Freitag, 15.12. - 16:57 Uhr

|

Denkt Nürnbergs Feuerwehr über eine Gafferwand nach?

Sichtschutz soll Unfallstellen abschirmen - Klettverschluss gibt Durchgang frei - 07.12.2017 05:51 Uhr

Das Standardmodell der Gafferwand besteht aus acht solcher Segmente, erreicht also eine Länge von knapp 20 Metern. © Sebastian Linstädt


Kelheim hat sie schon - in Nürnberg war die Feuerwehr zumindest nicht uninteressiert: Die "Gafferwand" des Mecklenburger Erfinders Dieter Mohn ist so etwas wie der kleine Bruder der allseits beliebten Hüpfburgen. Ihre Grundstruktur besteht aus einem vergleichbaren Material, also ultra-reißfestem Nylon, auf einer Plane aus stabilem PVC. Zusammengerollt sieht die Gafferwand ein wenig aus wie ein zusammengelegtes Schlauchboot.

Das Paket ist etwa einen Meter breit und hat je nach der Effizienz der Wickelung einen Durchmesser von um die 40 Zentimeter bei einem Gewicht von 27 Kilo. Zwei Mann haben solch ein Bündel im Handumdrehen ausgebreitet und mit einer Reihe von rund zehn Kilo schweren Sandsäcken beschwert. Dann wird ein handelsübliches Gebläse für Hüpfburgen angeschlossen, und binnen weniger Sekunden bläht sich eine Giebelstruktur aus drei länglichen Röhren auf, die durch Querstreben rund 2,30 Meter breite Segmente bilden. Darin eingespannt sind die eigentlichen Sichtschutzwände aus luft- und lichtdurchlässigem Gewebe, die wiederum individuell bedruckt werden können.

Klettverschluss gibt Durchgang frei

Das Standardmodell der Gafferwand besteht aus acht solcher Segmente, erreicht also eine Länge von knapp 20 Metern. Sie kann in einer geraden Linie errichtet werden, oder auch leicht abknicken - die Struktur macht alles mit. "Und auch ein Durchschlupf ist schnell geöffnet", sagt Mohn und zieht an einer gelben Lasche: Die mittels Klettverschluss befestigte Sichtschutzwand löst sich sofort- und gibt den Weg auf die andere Seite frei.

Die Stadt Kelheim schaffte für ihre Feuerwehr im November eine Gafferwand an - als eine der ersten Kommunen in Deutschland. Man sei entsetzt über die Zunahme der Gafferei bei Unfällen, die seit der Verbreitung von Smartphones stark zugenommen habe, so Erster Bürgermeister Horst Hartmann (SPD) auf Anfrage: "Wir sind entschlossen, die Persönlichkeitsrechte von Unfallopfern und Verunglückten zu schützen, die Gafferwand hat uns überzeugt"; erklärt der Rathauschef auf Anfrage.

Fraglicher Transport

Die Kosten für das Basismodell liegen unter 4000 Euro - und sind damit deutlich günstiger als etwa die Sichtschutzwände aus bespannten Bauzäunen, die im Sommer in Bayern bei der Autobahndirektion Nordbayern eingeführt wurden.

Die Praktiker von der Feuerwehr Nürnberg überzeugte bei einem ersten Test vor allem die Geschwindigkeit des Aufbaus. Fraglich sei jedoch, auf welches Fahrzeug man eine solche Sichtschutzwand noch packen könne samt Gebläse und Gewichten - die Fahrzeuge seien heute bereits häufig an der Grenze des zulässigen Gesamtgewichts, so die Feuerwehr.  

Sebastian Linstädt

12

12 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg