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District Ride: Schon wieder Schäden am Schönen Brunnen

Missbraucht als Klettergerüst: Muss Red Bull zahlen? - 17.09.2017 05:15 Uhr

Der District Ride lockte am ersten Septemberwochenende Zehntausende Besucher in die Innenstadt. Der Schöne Brunnen, der erst aufwändig saniert wurde, hielt für manche als Tribüne her. Das hat seine Spuren hinterlassen. © Foto: Horst Linke


Stadtrat Jürgen Dörfler (Freie Wähler) war Anfang September zu Besuch beim District Ride. So wie fast 100.000 andere Besucher auch wollte er sich das Radsport-Spektakel nicht entgehen lassen. Weil die Innenstadt überfüllt war, musste sich jeder seinen eigenen Weg suchen, um einen Blick auf die Rampen erhaschen zu können. Dieser Weg führte manche auf den Schönen Brunnen – vor allem Kinder. Dörfler beobachtete die Szene und ärgert sich darüber bis heute. Er spricht von zeitweise bis zu 30 Menschen, die es sich auf dem Zaun um das historische Kunstwerk gemütlich gemacht haben.

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Der Politiker hat auch ein Kind gesehen, das auf dem Brunnen selbst herumturnte. Als er die Eltern ansprach, hätten diese ihn nur angekeift. Mitarbeiter des zuständigen Sicherheitsdienstes hätten ebenfalls nicht reagiert, erzählt Dörfler. Und das, obwohl die Kräfte nur wenige Meter entfernt gestanden und er sie auf die Lage hingewiesen hätte. Die Begründung laut Dörfler: Dafür sind sie nicht zuständig.

Das hat Spuren hinterlassen. Am Freitag hat sich Dörfler deshalb mit Michael Hirschmann vom Hochbauamt getroffen, um ihm die Schäden zu zeigen. Die Freien Wähler haben auch einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, um den Sachverhalt zu klären. Der Zaun hat einiges abbekommen – die Konstruktion aus Stahl ist detailreich verziert und damit sehr empfindlich. Spitzen sind verbogen, Gitter nach innen und außen gedrückt sowie die Oberfläche an mancher Stelle abgenutzt worden.

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"Das tut schon weh"

Hirschmann kann zwar auf den ersten Blick "keine ganz gravierenden Schäden" erkennen. Aber die Verformungen zeigen, dass das Material beansprucht worden sei und eine Kraft dagegen gewirkt habe. "Das tut mir schon weh", sagt der Brunnenexperte, während er sich das Baukunstwerk genau ansieht. Der Schöne Brunnen sei immerhin ein Wahrzeichen der Stadt. Erst im November 2016 ist er nach jahrelangen Sanierungsarbeiten fertiggestellt worden. Kosten: eine Million Euro. "Und jetzt geht es schon wieder los."

Dörfler moniert: "Das ist ein grundsätzliches Problem. Brunnen werden als Klettergerüste genutzt, ungeachtet dessen, dass es sich um eine historische Substanz handelt." Viele Kinder seien heute nicht mehr richtig erzogen. Der Stadtrat will die Leute sensibilisieren und appelliert an die Vernunft. Dabei gehe es ihm auch um die Sicherheit der Menschen, das Klettern kann schließlich gefährlich werden – mit den vielen Stahlspitzen.

Ein weiteres Beispiel ist der Tugendbrunnen neben der Lorenzkirche: Den haben Unbekannte erst im Juli beschädigt und um die wertvollen Waagschalen beklaut.

Baldmöglichst wird sich Hirschmann mit der Restaurierungsfirma treffen, um die Schäden am Schönen Brunnen zu begutachten. Sie soll das Bauwerk wieder geradebiegen. Sonst besteht die Gefahr, dass Teile des Zauns ganz abbrechen. "Das sind wir dem Schönen Brunnen schuldig." Hirschmann rechnet mit einem "geringen Kostenaufwand" – der aber dennoch hätte vermieden werden können.

Der Fachmann will nun jedenfalls Schilder anbringen lassen, die das Betreten verbieten. Außerdem soll überprüft werden, ob Sicherheitsfirmen künftig nicht doch ein Auge auf den historischen Brunnen haben können, zumindest bei Sportveranstaltungen. Für den Christkindlesmarkt sehen die Experten kein Problem: Da sei der Brunnen durch die Buden gut geschützt. Auch sei es nicht so schlimm, wenn jemand mal auf das Gitter steige, um an dem Ring zu drehen – wenngleich sich auch hier schon Verschleißerscheinungen zeigen.

Dörfler möchte ebenfalls geklärt haben, wer die Kosten für die Reparaturen übernimmt: Die Stadtkasse oder der Veranstalter "Red Bull"? 

Meike Kreil

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