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Der 1. FC Nürnberg zeigt Rechten die Rote Karte

Debatte um NPD-Funktionär im Vorstand der "Club Warriors" - 02.02.2018 06:00 Uhr

Die Fan-Choreographie für den ehemaligen jüdischen Trainer Jenö Konrad wurde als ein klares Bekenntnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mit dem Julius Hirsch-Preis 2013 ausgezeichnet. © Foto: Wolfgang Zink/DaMa


Frank Auterhoff eignet sich offenbar zum zweiten Vorsitzenden der Club Warriors, einem offiziellen Fanclub des FCN. Dieses Amt bekleidet er auch für den Nürnberger Kreisverband der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Er mag also nicht nur den Club, sondern auch ein ausländerfreies Deutschland, was unter anderem dem Nürnberger Bündnis Nazistopp bereits aufgefallen ist.

Nachdem Auterhoff jüngst eine NPD-Veranstaltung mit Ralf Ollert als Redner organisiert hatte, erkundigte sich das Bündnis auf Twitter, warum der "1. FC Nürnberg Nazis hofiert" - was den Verein zum Handeln bewog, und zwar ausgesprochen schnell.

"Wir haben den Fanclub angesprochen und ihm gesagt, dass das kein Zustand ist, den wir tolerieren können", sagt Michael Meeske, der als Vorstand beim 1. FC Nürnberg für die Bereiche Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Sollte sich an der Zusammensetzung der Vorstandschaft des Fanclubs nichts ändern, werden wir dem Fanclub den Status als offizieller Fanclub des 1. FC Nürnberg entziehen."

"Mehr", das sagt Meeske noch, "können wir nicht tun, weil Herr Auterhoff nicht Mitglied des 1. FC Nürnberg ist." Was ein Fußballverein tun kann gegen Nazis oder solche, die man dafür hält, damit hat sich jüngst das ganze Land beschäftigt. Ausgelöst hatte die Debatte Peter Fischer, Präsident des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. "Wer AfD wählt, kann niemals Mitglied von Eintracht Frankfurt sein", hatte Fischer im Dezember in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt.

Klares Zeichen gegen die AfD

So ähnlich wie bei Fischer hört sich das auch beim 1. FC Nürnberg an. "Grundsätzlich kann jeder, der das will, auch FCN-Mitglied werden", sagt Meeske, "Wir finden es aber richtig, was Peter Fischer in Frankfurt gemacht hat, weil wir der Meinung sind, dass es wichtig ist, ein klares Zeichen gegen die AfD zu setzen. Ich sehe die parteipolitische Orientierung der AfD als fatal und bedrohlich. Auch ich sehe es so, dass nicht wir die Gesinnung unserer Mitglieder überprüfen müssen, dass sich aber jedes Mitglied selbst fragen sollte, ob seine Gesinnung zu unseren moralischen und ethischen Werten passt. Und wenn es einen klaren Widerspruch zu unseren Werten gibt, werden wir tätig und das entsprechend ahnden."

Notwendig war das bislang nicht, Meeske ist jedenfalls während seiner Amtszeit kein Fall bekannt, in dem das Vereinsschiedsgericht über einen Ausschluss aus politischen Gründen hätte entscheiden müssen. Der 1. FC Nürnberg hat kein Nazi-Problem, spätestens seit dem Aufkommen der Ultras hört man in der Nordkurve des Max-Morlock-Stadions keine rassistischen Gesänge mehr - was in den 1990er Jahren durchaus anders war. Die Selbstreinigungskräfte der Fankurve funktionieren - zumindest im Stadion. 

Fadi Keblawi

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