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Bund Naturschutz: Stromautobahn dient nur dem Kohlestrom

Klimaschutz in Gefahr - Beschwerde bei EU-Kommission eingereicht - 21.02.2014 15:16 Uhr

"Die Leitungen fangen also genau da an, wo Braunkohle gefördert wird." BN-Chef Hubert Weiger sprach sich am Freitag gegen die geplanten Stromtrasse aus (Archivbild).

"Die Leitungen fangen also genau da an, wo Braunkohle gefördert wird." BN-Chef Hubert Weiger sprach sich am Freitag gegen die geplanten Stromtrasse aus (Archivbild). © Federico Gambarini/Archiv (dpa)


Mit den in Bayern geplanten Stromautobahnen soll nach Einschätzung des Bundes Naturschutz (BN) vor allem umweltschädlicher Braunkohlestrom transportiert werden. Die 450 Kilometer lange "Gleichstromtrasse-Süd-Ost" zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Meitingen bei Augsburg werde "vor allem für den weiteren Betrieb von klimaschädlichen Kohlekraftwerken geplant. Wir befürchten, dass damit der Klimaschutz und die Energiewende von unten verhindert werden soll", sagte BN-Chef Hubert Weiger am Freitag in Nürnberg.

Stromautobahn durch Bayern
Stromtrasse durch Bayern

"Diese Planung arbeitet gegen den Klimaschutz", kritisierte BN-Energieexperte Werner Neumann. Es sei leicht ersichtlich, dass die neuen Leitungen für den Transport von Kohlestrom gedacht seien. "Vereinfacht gesagt führen sie von Köln nach Stuttgart und von Cottbus nach Augsburg. Die Leitungen fangen also genau da an, wo Braunkohle gefördert wird." Außerdem müssten die Kapazitäten der Kohlekraftwerke zurückgefahren werden, um mehr Windstrom zu transportieren. "Das ist nicht geplant. Diese Leitungen sind nicht für die Energiezukunft, sondern für den Fortbestand der Braunkohle für die nächsten 15 Jahre."

BN: Trasse ist überflüssig

Da die Bundesnetzagentur auf Anfragen des BN "keinerlei fachlich fundierte Antwort" geliefert habe, hätten die Naturschützer nun Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. "Wir fordern eine strategische Umweltprüfung nach EU-Recht, die alternative Energiekonzepte für Deutschland transparent vergleicht", sagte Neumann. Nur eine solche Analyse eines dezentralen Energiekonzepts könne zeigen, welche Stromtrassen tatsächlich benötigt würden.

Nach Ansicht des BN ist die von Amprion im Auftrag des Wirtschaftsministeriums und der Bundesnetzagentur geplante Trasse überflüssig. "Die Notwendigkeit wurde bis heute nicht begründet“, sagte Weiger. "Wir gehen davon aus, dass mit dezentralen Energiekonzepten - also mit mehr Stromeinsparung, mit Windenergie in Bayern und mit mehr Strom und elektrischer Leistung aus Kraft-Wärme-Kopplung - viele der heute geplanten Leitungen nicht mehr benötigt werden." Er forderte die Staatsregierung daher auf, sich wieder klar für mehr Windenergie und Biogasanlagen einzusetzen.

Andrea Carl von der Bürgerinitiative "Hof bis Freystadt gegen Monstertrasse" aus Betzenstein im oberfränkischen Landkreis Bayreuth beklagte: "Wir waren fassungslos über die Überheblichkeit der Netzbetreiber."

Auf Nachfragen sei bei den Infoveranstaltungen nicht eingegangen worden. "Es gab keinen Dialog, es wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden." Sie kündigte an: "Der Widerstand wird sich in den nächsten Wochen massiv ausweiten." Die verschiedenen Bürgerinitiativen würden sich vernetzen - dafür sei am Montag, dem 24. Februar, in Pegnitz ein erstes Treffen geplant.

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dpa

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