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Der ehemalige "Deutsche" Hof ist fast fertig saniert

"Arbeiten am Rohbau, am Dach und die Rohinstallation sind abgeschlossen" - 28.11.2015 10:57 Uhr

Dazwischen liegen 102 Jahre und zwei Weltkriege: 1913 wurde das Hotel Deutscher Hof (links) in der Lessingstraße eröffnet und war zunächst eines der besten Häuser in Nürnberg. 1944 wurde das Hotel schwer beschädigt und notdürftig wiederhergestellt. Im März 2016 soll die Sanierung abgeschlossen sein und das Haus hat wieder seine ursprüngliche Dachform.

Dazwischen liegen 102 Jahre und zwei Weltkriege: 1913 wurde das Hotel Deutscher Hof (links) in der Lessingstraße eröffnet und war zunächst eines der besten Häuser in Nürnberg. 1944 wurde das Hotel schwer beschädigt und notdürftig wiederhergestellt. Im März 2016 soll die Sanierung abgeschlossen sein und das Haus hat wieder seine ursprüngliche Dachform. © Fotos: A. Derr und Terraplan


Im Dezember werden die ersten der 27 Eigentumswohnungen des sogenannten Opernpalais fertiggestellt und bis zum Februar voraussichtlich der Rest. Verkauft sind alle Wohnungen schon seit längerer Zeit. Der Quadratmeterpreis der 45 bis 150 Quadratmeter großen Wohnungen lag zwischen 4000 und 5000 Euro. Die Sanierung des Anwesens Deutscher Hof ist auch ziemlich weit fortgeschritten.

„Die Arbeiten am Rohbau, am Dach, die Rohinstallation und der Einbau der Fenster sind abgeschlossen. Der Innenausbau wird kommende Woche begonnen, die Fertigstellung des Deutschen Hofs erfolgt voraussichtlich im März“, stellte Erik Roßnagel, Geschäftsführer von Terraplan, fest. Eine Tochterfirma von Roßnagels Grundstücksentwicklungsgesellschaft hatte 2012 das Anwesen gekauft, das seit 2004 leer stand. Es drohte abgerissen zu werden.

In diesem Eingang soll die Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses untergebracht werden.

In diesem Eingang soll die Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses untergebracht werden.


Der Deutsche Hof war 1913 als eines der besten Hotels in Nürnberg eröffnet worden und war lange Zeit im hinteren Teil des Hauses auch Sitz der Standesorganisation „Lehrerheim“. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte das Hotel in den dreißiger Jahren, als Adolf Hitler bei seinen Aufenthalten in Nürnberg dort logierte. Vor allem während der Reichsparteitage gab es vor dem Hotel zahlreiche Aufmärsche und Huldigungen vonseiten der Bevölkerung für den „Führer“.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel durch Bombentreffer beschädigt und notdürftig repariert. Nach dem Krieg fanden in den Lessingsälen viele legendäre Bälle statt, an die sich die Nürnberger noch immer erinnern. Der marode Saalbau konnte aber aus finanziellen Gründen nicht erhalten werden.

Wieder mit Balkon und historischer Dachgeometrie

Roßnagel hat mit der Sanierung die ursprüngliche Geometrie des Hauses wieder herausgearbeitet. Er behält das „stadtbildprägende Denkmal“ im eigenen Immobilienbestand und wird es nicht weiterverkaufen. Ursprünglich wollte er mit seiner Firma in das Gebäude einziehen, auch sollte das Erdgeschoss gastronomisch genutzt werden. Doch daraus wird in beiden Fällen nichts, denn der ehemalige „Deutsche Hof“ wird komplett von einer Firma als Verwaltungssitz gemietet.

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Bei den Sanierungsarbeiten wurde der charakteristische Eckbalkon des Originalzustands wiederhergestellt und auch die Dachformation ähnelt wieder stark dem Originalentwurf. Der Balkon wurde allerdings ein Geschoss höher eingebaut und das Dach bekam eine nutzbare Etage zusätzlich. Für die Sanierungsarbeiten wurde der Sandstein des abgerissenen Rückbaus verwendet.

Im April 2014 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. „Die Arbeiten liegen aber leicht hinter dem ursprünglichen Terminplan“, so Roßnagel. Besonders der Aushub und die Gründung im Bereich des Neubaus waren schwierig, weil sehr wenig Platz zur Verfügung stand. Die Baugrube für 54 Tiefgaragenplätze musste über Bohrpfähle in den Nachbargrundstücken, dem sogenannten Hochdruckinjektionsverfahren, gesichert werden.

Laut Eduard Bunescu-Fay, Projektentwickler bei Terraplan, blieben vom Deutschen Hof nur die Fassade, das Tragwerk und die unter Denkmalschutz stehenden Treppenhäuser stehen: „Es ist ein Gebäude mit Neubaustandard, was Technik, Sicherheit, Brandschutz und Schallschutz anbelangt, entstanden.“ Die Kriegsschäden waren schwerer als vorab sichtbar war.

Obwohl die Nutzung sich geändert hat und es keine Gaststätte mehr gibt, soll es im Eingang am Frauentorgraben eine öffentlich zugängliche Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses geben. Der Bauhistoriker Sebastian Gulden und der Innenarchitekt Eugen Gehring arbeiten derzeit an einem Konzept. „Die Realisierung soll bis zum Bezug erfolgen“, so Roßnagel. Gulden hat eine über tausend Seiten umfassende Dokumentation des Hauses verfasst. Nur schade, dass es sie nicht als Buch zu kaufen gibt. 

André Fischer

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