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Die geheime Sprache der Zecken

Das Thermometer sagt: «Krabbel waagerecht!« - 20.04.2009

Bei höheren Temperaturen sind die Zecken aktiver. © dpa


So gesehen, sind Zecken ganz vergnügliche Tierchen. Doch gerade für den Menschen sind sie weniger erfreulich: Zecken können zahlreiche Krankheiten übertragen, deren Diagnose sehr unsicher ist. Denn ihre Symptome ähneln denen anderer Krankheiten, und es gibt eine Vielzahl von Zeckenarten, die verschiedenste Beschwerden hervorrufen.

Borreliose ist eine dieser Krankheiten, die beim Menschen Haut-Veränderungen, Gelenk-Entzündungen und eine Beeinträchtigung des Nervensystems zur Folge haben kann. Wie man sich gegen eine solche Infektion, also einen Zeckenstich schützen kann, erklärte am Donnerstag Diplom-Biologin Eva Scholl in ihrem Vortrag «Die geheime Sprache der Zecken oder wie man keine Borreliose kriegt« im Katharinensaal.

Kleine Zecken messen nicht einmal einen Millimeter

Zecken werden aus Eiern geboren und sind am Anfang ihres Lebens kleiner als einen Millimeter. Außerdem sind sie durchsichtig und deshalb schwer zu erkennen. Trotzdem saugen sie schon unser Blut. Häufiger bedienen sie sich allerdings an kleineren Wirten, wie zum Beispiel Mäusen oder Igeln.

Sind die Zecken vollgesaugt, lassen sie sich fallen, häuten sich und werden zu Teenagern, in der Biologie Nymphe genannt. Nach ihrer nächsten Blutmahlzeit sind die Zecken adult, saugen ein letztes Mal Blut, legen Eier und sterben. Die bevorzugten Wirte der Zecken werden im Laufe ihres Lebens immer größer. Der Mensch kann jedoch in jedem Stadium zum Opfer werden.

Das Verhalten von Zecken wird von ihrem inneren Thermometer bestimmt. Ist es wärmer als zwölf Grad Celsius, erwachen sie aus dem Schlaf und beginnen, aufwärts zu klettern. Über 24 Grad hingegen klettern sie abwärts und krabbeln waagerecht. Dabei gilt der Grundsatz: Je wärmer, desto schneller. Deshalb können Zecken vor allem im Sommer zur Gefahr werden. «Wenn es schwül und feucht ist, dann ist Zeckenwetter«, erklärt Eva Scholl.

Die Zecken sitzen dann auf Grashalmen und Sträuchern. Kommt ein Wirt vorbei, den sie mit ihren Beinen riechen, können sie in Millisekunden zupacken. Dann suchen sie eine weiche warme Stelle, stechen zu und zementieren sich. Der Vorgang kann bis zu 24 Stunden dauern, aber dann sitzt die Zecke fest am Körper.

Duschen reicht als Schutz nicht aus

Um sie wieder loszuwerden, reicht duschen allein nicht aus. Besser sollten sie mit einer spitzen Pinzette direkt hinter dem Kopf gepackt und herausgezogen werden. Auf jeden Fall sollte die Stichwunde nach der Entfernung desinfiziert, regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Wichtig ist auch, die Zecke aufzubewahren, am besten tiefgekühlt oder in Schnaps. «Sollten nach dem Stich Beschwerden auftreten, kann man an der Zecke untersuchen, ob sie die Ursache für die Symptome ist«, erklärt Scholl. Von der Verwendung von Öl oder Klebstoff bei der Zecken-Entfernung rät Scholl ab: «Davon wird die Zecke besoffen und übergibt sich in die Wunde.«

Genau das sollte verhindert werden, denn dadurch können die Borrelien, die Auslöser von Borreliose, erst in den Körper gelangen. Bleibt ein Zeckenbiss unentdeckt, erfolgt die Übertragung der Borrelien, die sich in der Speicheldrüse der Zecke vermehren, erst nach der Blutmahlzeit.

Mit Gummistiefeln zum Waldspaziergang

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht, aber viele Möglichkeiten, einen Zeckenstich vorzubeugen. So sollte man während eines Waldspaziergangs immer unifarbene beziehungsweise helle Kleidung und eine lange Hose tragen. Über sie werden dann die Socken gezogen. Zusätzlich können die Schuhe auch mit Permethrin, das in der Apotheke erhältlich ist, imprägniert werden. Noch sicherer sind Gummistiefel. «Wenn man sich dann noch doppelseitiges Klebeband um die Stiefel wickelt, haben es die Zecken ganz schön schwer«, sagt Scholl.

Der Toilettengang sollte vor dem Spaziergang erledigt werden, um im Wald immer auf den Wegen zu bleiben. Bei einer Rast ist es sinnvoll, sich auf ein weißes Tuch zu setzen, um die Zecken schneller zu entdecken. Auch Haustiere sind ein Risikofaktor. So tragen zum Beispiel Hunde Zecken in den heimischen Garten, wo sie sich vermehren und erneut zur Gefahr werden können. Vorsicht ist auch bei Komposthaufen, verwilderten Gärten oder Schlafbäumen geboten. Hier leben Mäuse und Igel, die Zecken tragen können.

Zurückgekehrt vom Waldspaziergang sollte die Freizeitkleidung weit entfernt vom Schlafplatz aufbewahrt werden. «Am besten gründlich lüften oder 30 Minuten in den Wäschetrockner stecken«, rät Scholl. Denn Trockenheit können Zecken nicht vertragen.


 

Christin Nünemann

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