuther Hausbesitzer behutsam vorgegangen und hätten sich vor der Sanierung mit den Denkmalschützern kurzgeschlossen, hätten sie ihre Investitionen in das Baudenkmal spürbar steuerlich absetzen können — oder vielleicht sogar Zuschüsse bekommen.

Dämmen von innen

Diese Chance sei nun vertan. Keine 20 solcher Fälle im Jahr zählt die Bauordnungsbehörde. Zurzeit, so heißt es, herrsche eine äußerst denkmalfreundliche Stimmung. Es werde enorm viel gekauft und gebaut, aber Investoren begriffen immer mehr, dass sich ein wertvolles Gebäude auch hervorragend von innen dämmen lässt.

Ein solches Beispiel in der Adamstraße hat vor einiger Zeit die Stadtbild-Initiative Nürnberg auf den Plan gerufen, die heftig kritisierte, dass dort ein Bauträger eine alte Sandsteinfassade unter Dämmplatten völlig verschwinden lassen wollte.

„Wir sind schockiert“

Gemeinsam mit der Stadt konnte das damals verhindert werden (wir berichteten). Elmar Hönnekopp von der Initiative hat auch den aktuellen Fall im Knoblauchsland entdeckt. Zitat: „Das ist so was von brutal. Wir sind absolut schockiert.“ Seiner Ansicht nach sollten mit der Zerstörung des Volutengiebels und dem Styropor-Verhau Fakten geschaffen werden. Hönnekopp: „Diese Leute kalkulieren doch ein Bußgeld mit ein.“

Sie habe nicht gewusst, dass das sogenannte Wohnstallhaus auf der bayerischen Denkmalschutzliste stehe, teilte dagegen die Tochter der Hausbesitzerin gestern auf Anfrage vor Ort mit. Nach der Erfahrung von Gerhard Steinmann aus der Bauordnungsbehörde ist das allerdings ein häufig vorgebrachtes Argument.
Solche Schwarzbauten könne man leider nicht verhindern, sagt Stadtheimatpflegerin Claudia Maué und spricht ebenfalls von einem „besonders krassen Fall“, in dem ein Einzeldenkmal beschädigt worden sei.
  

VON CLAUDINE STAUBER

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