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Braune Gesinnungsgenossen auf Reisen

Rechtsextremisten trafen sich mehrfach mit der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi - 22.02.2013

Die Neonazis Sebastian Schmaus und Matthias Fischer trafen nach eigener Darstellung im Februar Abgeordnete der neonazistischen Partei Chrysi Avgi in Athen. Es gibt Fotos, die das dokumentieren.

Auf einem Bild posieren Schmaus („Bürgerinitiative Ausländerstopp“) und Fischer, einer der führenden Aktivisten des „Freien Netzes Süd“, neben Nikolaos Michaloliakos, Kopf der Partei Chrysi Avgi („Goldene Morgenröte“). Ein zweites Foto zeigt sie mit Abgeordneten, allesamt Herren mit ernsten Mienen und kurz geschorenen Haaren.

Einer von ihnen ist Ilias Kasidiaris, Sprecher der „Goldenen Morgenröte“. Der fiel unlängst dadurch auf, dass er in einer Talkshow vor laufenden Kameras die Vertreterin der kommunistischen Partei mit einem Glas Wasser übergoss und ihr mehrere Schläge ins Gesicht verpasste. Im Hintergrund des Gruppenbilds mit Neonazis hängt die Fahne von Chrysi Avgi. Das Parteisymbol erinnert an ein Hakenkreuz.

Griechische Medien griffen den Besuch der fränkischen Neonazis im Parlament in Athen auf. „Fast 70 Jahre nach dem Abzug der Nazi-Besatzungstruppen aus Griechenland trüben deutsche Nazis den Raum des griechischen Parlaments. Und sie taten dies auf Einladung der ,Goldenen Morgenröte‘“, schrieb zum Beispiel die renommierte Zeitung To Vima, wie Klaus Ehrlich von „Bürgerinnen und Bürger gegen rechte Gewalt“ berichtet.

Besuch in Nürnberg

Dass die braunen Geistesbrüder aus Franken Schlagzeilen machten, schien Chrysi Avgi im Nachhinein ziemlich unangenehm zu sein. Der Sprecher der „Goldenen Morgenröte“ versuchte, den Auftritt herunterzuspielen. Medienberichten zufolge behauptete er hinterher, es habe sich um Journalisten gehandelt.

Seit geraumer Zeit wird über die Intensität der Verbindungen zwischen der fränkischen und der griechischen Neonazi-Szene spekuliert. Das „Freie Netz Süd“ berichtet auf seiner Homepage stolz, dass im November vergangenen Jahres Vertreter der griechischen Partei Nürnberg, „die ehemalige Stadt der Reichsparteitage“, besucht hätten.

Nach dem Gegenbesuch in Athen gab es am 15.Februar ein drittes Treffen. Bei einer Veranstaltung des rechtsextremen Vereins „Bund Frankenland“ in Fürth waren nach Angaben des Verfassungsschutzes auch „einige wenige Aktivisten der ,Goldenen Morgenröte‘“. Die Verfassungsschützer werten dieses erneute Treffen als Indiz dafür, „dass zwischen den Beteiligten eine dauerhafte Vernetzung angestrebt wird“.

Dass die Partei des Hitler-Verehrers Michaloliakos in Nürnberg eine Zelle, beziehungsweise tatsächlich einen Ableger, gegründet hat, hat sich bislang nicht bestätigt. Diese Nachricht gehört wohl eher in die Abteilung „Propaganda“.

Der Verfassungsschutz jedenfalls hat keine derartigen Erkenntnisse. Und auch SPD-Stadtrat Theodoros Agathagelidis, Mitglied der griechischen Gemeinde in Nürnberg, ist sicher, dass es hier noch keinen Chrysi-Avgi-Ableger gebe. „Die wollen so etwas machen, aber wir werden uns dagegen wehren.“ Am Wochenende will die griechische Gemeinde einen Aktionsplan festlegen.

Chrysi Avgi erzielte bei den Parlamentswahlen in Griechenland im vergangenen Jahr 6,9 Prozent der Stimmen. Demokraten beobachten diese Entwicklung mit Entsetzen. Agathagelidis hält die wachsende Zustimmung seiner Landsleute für die rechtsextreme Partei für eine unüberlegte Reaktion auf die aktuell schwierige Situation Griechenlands. Er warnt: „Die Krise und die Arbeitslosigkeit sind ein Nährboden für nazistische und rassistische Ideen.“ 

VON SABINE STOLL

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