Samstag, 16.02.2019

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Bildungs-Kapitän geht auf große Fahrt

Aufbruch in den (Un-)Ruhestand: Wolfgang Eckart startet zu einer langen Weltreise - 19.02.2016 19:47 Uhr

Reist immer schon gern und viel — auch auf weniger ausgetretenen Pfaden: Der scheidende Leiter des Bildungscampus, Wolfgang Eckart, hier vor knapp zwei Jahren bei einer Rast in der Sahara. © Foto: privat


Auf gepackten Koffern sitzt das Paar noch nicht. Aber Einkaufstouren verkneifen sich Elke Zapf und Wolfgang Eckart schon seit längerer Zeit. „Wir müssen ja unser Haus ausräumen und alle Habe einlagern“, erläutert der scheidende BZ-Chef. Allein die private Bibliothek des Pädagogen (einstige Studienfächer nach einer kaufmännischen Lehre: Germanistik, Geschichte, Sozialwissenschaften) füllt elend viele Kartons. „Und mitnehmen können wir gerade mal 20 Kilogramm.“

So hat der Abschied auf Zeit schon begonnen. Im Kopf sowieso: Bücher, die mit Reisen und fremden Welten zu tun haben, wie Ilja Trojanows „Der entfesselte Globus“ oder Christoph Ransmayrs „Atlas eines ängstlichen Mannes“ stapeln sich auf Couchtisch und Nachtkästchen. Dazu eine Biografie von Nelson Mandela. Denn zum Auftakt geht’s ins südliche Afrika, erst noch halb touristisch nach Namibia, dann nach Kapstadt. „Ich bin schon sehr gespannt auf das Land, 25 Jahre nach der Apartheid. Und darauf, was wir mitbekommen und wie viel Einblick möglich ist.“

Verzicht auf Abenteurertum

Abenteurertum, sei’s als einsamer Segler oder beim Ausdauertrekking durch Dschungel und Wüsten, liegt Eckart fern, erst recht das herkömmliche „Abhaken“ von Sehenswürdigkeiten. Vielmehr hat sich das Paar vorgenommen, an verschiedenen Orten jeweils einige Wochen und Monate lang eine Wohnung zu mieten, auch ohne viel Komfort, um möglichst viel vom Alltag mitzuerleben und Land und Menschen auf den Puls zu fühlen. Auch kleinere Freiwilligeneinsätze kann Eckart sich vorstellen. Angelegt ist alles – da bleibt Eckart sich treu – als Schule des unbefangenen Sehens und der Er-Fahrung. Aber weder Orte noch Zeiten sind durchgeplant, alles bestenfalls „auf Sicht“ angelegt. Um Kriegsregionen macht das Paar ebenso einen Bogen wie um Länder, die sich auf eigene Faust kaum sinnvoll bereisen lassen.

Apropos Sprache: Vor den Streifzügen durch Südamerika steht ein Spanisch-Intensivkurs auf dem Programm, aber auch das bleibt Zukunftsmusik, denn nach Afrika geht es erst weiter nach Asien. „Gesetzt“ sind für den Berg-Fan Eckart natürlich Nepal, aber auch Myanmar und Kambodscha. „Dieses Land hat uns schon früher begeistert.“

Vom Aufbruch zu buchstäblich neuen Ufern versprechen sich beide nicht zuletzt auch Anregungen für die eigene Neuorientierung – er im sogenannten Ruhestand und sie beruflich. Schließlich muss Elke Zapf für das Langzeitvorhaben ihre sichere Stelle an der Ohm-Hochschule aufgeben.

„Club wird mir fehlen“

„Was uns sicher fehlen wird, sind natürlich die Freunde, mir aber auch der Club“, räumt Eckart ein. Nürnberger Bratwürste wird der Vegetarier hingegen nicht vermissen. Und sicher erleichtert das Gefühl, dem Nachfolger ein solide bestelltes Haus übergeben zu können, den vorübergehenden Abschied.

Sein Leib- und Magenthema, die Bildung, wird ihn indes kaum loslassen. Allein darüber, wie die Angebote auf die immer vielfältigeren Lebensverhältnisse ausgerichtet werden müssen, kann er mit Hingabe lange dozieren. „Deshalb war und ist der Bildungscampus von Anfang an mehr als eine Zwangsehe von Stadtbibliothek, Volkshochschule und Planetarium“, sagt Eckart. Dass er dabei auch als Manager agieren musste, vertritt er mit Überzeugung, es hat ihn aber auch Sympathien gekostet.

Dabei sei bisher erst der Einstieg gelungen. Künftig müssten alle Bildungseinrichtungen viel stärker als Landschaft begriffen und aufeinander abgestimmt werden, so sein Credo. „Auch für die Stadtplanung hat das eine Schlüsselbedeutung.“ 

WOLFGANGHEILIG-ACHNECK

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