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»Charta des Zusammenlebens« als Meilenstein

Grundregeln für Muslime und Nichtmuslime als Orientierungshilfe - 11.05.2010

Unter anderem wird in der »Charta des Zusammenlebens«, die der Arbeitskreis Muslime-Nichtmuslime in Nürnberg jetzt vorgestellt hat, der Respekt vor »religiös motivierten Kleidungsvorschriften im Schulkontext« eingefordert.

Unter anderem wird in der »Charta des Zusammenlebens«, die der Arbeitskreis Muslime-Nichtmuslime in Nürnberg jetzt vorgestellt hat, der Respekt vor »religiös motivierten Kleidungsvorschriften im Schulkontext« eingefordert. © dpa


Von den rund 500.000 Bürgern der Stadt gehört heute fast ein Zehntel dem muslimischen Glauben an. In dem Arbeitskreis, der seit zehn Jahren besteht, arbeiten Vertreter von evangelischen sowie katholischen Kirchengemeinden, Moscheevereinen, Parteien und engagierte Einzelpersonen zusammen. Schirmherr ist Alt-Oberbürgermeister Peter Schönlein. Er würdigte die Charta als »Meilenstein« und wertvolle Hilfe zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung.

Einmalig in ganz Deutschland

»So etwas wie diese Charta gibt es in keiner anderen Stadt«, sagte Hans-Martin Gloël, Leiter der Begegnungsstätte Brücke-Köprü und einer der Moderatoren des Arbeitskreises, »sie kann durchaus Vorbild für andere Regionen sein.« Gloël hofft, dass der Text das Zusammenleben fördert und breit diskutiert wird. Der Inhalt der 22-seitigen Broschüre sei nicht ein für alle Mal festgezurrt. »Die Charta kann sich weiterentwickeln.«

29 Expertinnen und Experten - darunter auch der evangelische Dekan Wolfgang Butz, der Rechtsanwalt Cüneyt Gençer, Jürgen Kaufmann, Beauftragter des Erzbistums Bamberg für den interreligiösen Dialog, der Ditib-Vorsitzende Ilhan Postaloðlu, aber auch Christine Meyer vom Bürgermeisteramt oder Grünen-Stadträtin Elke Leo - haben dort in den drei Kapiteln »Recht und Religion«, »Bildung und Erziehung« sowie »Seelsorge und Soziales« gemeinsame Grundhaltungen gefunden.

Stärkere Einbindung bei verschiedensten Gelegenheiten

So wird zum Beispiel empfohlen, muslimische Gemeinschaften in die Trägerschaft von Kindertagesstätten mit einzubeziehen oder einen islamischen Religionsunterricht an den Schulen zu gewährleisten.

Grundsätzlich, so heißt es an anderer Stelle, müssen Muslime auch die Möglichkeit haben, in der Stadt repräsentative Orte des Gebets, also Moscheen, zu errichten. Vor konkreten Planungen, die es derzeit allerdings nicht gibt, solle jedoch in aller Öffentlichkeit »ein breit angelegter Prozess der Information und Diskussion« stattfinden.

Religiose Bekleidung erschwert Berufswahl

Respekt vor »religiös motivierten Kleidungsvorschriften im Schulkontext« wird ebenso eingefordert wie ein Ende von Benachteiligungen und Diskriminierungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung. »Insbesondere muslimische Mädchen werden häufig aufgrund ihrer religiösen Bekleidung vor schwere Gewissenskonflikte bei der Berufswahl gestellt«, heißt es. 

Michael Kasperowitsch

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